Tipps gegen Cybermobbing in Essen: Medienscouts helfen an Schulen und wann eine Anzeige sinnvoll ist

"Du bist hässlich und stinkst zum Himmel!" - solche Kommentare will keiner gerne unter seinen Bildern und Postings in den sozialen Netzwerken lesen, passiert aber häufig in allen Altersklassen. Cybermobbing ist seit Jahren großes Thema. Politiker, Stars sind betroffen, aber es kann auch jeden von uns treffen. Was gibt es für Fälle? Wie gehen die Schulen in Essen damit um? Was könnt Ihr gegen Cybermobbing tun, auch rechtlich? Hier findet Ihr Tipps und unser Thema am Social-Media-Sonntag, 15. März von 14 bis 17 Uhr mit Larissa Schmitz.

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Was ist Cybermobbing?

Cybermobbing meint das absichtliche Beleidigen oder auch Belästigen in sozialen Netzwerken oder im Internet und über Apps allgemein. Das können fiese Kommentare sein, im Zweifel richtige Hass-Postings. Aber auch Gerüchte über jemanden im Netz, in WhatsApp-Gruppen zählt zu Cybermobbing. Genauso Rufschädigung, zum Beispiel durch Bilder, die bearbeitet wurden oder auf anderen Seiten in komischen und unwahren Kontext gestellt werden. Auch schon ganz einfach, der Ausschluss aus einer WhatsApp-Gruppe, zum Beispiel als einziger in einer Klassengemeinschaft, ist ein Fall von Cybermobbing.

Der Unterschied zum Offline-Mobbing zeigt sich durch die vielen Möglichkeiten des Internets. Die Mobber - die sogenannten Bullys - können rund um die Uhr mobben und Gerüchte verbreiten. Das wiederum verbreitet sich dann wie ein Lauffeuer, erreicht im Zweifel viele Menschen. Dazu kommt die Anonymität. Die Täter können sich leichter hinter Fake-Namen verstecken. Dazu ist für viele dann das Opfer und dessen Betroffenheit nicht unmittelbar sichtbar, deshalb ist dann vielen auch das Ausmaß der verletzenden Worte und Bilder nicht bewusst.

Was tun bei Cybermobbing?

Wenn Du selbst Opfer von Cybermobbing wirst oder es bei jemandem beobachtest, ist das Wichtigste und Vernünftigste erst mal nicht mitzumachen. Zurückzukeifen oder mit zu beleidigen, bringt nichts. Am besten antwortet Ihr sachlich oder mit rechtlicher Grundlage, das kann die Lage möglicherweise schon entschärfen. Da könnt Ihr zum Beispiel Bildrechte oder den Strafbestand bei Beleidigungen anbringen. Direkt Anzeigen bei der Polizei ist auch nicht immer schlau. Da kommt es oft drauf an, wie schwerwiegend ist die Beleidigung? Kam sie als private Nachricht oder auf einem öffentlichen Profil? Oft ist Mobbing auch mit Scham beim Gemobbten verbunden. Hilfe und erst mal eine anonyme Beratung oder Einschätzung gibt es bei der Nummer gegen Kummer unter 0201 265050 oder der 0800 1110333.

Wird der Fall schlimmer und ernster, dann auf jeden Fall Screenshots von den Kommentaren und Bildern machen, Zeiten dokumentieren. Das hilft der Polizei und Staatsanwaltschaft weiter, falls der Täter nicht bekannt ist.

Auch die sozialen Netzwerke oder Unternehmen hinter den Apps und Plattformen können bei ersten Schritten gegen Cybermobbing helfen. Jede Plattform, Facebook, Twitter, Instagram, TikTok, haben alle die Funktion Postings, Nutzer und Kommentare zu melden und zu blockieren. Meist sind drei Punkte neben dem Inhalt zu sehen. Das Netzwerk bekommt dann einen Hinweis, dass der Inhalt gegen Regeln verstößt. Die Anbieter prüfen das und löschen den Inhalt, im Zweifel können sie auch Nutzer sperren.

Die Seite Klicksafe gibt weitere viele wichtige Hinweise für das richtige Verhalten im Netz und bei Problemen, wie Cybermobbing.

Nachricht bei Facebook melden
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Jugendamt Essen hilft bei Cybermobbing

Das Jugendamt in Essen hat einen Medienbeauftragten, der unter anderem Schulen dabei hilft, über Cybermobbing zu informieren und es auch einzudämmen. Andreas Ruff baut mit der Landesanstalt für Medien NRW und den Schulen in Essen Projekte auf, die die Klassengemeinschaft stärken sollen und Streitschlichtung fördern. Dann kommt im Bestfall das Bedürfnis zu mobben gar nicht erst auf bei den Schülern. Dazu müssen Kinder und Jugendliche lernen, die Masse an Infos und Eindrücken im Internet zu filtern und damit vernünftig umzugehen. Besonders wichtig, weil heute die Nutzung viel früher losgeht. Deshalb sollte Medienkompetenz ein festes Fach an Schulen werden, sagt Ruff. Dazu müssen Schulen aber ihr Konzept umstellen - das falle vielen wohl noch schwer, sagt Andreas Ruff.

Hilfe gegen Cybermobbing in Jugendportal der Stadt: townload-essen.de

Das Jugendamt hat außerdem eine extra Internetseite für Jugendliche in Essen. Da findet Ihr viele Veranstaltungen für Euer Alter, könnt Medien- und Pressearbeit kennenlernen und es gibt viele Tipps und Links zu Stellen, bei denen Ihr Hilfe bekommt, zu all möglichen Themen. Die Seite heißt: Townload-Essen.

