Social Media in Essen: Beliebte Netzwerke der Jugendlichen und Tipps zur Nutzung - TikTok, Tellonym, SnapChat

Facebook ist out! Zumindest sieht das der Großteil der Jugendlichen heute so. Unter 20 Jahre hat fast keiner mehr einen Facebook-Account und wenn, dann wird er nicht mehr genutzt. Das bestätigen auch Essener Schüler. Auf welchen sozialen Plattformen sind die Teenager in Essen unterwegs? Und was sollten sie selbst und auch Eltern über die Netzwerke und deren sichere Nutzung wissen? Wir haben eine Übersicht und Tipps hier zusammengestellt und auch im Mai am Social-Media-Sonntag bei Radio Essen drüber gesprochen.

© Pixabay/TeroVesalainen

Welche sozialen Netzwerke sind beliebt bei Jugendlichen?

Instagram: Was für viele Erwachsene ab Mitte 30 noch Facebook ist, ist für die Teenager und junge Erwachsene bis Mitte 20 Instagram. Das Netzwerk, um Fotos und Videos zu teilen, Einblicke in seinen Alltag zu geben oder Gedanken über die Story zu teilen. Selbst Nachrichten werden mittlerweile über die Instagram-Kanäle der Medien konsumiert. Facebook ist dabei überhaupt nicht mehr relevant. Neben WhatsApp ist Instagram die Nummer eins für die Jugendlichen. 2019 lag die Nutzung von Instagram bei den 14 - 19-Jährigen in Deutschland bei 84 Prozent.

SnapChat: Das Foto- und Video-Netzwerk ist ebenfalls seit einigen Jahren beliebt bei vielen Jugendlichen. Hier geht es aber mehr um den reinen Spaß-Faktor, verrückte Bilder und Videos mit lustigen Filtern aufzunehmen. Diese sind auch nur eine kurze Zeit auf dem eigenen Profil sichtbar, Stories z.B. nur 24 Stunden. Das erhöht aber oft das Sucht-Risiko, weil man keinen Tag verpassen will, um nicht auf dem Laufenden bei den Freunden zu sein. Dazu gibt es Challenges, wie das Flammen sammeln. Dabei geht es darum, jeden Tag mit anderen Bilder hin und her zu schicken und jedes Mal gibt es dafür eine Flamme. Je mehr Tage man schafft, umso mehr Flammen bekommt man, bis darauf sogar ein Emoji wird. Ein wirkliches Ziel steckt nicht dahinter, außer vielleicht den täglichen Kontakt mit anderen.

TikTok: Das Netzwerk kennen vielleicht einige noch unter Musical.ly. So hieß das vor ein paar Jahren. Es geht hauptsächlich darum, kurze Videos aufzunehmen. Angefangen hat das mit kurzen Videos, wo User Lippensynchron einen Lied-Ausschnitt performen. Mittlerweile heißt das Netzwerk TikTok, ist in chinesischer Hand und es werden alle möglichen Videos aufgenommen und gezeigt: Tanz-Videos, Playback singen, Tutorials und alltägliche Szenen. In Deutschland hat TikTok über 5 Millionen Nutzer, sehr beliebt ist es bei Jugendlichen ab 13 Jahren.

Tellonym: Das ist eines der "jüngsten" Plattformen (seit 2016). Es ist ein Frage-Antwort-Netzwerk, wo es darum geht, per Fragen und Antworten ein Profil aufzubauen und dadurch Informationen über sich anderen darzustellen. Das eigene Profil besteht im Grunde nur aus dem Profil-Namen. Andere User stellen dann Fragen, z.B. zu Hobbies, zum Alter, zum Lieblingsessen usw. Man selbst beantwortet diese Fragen, das erscheint dann auf dem Profil und Freunde sowie aber auch jeder sonst kann das Profil mit den Antworten dann sehen. Das Netzwerke nutzen viele Jugendliche, auch in Essen, als Zeitvertreib. Tellonym wird aber auch häufig ausgenutzt, um sehr intimie und bloßstellende Fragen zu stellen, weswegen das Netzwerk auch stark in der Kritik im Zusammenhang mit Cybermobbing steht.

Vine und YouNow: Diese beiden Video-Netzwerke sind bei vielen Jugendlichen schon wieder out, aber waren eine zeitlang sehr beliebt. Vine war eine Plattform, auf der man 6 Sekunden lange Videos posten konnte. Es wurde schon 2012 von Twitter übernommen, dann aber 2017 eingestellt. Jetzt kann man dort nur noch Videos angucken und runterladen, aber nicht mehr uploaden. YouNow ist eine Live-Stream-Plattform, wo es darum geht, Live-Videos zu streamen. Es steht in der Kritik, dass Jugendliche sich oft sehr offenherzig zeigen und zu wenig für den Jugendschutz getan wird.

