Radio Essen auf Weltreise: Welche Social Media und Regeln gibt es in anderen Ländern?

WeChat, Line, Public App - es gibt Teile der Welt, da werden ganz andere Social Media genutzt, als bei uns. Radio Essen geht auf Weltreise und schaut sich an, wie andere Länder mit den sozialen Netzwerken ticken und welche gesellschaften und politischen Verbindungen es gibt. In manchen Ländern geht ohne ein Social-Media-Profil fast nichts mehr im Alltag, in anderen Ländern wird darüber sehr stark kontrolliert. Das ist auch unser Thema am Social-Media-Sonntag, am 21. Juni von 9 - 12 Uhr.

Social Media rund um die Welt - Weltreise bei Radio Essen

Andere Länder, andere Social-Media-Sitten

Wir haben bei Radio Essen unsere Fühler ausgestreckt und mit einigen gesprochen, die in den jeweiligen Ländern leben und die Social Media intensiv nutzen. Dabei gibt es spannende Geschichten und Erfahrungen. Ein paar Eindrücke haben wir Euch hier zusammengestellt.


China läuft komplett über WeChat

Facebook, Instagram und Co. sind in China verboten und auch nur sehr umständlich zugänglich. Die Chinesen nutzen die chinesischen Pendants der Netzwerke und vor allem WeChat. Das ist ein Netzwerk für alles. Social-Media-Profil, um Bilder und Videos zu posten, sich mit Freunden zu vernetzen, für professionelle Kontakte, wie Kollegen, Unternehmenspartner oder Kunden. Mit Behörden, Ärzten usw. wird darüber geschrieben.

Das ist vergleichbar, wenn wir hier per WhatsApp mit unserem Hausarzt schreiben würden. Geht vereinzelt über Apps auch schon, aber das nutzen doch nur recht wenig. In China ist das Gang und Gebe. Über WeChat wird bezahlt per Handy. Mit Bargeld wird fast kaum noch bezahlt, vor allem in den Großstädten, wie Shanghai, selbst am kleinen Kiosk und Obdachlose haben QR-Codes, um per Handy Geld zu erhalten. WeChat nutzen aber auch Unternehmen für Online-Shops, Bahntickets oder sonstige Karten für Freizeitangebote können darüber gekauft werden und vieles mehr.

Wer gerade als Ausländer doch mal seine Netzwerke, wie Facebook oder Twitter oder WhatsApp checken möchte, der muss sich erst umständlich über einen VPN-Client quasi ins europäische Netz einloggen. Das ist unständlich, weil das nicht unbedingt erlaubt ist. Viele VPN-Clients werden daher regelmäßig kontrolliert und gesperrt. Und oft funktioniert damit die Internetverbindung nicht so schnell.

Kontrolle spielt in China eine große Rolle, auch in den Social Media. Die Regierung hat dort ihre Finger sehr genau im Spiel. Es wird alles mitgelesen und wenn nötig auch zensiert, egal, ob offizielle Accounts oder der private Gruppenchat mit den Nachbarn. Dazu werden über WeChat all möglichen Daten der User gesammelt, was in China überall der Fall ist. Da kann sich auch keiner mit Privateinstellungen oder Ähnliches gegen wehren.

Viele Chinesen denken da aber wohl auch nicht so drüber nach, wurde uns gegenüber Radio Essen erzählt. Die starke Überwachung mit Kameras und in den Netzwerken gebe ihnen auch oft ein Sicherheitsgefühl. Dazu gilt die Begründung, dass es dem Allgemeinwohl der Gesellschaft dient und damit geben sich offenbar viele zufrieden, heißt es.

Die Corona-App in China

Während bei uns in Deutschland lange diskutiert wurde, hat China einfach gemacht. Dort fackelt die Regierung nicht lange, egal, ob es um Datenschutz geht. Schon seit Ende März gibt es dort eine Corona-App, die sogar an das Netzwerk WeChat gekoppelt ist. Es funktioniert mit einem Ampelsystem, hat uns Radio Essen-Hörerin Franzi erzählt. Sie lebt seit 5 Jahren in Shanghai.


© Radio Essen

In Dubai kann es zum "Gespräch" kommen

In den Vereinigten Emiraten nutzen die meisten die gleichen Netzwerke, wie wir in Deutschland. Facebook ist beliebt, Instagram, YouTube, WhatsApp. Es wird etwas strenger auf anzügliche Inhalte, vor allem Fotos geachtet. Zu viel nackte Haut ist da drüben nicht gern gesehen. Solche Inhalte werden schneller gelöscht. Sonst unterscheidet sich die Nutzung nicht viel gegenüber unserem Social-Media-Verhalten. Aber auch hier spielt die Regierung eine große Rolle. Sie "überwacht" die Netzwerke und wer sich zu kritisch über die Regierung äußert, der kann Probleme bekommen. Das kann heißen, zu einem Gespräch geladen zu werden, aber auch andere Strafen. Unser Kontakt erzählt uns, dass er Reisende kennt, die wegen einer kritischen Äußerung auf Facebook nicht mehr nach Dubai einreisen durften oder das Visum nicht verlängert wurde.

