Online-Sucht: Geht es noch ohne Social Media?

Die sozialen Netzwerke haben zwei Gesichter. Social Media vernetzen uns mit alten und neuen Freunden, halten uns auf dem Laufenden. Sie können aber auch zu Probleme führen. 500.000 Menschen bei uns in Deutschland sind Internet-süchtig. Vor allem Jugendliche trifft das im Bereich der Social Media. Am Social-Media-Sonntag bei Radio Essen haben wir ausprobiert, ob der Alltag noch ganz ohne die Netzwerke läuft.

Radio Essen-Moderatorin Larissa Schmitz guckt nervös über die Tischkante auf ihr Handy, weil sie die Social Media 5 Tage nicht benutzen darf.
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Der Selbsttest: 5 Tage ohne Social Media

Die sozialen Netzwerke nehmen unseren Alltag mittlerweile ganz schön ein. Wir schreiben mit Freunden bei WhatsApp, wir zeigen, was wir machen bei Instagram und lesen Neuigkeiten auf Facebook. 100.000 Jugendliche sind in Deutschland süchtig nach Social Media. Das Handy mal weglegen, fast unmöglich. Radio Essen-Moderatorin Larissa Schmitz hat sich selbst getestet und 5 Tage auf ihre sozialen Profile verzichtet.

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Eine Welt ohne Social Media?

Der ein oder andere von uns wird sich das noch vorstellen können, eine Welt ganz ohne oder eben VOR Facebook, Instagram oder sogar SchülerVZ. Damals haben wir noch abenteuermäßig draußen getobt, mussten uns noch mühseelig über das Telefonnetz ins Internet einwählen, um nicht in der Bücherei nach Infos zu googel...äh suchen. Könnt Ihr Euch eine solche Welt noch vorstellen, ganz ohne Social Media?


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Was passiert, wenn Social Media süchtig machen?

500.000 Menschen bei uns in Deutschland sind Internet-süchtig. Ein Fünftel davon sind Kinder und Jugendliche, die süchtig nach Social Media sind. Offiziell ist die Social-Media-Sucht noch nicht anerkannt. Aber in Bochum wird diese Sucht schon behandelt: an der LWL Uniklinik für Psychosomatik. Dr. Jan Dieris-Hirche ist da Oberarzt, mit ihm hat Radio Essen-Moderatorin Larissa Schmitz über das Programm OASIS gesprochen. Hier findet Ihr außerdem mehr Infos zur Onlinesucht-Ambulanz OASIS in Bochum.

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Social Media und das Sozialverhalten

Die sozialen Netzwerke haben zwei Gesichter. Sie sind zum Beispiel bereichernd für unser Sozialleben. Facebook, aber auch Xing oder LinkedIn sind quasi sich selbstschreibende Adressbücher. Wir können darüber jederzeit Kontakt zu jedem aufnehmen. Das ist erstmal gut, sagt Nicole Krämer, Professorin für Sozialpsychologie an der Uni Duisburg-Essen.

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Negative Effekte gibt es aber auch, gerade wenn wir ständig Details über das Leben von anderen sehen. Wie in der realen Welt vergleichen wir uns auch mit dem, was wir in den Netzwerken oder virtuell sehen. Dann fühlen wir uns schnell schlechter oder besser als andere.

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Nicole Krämer glaubt aber nicht, dass die Social Media uns völlig verschlingen. Sie hält Facebook und Co. grundsätzlich für was Gutes, es darf nur nicht ALLES in unserem Alltag. Ihr Tipp: Immer mal wieder probieren mindestens 20 Minuten ohne auszukommen, gerade in Siuationen, wie der Bahnfahrt oder abends im Bett, wo uns sonst schnell langweilig wird. Wer das gar nicht schafft, der sollte sich ein paar Gedanken machen.


Social Media wirken sich auf unsere Sprache aus

Bei WhatsApp sehen die Chats schon recht chaotisch aus: das ist nichts mit Groß- und Kleinschreiben,Zeichensetzung egal, und ein Emoji folgt dem anderen. Aber warum werfen wir online alle sprachlichen Regeln über Bord? Prof. Dr. Michael Beißwenger von der Uni Duisburg-Essen sagt: Sprache ist lebendig und so einen richtigen Unterschied zwischen Online- und Offline-Sprache gibt’s gar nicht.

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Unser Sprechen mischt sich online mit einem Schriftbild. Nur, dass wir eben in den sozialen Netzwerken eher Dialoge führen, wie beim Reden. Also Abkürzungen nutzen, halbe Sätze, hm, ähm schreiben… und Emojis haben da auch eine besondere Rolle. Darüber nehmen wir Haltungen ein und können diese mit einem Klick ausdrücken.

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Immer wieder kommt auch die Frage auf: wenn Jugendliche heute so viel am Handy hängen und nur auf Instagram oder WhatsApp starren, wirkt sich das negativ auf sowas aus, wie Aufsätze schreiben oder Bewerbungen? Viele Wissenschaftler sagen, nein. Prof. Dr. Michael Beißwenger sieht es ein bisschen anders. Für ihn sind da gerade die Schulen und Eltern gefragt, die Unterschiede zwischen den Schriftformen aufzuzeigen, die Jugendlichen dafür mehr zu sensibilisieren.

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