© Radio Essen / Larissa Schmitz

Die Skandale der "jungen" sozialen Netzwerke

Leider sind die Plattformen, auf denen sich überwiegend Jugendliche rumtreiben, nicht von Skandalen oder Gefahren verschont.

Datenklau passiert nicht nur bei Facebook oder Twitter, auch bei Instagram. Auch da gab es in den letzten Jahren Datenleaks, wo viele Millionen User-Daten gehackt wurden. Erst Ende 2019 war das bei vielen Influencern der Fall und großen Marken-Accounts. 2017 waren viele Promi-Accounts dabei, damals wurden unter anderem sehr freizügige Bilder von Selena Gomez und Justin Bieber geleakt.

Bei dem Video-Netzwerk TikTok solltet Ihr im Kopf behalten, dass es sich um ein chinesisches Netzwerk handelt. Daher ist man sich noch nicht einig, inwieweit die chinesische Regierung auch die Kontrolle hier in Europa über das Netzwerk hat und in die Accunts eingreift. Klar ist aber, viele Gruppen werden bei TikTok diskriminiert. Postings von z.B. Behinderten oder Homosexuellen werden meist in der Reichweite gedrückt oder zensiert. TikTok behauptet, das sei zu deren Schutz, damit es nicht zu Mobbing oder Hate-Speech kommt. Aber, für die meisten der betroffenen Gruppen geht es ja gerade darum, sich auf dieser Plattform zu zeigen, wie sie sind und sich so Gehör zu verschaffen. Das wird so unterdrückt. Dazu steht TikTok auch immer wieder im Zusammenhang mit Pädophilie in der Kritik. Viele User sind junge Jugendliche, die sich auch gern mal freizüger zeigen. Es tauchen immer wieder anzügliche Kommentare unter Postings von Jugendlichen auf. Die werden von TikTok zwar gelöscht, aber die User dahinter werden bleiben. Hier hilft dann oft nur eine eigene Anzeige mit einem Screenshot, denn Hate-Speech, wie auch sexuell anrüchige Kommentare, vor allem bei Minderjährigen, sind eine Straftat.

Bei Tellonym ist die Gefahr von Cybermobbing sehr hoch. Viele Jugendliche nutzen das Netzwerk gerne für sehr intime Fragen untereinander. Hattest du schon dein erstes Mal, wie war das? Bist du magersüchtig, du bist so dünn? Da geht es dann auch gerade um das Bloßstellen des anderen. Es gab in den letzten Jahren daher auch Fälle, wo sich User umgebracht haben.

Die Wirkung der Netzwerke sollte deshalb nie unterschätzt werden und für persönliche Daten und Privateinstellungen sollten Kinder und Jugendliche auf jeden Fall sensibilisiert werden.

Tipps zur altersgerechten Nutzung von Social Media und Apps

Ab der 5. Klasse geht es spätestens los mit dem Smart-Phone-Druck, mit Social Media und mit Apps. Wer dann kein Handy hat und vor allem kein Handy mit Internetzugang, der wird schnell ausgegrenzt. Viele Eltern fragen sich aber immer wieder, wann ist das richtige Alter heutzutage, um mit dem Handy und den Social Media anzufangen? Der Medienbeauftragte des Jugendamts Essen, Andreas Ruff, sagt: Je früher desto besser! Heute ist es wichtig, den richtigen Umgang mit den Medien frühzeitig zu lernen. Wichtig ist, dass dieser Prozess von den Eltern, von KiTas und Schulen geführt wird. Er arbeitet zum Beispiel an einem Projekt, dass Tablets in KiTas vorsieht. Wenn die Kleinen schon früh mit der Technik vertraut gemacht werden und z.B. lernen, was ein Passwort ist und wofür ich das brauche, worauf ich achten muss, fällt es ihnen später womöglich leichter, daran zu denken und es richtig umzusetzen.

Die Grundschule ist in Ruffs Augen ein guter Zeitpunkt, um mit einem eigenen Handy zu starten. Das kann die dritte oder vierte Klasse sein und dann muss es auch nicht direkt ein Handy mit Internetzugang sein. Aber erste kindgerechte Apps nutzen und dabei dem vernünftigen Umgang erklärt zu bekommen, kann helfen, dass die Kinder in den weiterführenden Schulen nicht überfordert sind mit der geballten Daten-Welt des Internets.

