Ein Stück Geschichte wieder in Essen: Über 1000 Jahre vermisst

Im Essener Dom gibt es jetzt ein ganz besonderes Stück zu sehen: Ein kleines Fragment des berühmten Siebenarmigen Leuchters ist nach über 1000 Jahren zurückgekehrt.

© Radio Essen

Nietenkopfmaske in Essen gehört zum jüdischen Tempelleuchter

IEs handelt sich um eine sogenannte Nietenkopfmaske – gerade einmal 2,1 mal 4 Zentimeter groß. Sie war ursprünglich am Fuß des riesigen Leuchters angebracht, der um das Jahr 990 geschaffen wurde. Damit ist er die älteste christliche Nachbildung des jüdischen Tempelleuchters. Wie und wann die Niete aus dem Leuchter verschwand, weiß niemand genau. Möglich ist, dass es schon im Mittelalter, im 19. Jahrhundert oder später passiert ist. Sicher ist nur: Seit 1904 ist auf Fotos zu sehen, dass die Figur fehlte. Sie wurde damals durch einen Nachguss ersetzt.

Das Original tauchte viel später in der Schweiz wieder auf. Ein privater Sammler hatte es in einer Kunsthandlung in Würzburg gekauft – ohne zu wissen, dass es eigentlich aus Essen stammt. Erst durch eigene Nachforschungen und den Vergleich mit dem Essener Leuchter fand er Anfang der 2000er Jahre heraus, wie bedeutend sein Fund war.

Stück von besonderem Leuchter kehrt nach Essen zurück

Das Stück vom Leuchter blieb zunächst in der Schweiz. Erst nach dem Tod des Sammlers entschieden seine Erben, die Sammlung zu verkaufen. Über eine Münchener Kunsthandlung konnte die Niete schließlich zurück nach Essen gebracht werden. Möglich machten das mehrere Unterstützer: Der Münsterbauverein, die Sparkasse Essen, die Bank im Bistum Essen und die Kanzlei Aulinger. Sie gaben zusammen 15.000 Euro, um den Ankauf zu finanzieren.

Dompropst Dörnemann zeigte sich dankbar: „Dieses Stück ergänzt unsere Geschichte und ist ein Glücksfall für Essen.“

Wo Ihr die Niete sehen könnt

Am Leuchter selbst wird die Niete nicht wieder angebracht, da dieser seit langem mit dem Nachguss ausgestattet ist. Stattdessen ist sie nun im Domschatz zu sehen – im Handschriftenraum im Obergeschoss. Ihr könnt Euch die Figur dort angucken, die Geschichte nachlesen und durch ein Periskop einen Blick auf den originalen Leuchter werfen.

Der berühmte Siebenarmige Leuchter lohnt aber ohnehin einen Besuch. Er ist über zwei Meter hoch und fast zwei Meter breit. In den letzten Wochen wurde er erstmals seit 1987 gründlich gereinigt. Staub, Ruß und Weihrauch hatten sich über die Jahre abgelagert. Jetzt strahlt das über 1000 Jahre alte Kunstwerk wieder in voller Pracht – und mit ihm erzählt nun auch die zurückgekehrte Nietenkopfmaske ein weiteres Kapitel aus der langen Geschichte des Essener Doms.

Mehr Kirchenthemen aus Essen

Kirche in Essen modernisiert - große Wiedereröffnung

Kirche in Essen und Feminismus?

Pop-Up-Park in Essen: "Pepe" kommt nach Altendorf

 

skyline