Corona-Talk am Dienstag: Jörg Spors im Interview

Jörg Spors war bei Radio Essen im Interview. Er ist Hygienebeauftragter der Stadt Essen und Mitglied der Task Force. Gemeinsam mit Moderator Patrick Wilking hat er Eure Fragen beantwortet. Hier gibt es den Talk noch mal zum Nachhören.

© Renée Severin / Radio Essen

Corona-Talk: Experte im Interview bei Radio Essen

Jörg Spors ist Hygienebeauftragter der Stadt Essen und Mitglied der Task Force für Essen. Er sitzt regelmäßig im Krisenstab der Stadt. Bereits in der Vergangenheit hat er Übungen für den Pandemiefall mitorganisiert, wie 2009 und 2012 zusammen mit der medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. Dort wurde zum Beispiel erprobt, wie nach dem Essener Pandemieplan rund um die Uhr Massen-Impfungen stattfinden können.

Antworten auf die häufigsten Fragen

Essen wurde in der Vergangenheit für den Umgang mit dem Corona-Virus gelobt, unter anderem von Virologe Christian Drosten. Was macht Essen so gut?

Essen macht Dinge vor allem anders, sagt Jörg Spors im Radio Essen-Interview. Die dezentrale Probenahme sei entscheidend. In Essen fährt die Feuerwehr zu Verdachtspatienten und nimmt die Proben. Niemand muss mit Symptomen extra durch die Stadt fahren, um beprobt zu werden. Danach kann die Stadt gezielt das Umfeld positiv getesteter Personen untersuchen und genau verfolgen, wer Kontaktpersonen waren.

Läden mit unter 800 quadratmetern Fläche dürfen seit Montag (20. April) wieder öffnen. Warum liegt die Grenze ausgerechnet bei 800 quadratmetern?

Bei kleineren Geschäften kann man den Überblick besser behalten, sagt Jörg Spors. Er war zwar nicht dabei, als diese Grenze gezogen wurde. Er kann aber nachvollziehen, dass es diese Grenze gibt. "Bei größeren Geschäften wird es schwieriger, den Überblick zu behalten." Das gelte vor allem, wenn viele Personen unterwegs sind.

Warum hat ausgerechnet der Einzelhandel zuerst geöffnet? Wieso dürfen Friseure z.B. noch nicht öffnen?

Laut Herrn Spors gibt es im Friseurladen häufiger Face-to-Face-Kontakt. Im normalen Einzelhandel ist das in der Regel wohl nicht der Fall. Aber auch dort gilt: Vorsicht. Wir befinden uns weiterhin in einer Pandemie und müssen Abstände weiter einhalten. Kranke Personen sollten weiter nicht selbst einkaufen, sondern Nachbarn oder Bekannte schicken.

Warum kann man nicht mehr Menschen beproben, z.B. Pfleger oder Personen, die eh ins Krankenhaus kommen?

Es würde keinen Sinn machen, da man viele falsch negative Ergebnisse erzeugen würde, weil man Menschen ohne jegliche Symptome oder Kontakte zu Infizierten testen würde. Aber in den Krankenhäusern und Pflegeheimen gibt es Maßnahmen, die dafür sorgen sollen, dass es keine Infizierungen in Krankenhäusern und Pflegeheimen gibt.

Die Mundschutzpflicht wird stark diskutiert in Deutschland. Ist eine Pflicht sinnvoll?

Grundsätzlich kann ein Mundnasenschutz sinnvoll sein. Denn wo Menschen sind, schützt man sich selbst und andere damit, sagt Herr Spors. Aber eine Maske ersetzt keine Maßnahmen wie Abstand halten, Hände waschen etc. Zudem muss man einen Mundschutz auch richtig tragen, so Jörg Spors. Sonst bringt er nicht viel. Für den Fall, dass NRW eine Mundschutzpflicht einführen sollte, muss sichergestellt sein, dass es genug Masken gibt. Unabhängig von einer Maskenpflicht heißt es: Ein Schal oder ein Tuch helfen auch weiter. Wichtig ist, dass die Infektion über Tröpfchen unterbunden wird. Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen fordert eine einheitliche Lösung für ganz NRW. Einzelne Städte sollten nicht vorpreschen.

Wie lange werden die Maßnahmen noch andauern? Wann können wir zurück in die Normalität?

Das kann niemand genau sagen, so Jörg Spors. Es gibt unterschiedliche Annahmen: Von ein paar Monaten bis hin zu über ein Jahr. Aber Essen befände sich auf einem guten Weg, heißt es. Wir alle müssen dennoch weiter viel Geduld haben.

Der Talk zum Nachhören: 15 bis 16 Uhr

© Radio Essen

Der Talk zum Nachhören: 16 bis 16.30 Uhr

© Radio Essen

Wir haben schon in einigen Talks Eure Fragen rund um die Corona-Krise beantwortet:

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