Der Medienbeauftragte des Jugendamts Essen sagt aber auch klar: Alles muss begleitend eingeführt werden. Eltern sollten darauf achten, dass Kinder nicht alleine auf das Internet, Social Media und Apps losgelassen werden. Die Reizüberflutung ist für Erwachsene schon nicht leicht zu differnzieren, für Kinder also fast unmöglich. Deshalb gibt es einige hilfreiche Tipps:

© Radio Essen/Larissa Schmitz

Kindgerechte Apps und Suchmaschinen

Es gibt viele tolle Internetseiten und App, die kindgerecht gestaltet sind und trotzdem viel Medienverständnis vermitteln. Sie sind meist an folgenden Punkten zu erkennen:

  • Seiten und Apps sind nicht zu textlastig und einfach geschrieben
  • Sie sind eher spielerisch und bildreich gestaltet
  • Es gibt eine sehr leichte Navigation
  • Sie sind gewaltfrei und größtensteils auch werbefrei
  • Es gibt keine Weiterleitung zu anderen Plattformen, sozialen Netzwerken oder zu bezahlene Angebote

YouTube bietet zum Beispiel eine Version extra für Kinder an - YouTube Kids. Beliebte Kindersuchmaschinen sind unter anderem Blinde Kuh oder fragFINN.

Wenn Kinder mit mehr Apps in Kontakt kommen, die ein Google-Konto erfordern, dann gibt es auch für Jugendliche ab 13 Jahren eine eigene Konto-Möglichkeit. Die können Eltern über Family Link erstellen. Das kann dann auch mit dem Google-Konto der Elten verknüpft werden. So haben Eltern gleichzeitig die Aufsicht über das Konto.

Jugendschutz bei sozialen Netzwerken und Apps

Grundsätzlich ist es hilfreich, auf die Alterbeschränkungen von Apps und Netzwerken zu achten. Die werden zwar oft nicht richtig überprüft, aber rechtlich ist es hinterher schwierig zu sagen, mein Kind konnte sich ja trotzdem anmelden.

  • Altergrenze Facebook und Instagram: ab 13 Jahre
  • TikTok und SnapChat: ab 13 Jahre, TikTok will aber das Einverständnis der Eltern, prüft das aber nicht richtig.
  • WhatsApp, Google und YouTube: ab 16 Jahre

Bei vielen Apps und Netzwerken gibt es einen grundlegenden Jugendschutz-Modus. Bei iPhones kann eingestellt werden, wie lange, welche App am Tag genutzt werden kann, ob In-App-Käufe getätigt werden können oder was die Apps abspielen dürfen, also an welche Altersbeschränkung sie sich halten sollen. Das geht meist unter Einstellungen --> Bildschirmzeit.

Bei Android laufen die Apps über das Google-Konto, sodass Ihr Family Link nutzen könnt, um die Jugendschutz-Einstellungen zu aktivieren, siehe oben.

Begleiter-Modus TikTok

TikTok hat vor kurzem einen Begleiter-Modus eingerichtet. Dazu installieren sich Eltern auf ihrem Handy ebenfalls TikTok und verknüpfen die App mit dem Profil des Kindes. Das Kind muss dann einwilligen, dass die Eltern die Begleiter werden dürfen. Dann können zusammen z.B. die Nutzungszeit der App festgelegt werden oder, dass Elemente, die für Erwachsene bestimmt sind, gefiltert werden. Eltern können aber nicht sehen, was auf dem Profil des Kindes passiert oder mit wem kommuniziert wird.

Reden und leiten - nicht kontrollieren

Wichtig ist, das betont auch das Jugendamt Essen, dass Eltern nicht in einen totalen Kontrollzwang verfallen und jede Kommunikation und jedes Post ihres Kindes verfolgen. Es geht bei der richtigen Heranführung an die Medien und Netzwerke darum, dass Kinder sensibilisiert werden und den Umgang verstehen. Daher wird zu folgenden Tipps geraten:

  • Erklären, welche Möglichkeiten Kinder am Smart-Phone und in Netzwerken haben, um sich zu schützen: z.B. Funktionen erklären, wie das Blockieren von anderen Usern.
  • Datenschutz und die Bedeutung von persönlichen Daten erklären. Das Netz vergisst nichts, warum ist es also wichtig, nicht zu private und intime Einblicke von sich zu geben?
  • Sensibilisieren für die Selbstdarstellung: Eltern sollten ein Vorbild sein und selbst nicht zu private Einblicke geben oder zu freizügige Bilder.

Für mehr hilfreiche Tipps und Hinweise, wie Kinder den richtigen Umgang mit Social Media und Apps erlernen und Eltern ohne Kontrollzwang ihre Kinder unterstützen können, findet Ihr auf klicksafe.de.

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