Line - der Messenger in Asien

Line ist das WhatsApp in vielen asiatischen Ländern, z.B. in Japan oder Taiwan. Allerdings kann der Messenger noch viel mehr. Darüber verschicken die User Mails, machen Video-Anrufe und können darüber bezahlen. Dazu gibt es auch ein rudimentäres Profil zum Posten und einige lustige Spiele. Facebook, Twitter und Co. gibt es in Japan und Taiwan aber auch.

Bei Protesten - Social Media gesperrt

Es gibt erschreckender Weise sehr viele Länder, die versuchen politische Proteste und damit die Meinungsfreiheit einzudämmen, indem sie Netzwerke sperren. Ganz vorne mit dabei ist die Türkei unter der Macht von Erdogan. Dort gibt es zwar auch Facebook, Twitter, YouTube usw. Doch in den letzten Jahren wurden viele dieser Netzwerke schon mal vorübergehend gesperrt, meist dann, wenn dort die kritischen Stimmen und Proteste zu laut wurden. Dazu gib es auch zahlreiche Fälle von Haftstrafen, gegen User, die in der Türkei oder auch gegen Türken, die in anderen Ländern etwas kritisches gepostet haben.

Ein Fall, der z.B. stark durch die Presse ging, ist der von dem Deutsch-Türken Osman B., der im Juli 2019 in der Türkei verhaftet wurde, wegen eines Facebook-Posts. Der Vorwurf: "Terrorpropaganda". Allein 2018 wurden über 110.000 Profile von der Türkei überwacht und über 7.000 User verhaftet, heißt es vom türkischen Kriminalamt. Auch Wikipedia war für viele Jahre gesperrt, weil in einem Artikel zum Syrienkonflikt von Terror-Unterstützung die Rede war. In der Türkei braucht es keinen Gerichtsbeschluss, um Firmen oder Plattformen zu sperren.

Auch Indien und Afrika machen das Leben in den Social Media nicht immer leicht. In Uganda gibt es z.B. seit einiger Zeit eine Social-Media-Steuer. Aber nicht für die entsprechenden Social-Media-Unternehmen, sondern für die User. Dort müssen die Afrikaner zustäzlich zu ihren Internetgebühren auch noch was drauf zahlen, um die Social Media nutzen zu können.

In Indien gibt es ebenfalls ein zweischneidiges Schwert. Es gibt viele indische Netzwerke, die beliebt sind. Zum Beispiel Public App. Das ist in Videoportal, wo die User kurze Videos hochladen. Es ist aber sehr stark lokal nach Regionen geordnet, sodass auch die Infos sehr lokal sind. Politiker nutzen das in der Corona-Krise sehr gerne, um Fake-News zu Corona aufzuklären und die Regeln zu erklären. Allerdings ist Indien auch eines der Länder, die sich die Macht über die Netzwerke behalten. Im Falle von bestimmten Protesten wird aber nicht nur ein Netzwerk gesperrt, sondern häufig gleich das ganze Internet. In den letzten vier Jahren hat Indien schon über 150 Mal für kurze Zeit den Internetzugang gesperrt.

Kuriositäten-Kiste Social Media

Die Welt ist voller kurioser Dinge und bei unseren Recherchen haben wir mal wieder gemerkt: Es gibt einfach alles auf dieser Welt. Hier ein paar Anekdoten von der asiatischen Halbkugel.

Mukbang-Trend aus Südkorea

Laut ins Mirkofon schmatzen und sich fettiges Essen reinziehen - das ist seit Jahren ein beliebter Video-Trend aus Südkorea. Kleine zierliche Südkoeranerinnen essen vor der Kamera riesige Portionen, wo einem schon etwas beim Zugucken schlecht wird. Dazu schmatzen sie aber lautstark ins Mikro und das gucken sich sehr viele viele User an.

Mukbang-Trend aus Südkorea. Zierliche Frauen essen riesige Portionen vor der Kamera und schmatzen dabei laut ins Mikro. Kurios, aber wahr.

Darsteller für das perfekte Selfie mieten

Das ist ein Trend, der vor allem in Japan weit verbreitet ist. Dort sind viele Menschen einsam und können sich daher Familie und Freunde mieten. Die verbringen dann Zeit mit dir und du kannst sie als deine Familie ausgeben. Dafür gibt es auch Selfie-Agenturen. Schauspieler oder Models können darüber gebucht werden. Du bestellst sie zu einem Ort und machst ein Selfie mit ihnen. Auf deinen Kanälen kannst du dann sagen, das sei dein Freund oder deine Freundin oder deine Schwester oder wer auch immer. In Japan ist das Aussehen sehr viel wert und je perfekter die Haut oder deine Haare, das Lächeln am Foto aussehen, desto besser. Im Durchschnitt kostet so ein Selfie-Termin für zwei Stunden mit An- und Abreise umgerechnet ca. 65 Euro.


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