Schulen in Essen arbeiten mit Medienscouts gegen Cybermobbing

Cybermobbing ist auch an den Schulen in Essen seit Jahren ein großes Thema und Problem. Deswegen gibt es das Projekt der Medienscouts. Das sind Schüler, die ihren Mitschülern helfen, sich für die sozialen Medien zu sensibilisieren. Vorreiter sind die Medienscouts der Gesamtschule Borbeck. Die haben zum Beispiel eigene AG-Sprechstunde, wo die Mitschüler hinkommen können und vertraulich über Probleme sprechen können. Dazu geben sie Workshops in den Klassen, auch zum Thema Cybermobbing. Da stellen sie unter anderem ein Fallbeispiel vor, besprechen das mit den Klassen und führen auch Übungen durch, um das Gefühl zu erzeugen, wie ist es Mobber zu sein und vor allem, wie fühlt sich der Gemobbte.

Um Medienscouts zu werden, vermitteln Beratungslehrer an die Schüler. Die haben 2010/2011 im Pilotprojekt eine Schulung der Landesanstalt für Medien NRW bekommen. Die kümmert sich jetzt auch darum, das Projekt an weiteren Schulen zu vermitteln. Die Grundausbildung wird immer wieder um aktuelle Themen erweitert. Außerdem gibt es immer wieder kleinere Fortbildungen zu aktuellen Netzwerken oder auch Medientreffen. Zum Beispiel waren die Medienscouts der Gesamtschule Borbeck schon in der Facebook-Zentrale in Hamburg als erste Schülergruppe und haben mit den Köpfen hinter der Plattform gesprochen. Dadurch hat sich ihr Blick auf die Medien geändert und sie sind sensibler geworden. Seit die Medienscouts an der Schule arbeiten hat sich das Thema Cybermobbing verändert. Die Scouts haben das Gefühl, dass an der Gesamtschule Borbeck Cybermobbing tatsächlich zurückgegangen ist und Fälle sofort im Vertrauen aufgefangen werden.

Es gibt auch noch andere Schulen in Essen mit Medienscouts, zum Beispiel das Leibniz-Gymnasium in Altenessen oder die B.M.V Schule in Holterhausen. Außerdem sollen in diesem Jahr noch zehn weitere Schulen das Projekt bekommen oder weiter ausbauen. Die Medienscouts der Gesamtschule Borbeck kommen auch gern an andere Schulen und stellen das Konzept vor.

Celina, Simon und Vanessa von den Medienscouts der Gesamtschule Borbeck in Essen
Celina, Simon und Vanessa von den Medienscouts der Gesamtschule Borbeck© Radio Essen
Celina, Simon und Vanessa von den Medienscouts der Gesamtschule Borbeck
© Radio Essen

Cybermobbing in Essen anzeigen

Wenn das Mobbing zu weit geht oder von Anfang an schon aus dem Ruder läuft, dazu alle anderen Maßnahmen, wie blockieren, melden oder eine deeskalierende Unterhaltung nicht bewirkt haben ,dann kann der Schritt zu rechtlichen Maßnahmen sinnvoll sein. Hier ist es aber wichtig, das Alter zu unterscheiden. Im Jugend-Bereich ist die einfache Anzeige nicht unbedingt die beste Lösung. An der Polizei-Zentrale seien die Mitarbeiter oft überfordert, sagt das Jugendamt. Meldet Euch dann am besten beim Jugendamt direkt. Dann könnt Ihr an Jugendkontaktbeamte bei der Polizei vermittelt werden. Die sind besonders auf die Fälle von Cybermobbing bei Minderjährigen geschult.

Erwachsene können sich natürlich auch an die Polizei wenden und auch an Anwälte für Medienrecht, um die rechtlichen Möglichkeiten zu klären. Hier sind dann Beweise, wie Screenshots von Kommentaren und Profilen sehr hilfreich. Viele Polizeibehörden, auch die Polizei Essen, haben spezielle Abteilungen für Cyberkriminalität und sogenannte Hate-Crimes. Da sind die Beamten entsprechend geschult und haben auch Möglichkeiten digitale Spuren der Mobber oder Hacker zu verfolgen.

Beleidigungen sind kein Kavaliersdelikt

Oft haben Mobber und Hater im Internet nicht die rechtlichen Folgen im Blick. Eine Beleidigung klingt vom Wortlaut her vielleicht erst mal nicht dramatisch, ist aber im Strafgesetzbuch klar geregelt.

§185 Strafgesetzbuch (StGB)

Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

§ 186 Strafgesetzbuch (StGB)

Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Neuer Gesetzesentwurf soll Hasspostings in die Mangel nehmen

Die Bundesregierung hat im Februar 2020 einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht, der die Netzwerke mehr zur Verantwortung ziehen soll. Bisher müssen Facebook und Co. die Hasspostings und Hetz-Kommentare "nur" löschen. Das neue Gesetz will sie aber dazu verpflichten die User dahinter und deren Kommentare an das Bundeskriminalamt zu melden. So sollen viel mehr Hater und Hetzer verfolgt werden und auch bestraft werden. Das könne je nach Grad Geldstrafen oder auch Haftstrafen bedeuten. Dem Gesetzesentwurf muss aber noch der Bundesrat zustimmen (Stand: 10.03.2020).

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