Coronavirus in Essen – deshalb berichten wir so, wie wir es tun (Update 17. April)

Seit Anfang März ist das Coronavirus auch bei uns in Essen angekommen. Inzwischen sind die Fallzahlen einigermaßen stabil, es gesunden aktuell an den meisten Tagen mehr Menschen als sich neu anstecken. Es gibt aber inzwischen auch mehrere Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Radio Essen berichtet über Coronavirus
© Radio Essen

Vorwort der Radio Essen-Redaktion

Wir sind bei Radio Essen zu jeder Zeit bemüht, Euch mit aktuellen Infos zu versorgen und so möglichst all Eure Fragen zu beantworten. Die aktuelle Krise und vor allem die oft etwas verzögerte Kommunikation der Behörden bei gleichzeitig eingeschränkter Redaktionsarbeit (kleinere Teams, Home-Office etc.) bringt uns aber oft an Grenzen: Der Bund kommuniziert nachmittags seine geplanten Änderungen, das Land NRW äußert sich zwei Stunden später, mit leichten Abweichungen oder Widersprüchen und dann muss die Stadt das alles auch noch in eine neue Verordnung gießen, die möglicherweise auch nicht jeden Einzelfall klar entscheidet oder berücksichtigt.

Das bedeutet: Eure Fragen tauchen verständlicherweise aber unmittelbar auf, sobald eine neue Aussage in der Öffentlichkeit ist, egal ob von Politikern oder anderen Medien. Bis es klare Antworten gibt (auch für uns) dauert es aber oft einige Stunden und manchmal auch Tage. Das stellt uns vor die Herausforderung, von Jetzt auf Gleich mit hunderten Fragen per Mail, Facebook, Whatsapp und Telefon umzugehen, ohne schon Antworten zu haben. Wir bitten deshalb um Verständnis, dass wir nicht immer Eure Anfragen sofort beantworten können. Wir versprechen aber, dass wir all Eure Fragen hören, lesen, zur Kenntnis nehmen und versuchen, sie so schnell wie möglich zu beantworten. Bitte habt aber auch Verständnis dafür, dass das im Einzelfall nicht immer mit persönlicher Mail oder Nachricht über die sozialen Medien geschehen kann, sondern wir stattdessen im laufenden Radio-Programm, den regelmäßigen lokalen und überregionalen Nachrichten und/oder auf radioessen.de die Antworten liefern und so auch allen zur Verfügung stellen.

Vielen Dank für Euer Verständnis, Eure Unterstützung und die vielen lobenden Worte der letzten Wochen. Euch und uns allen weiter Gesundheit und alles Gute,


Das ganze Radio Essen-Team

Coronavirus: Warum berichten wir bei Radio Essen so, wie wir es tun?

Das Coronavirus, das momentan die Berichterstattung nicht nur bei Radio Essen beherrscht, hat es so noch nie gegeben. Es gibt zwar bereits bekannte Coronaviren und viele sind weitgehend harmlos. Das aktuelle Coronavirus ist aber neu und verwandt mit dem Sars-Erreger, der 2002 und 2003 eine große Epidemie auslöste. Es unterscheidet sich aber zu dem damaligen Erreger, weshalb die Experten auch nach Wochen vieles noch nicht über das aktuelle Virus wissen.

"Warum berichtet Ihr so oft über das Coronavirus? Damit macht Ihr Panik!"

Ein neuartiges Virus breitet sich schnell aus und wirft viele Fragen auf: Wie gefährlich ist das Virus? Wie kann ich mich schützen? Muss ich mir Sorgen machen? Wie weit hat das Virus Auswirkungen auf das Leben bei uns in Essen, auf mein eigenes Leben? Wir verbreiten keine Panik, sondern versuchen so viele Fragen wie möglich zu beantworten, Euch zu informieren und zu ermöglichen, Euch ein eigenes Bild von der Lage zu machen. Dabei berichten wir so sachlich und neutral wie möglich und bilden alle möglichen Perspektiven ab. Wir sprechen mit Experten und berichten über deren Einschätzungen – besorgniserregende und beruhigende. Wir ordnen die Fakten ein, rahmen sie mit Vergleichszahlen sofern möglich, und bemühen uns Zusammenhänge zu erklären. Dabei bewerten wir in der Regel nicht, sondern ermöglichen es Euch im besten Fall, selbst zu bewerten und Euch eine Meinung zu bilden.

"Was ist überhaupt das Problem? Am Coronavirus sterben doch viel weniger Menschen, als an der Influenza!"

Diese Einschätzung wurde ganz zu Beginn des Auftretens der Pandemie noch von einigen Experten vertreten, inzwischen gehen alle seriösen Prognosen und Einschätzungen nicht mehr davon aus. Aber: Auch jetzt gehen die Todesraten durch das Virus noch weit auseinander, was Länder, Expertenprognosen und Regionen angeht. Daher gibt es immer noch keine konkreten Belege dafür. Was man aber wissen muss:

Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass es anders als für die Influenza für das neue Coronavirus keinen Impfstoff, keine Grundimmunität in der Bevölkerung (auch wenn es dazu inzwischen Studien gibt, die das in Frage stellen) und immer noch keinen durchgetesteten Wirkstoff zur Behandlung gibt.

Der Vergleich der Zahlen mit der Influenza hinkt darüber hinaus in mehrerlei Hinsicht: Zum Einen ist die Grippe-Saison, die zum Vergleich herangezogen wird (2017/18) mit geschätzt 25.000 Toten in Deutschland ungewöhnlich hoch. Zum anderen bilanziert die Zahl mehrere Monate - wo wir bei der Corona-Pandemie erst einige Wochen betroffen sind und nach wie vor (auch, wenn es inzwischen erste Lockerungen gibt) ganz am Anfang stehen. Hätte man die Zahlen der Corona-Toten Ende März auf eine vergleichbare Dauer zur zitierten Grippe-Saison hochgerechnet, hätte sie bei etwa 40.000 und damit fast doppelt so hoch gelegen wie bei der besonders schweren Grippe-Saison 2017/18.

"Die Zahlen sinken doch aktuell - warum kehren wir nicht viel schneller zurück zur Normalität?"

Die Zahlen sinken oder sind stabil, weil nach wie vor viele Maßnahmen gelten. Am Virus selbst und der Gefahr der schnellen, exponentiellen Ausbreitung hat sich aber nichts geändert. Die Befürchtung ist also, dass die Zahlen schnell wieder steigen, wenn Maßnahmen in großem Umfang gelockert werden.

Zur Erinnerung:

Ziel der Behörden ist vor allem, die Ausbreitung des Virus im Zaum zu halten, bis es flächendeckend einen oder mehrere Impfstoffe gibt. Eine schnelle, ungehinderte Ausbreitung des Coronavirus könnte das Gesundheitssystem zu stark belasten. Ressourcen wie Krankenhausbetten, Schutzanzüge und -masken stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Und auch medizinisches Personal ist nicht an allen Stellen ohne weiteres zu ersetzen, sollte es schnell und gleichzeitig in großer Zahl selbst erkranken.

"Seid doch ehrlich – Ihr wollt doch eigentlich nur Klicks sammeln! Und die Panik, die Ihr selbst macht, hilft Euch dabei!"

Nein. Wir stellen nach wie vor ein sehr großes Informationsbedürfnis fest, welches wir versuchen zu befriedigen. Es gibt nicht nur viele offene Fragen, sondern auch Sorgen und Ängste. In erster Linie geht es uns als Journalisten darum, Euch alle Informationen zu liefern, die Ihr braucht, um Euch selbst ein Bild zu machen.

Zur Antwort gehört aber auch, dass wir als Privatradio von Werbung leben. Im Radio hört Ihr deshalb Werbung, online stellen wir deshalb die Informationen vor allem auf unserer Internetseite zur Verfügung, auf der wir ebenfalls Werbung platzieren. So finanzieren wir unsere Arbeit, Gebühren bekommen wir nicht. Würden wir alle Informationen auf Plattformen wie Facebook zur Verfügung stellen, hätte das für uns also zwei Nachteile: Erstens hätte dieser Artikel dort kaum ausreichend Platz und manchmal reicht eben nicht nur eine Überschrift. Zweitens verdienen wir dort kein Geld und können unsere Online-Arbeit damit nicht refinanzieren. Den Klick auf unsere Website können wir Euch also nicht „ersparen“.

"Warum berichtet Ihr nicht mehr über positive Entwicklungen? Zum Beispiel über die Infizierten, die wieder gesund sind?"

Das tun wir auch – und zwar immer dann, wenn es eine neue Entwicklung ist, eine neue Erkenntnis vermittelt oder einen anderen Fakt einordnet. Wir haben zum Beispiel über die ersten Essener berichtet, die wieder aus der Quarantäne durften. Und wir haben zuletzt viel über den positiven Trend der Zahlen gesprochen.

Täglich zu berichten, dass immer noch der Großteil der Essener kein Coronavirus hat, wäre aber wohl auch nicht angemessen und hätte keinerlei Neuigkeitswert. Davon abgesehen würde auch das ein sehr verzerrtes Bild der Realität und der Ausbreitung des Coronavirus wiedergeben.

"Warum erzählt Ihr denn nicht alles, was ihr wisst? Ich muss doch wissen, ob in meinem Umfeld jemand infiziert ist!"

Wir verstehen das Interesse daran natürlich. Wir müssen in solchen Fällen aber alle Interessen abwägen. Das betrifft zum Beispiel Persönlichkeitsrechte: Ihr wollt vielleicht wissen, ob Euer Nachbar in Quarantäne ist – der möchte seinen Namen aber womöglich nicht sein Leben lang in Verbindung mit dem Coronavirus im Internet lesen. Abgesehen davon, dass es ja auch nicht grundlos ärztliche Schweigepflichten und andere Persönlichkeitsrechte gibt. Kinder gelten hier zum Beispiel als besonders schützenswert.

Ihr könnt aber davon ausgehen, dass die Verantwortlichen in den Gesundheitsämtern alle schützen und eine Ausbreitung weiter verhindern wollen. Man wird Euch also nicht ohne Weiteres einer Gefährdung aussetzen, obwohl es Anzeichen dafür gäbe.

"Sind die aktuellen Schutz-Maßnahmen denn gerechtfertigt? Die wirtschaftlichen und psychischen Folgen sind doch viel schlimmer als das Virus."

Das wissen wir nicht und bewerten es als Radio Essen deshalb auch nicht. So wie die Experten in Sachen Schutzmaßnahmen nicht alle einer Meinung sind, sind es auch wir in der Redaktion nicht immer. Als Journalisten hinterfragen wir aber kritisch – sowohl die Schutzmaßnahmen als auch die Haltung, schnell wieder zum normalen Leben zurückzukehren. Und darüber berichten wir dann. Die Bewertung der Aussagen, die wir täglich rund um das Coronavirus abbilden, muss am Ende aber jeder für sich selbst vornehmen.

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