
Warum wird der Drogenkonsumraum in Essen weniger genutzt?
Menschen in Essen schreien plötzlich rum, sind rastlos, dehydriert und dann sacken sie auf einmal völlig erschöpft zusammen. So kann sich Crackkonsum bemerkbar machen. Der Rausch ist nur wenige Minuten kurz, aber sehr intensiv und macht deswegen sehr süchtig. So beschreibt es die Suchthilfe gegenüber Radio Essen. Umso problematischer ist, dass eine Crackart im Drogenkonsumraum an der Hoffnungsstraße in der Innenstadt nicht genutzt werden darf. Um Crack zu erzeugen wird Kokain entweder mit Natron oder mit Ammoniak aufgekocht. Viele Suchtkranke würden Ammoniak bevorzugen, weil sie meinen der Rausch sei so noch intensiver, erklärt die Suchthilfe. Genau dieses Crack ist aber im Drogenkonsumraum verboten. Das hat landesrechtliche Gründe. Demnach ist die Gefahr für Verpuffungen und Stichflammen zu groß. Die Konsequenz: Im letzten Jahr wurde der Drogenkonsumraum nur knapp über 17.000 mal genutzt. Im Jahr davor waren es noch über 21.000 mal. So steht es im Jahresbericht der Suchthilfe für 2025. Ein weiteres Problem: Nur Menschen, die in Essen gemeldet sind, dürfen den Raum nutzen. Die Suchthilfe versucht deswegen mehr Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter auf die Straßen zu schicken, die dort über Risiken und Unterstützungsangebote aufklären. Im ersten Halbjahr dieses Jahres sei der Drogenkonsumraum dadurch schon wieder öfter genutzt worden, heißt es von der Suchthilfe.
Was tut die Suchthilfe in Essen gegen das Drogenproblem?
Doch in Essen bleibt das Bild von Suchtkranken auf den Straßen. Um die Crackkonsumierenden zu unterstützen, wenn sie plötzlich müde werden, hat die Suchthilfe an der Hoffnungsstraße in der Innenstadt einen neu eingerichteten Raum mit sechs Betten eröffnet. Dort können sich die Suchtkranken seit Anfang letzten Jahres auch tagsüber ausruhen. Das wird gut angenommen, sagt die Suchthilfe.
Neu ist außerdem seit Juli letzten Jahres, dass Gewerbetreibende Gutscheine an die Suchtkranken verteilen - für ein kostenloses Essen bei der Suchthilfe. So werden die Suchtkranken von der Straße geholt und bekommen direkten Zugang zu Unterstützungsangeboten. Außerdem arbeitet die Suchthilfe noch enger mit Ordnungsamt und Polizei zusammen, zum Beispiel sind sie beim mobilen Sicherheitspunkt dabei. So kommen sie auch mit Suchtkranken ins Gespräch.
Die neue Diamorphinambulanz im Westviertel wird weiterhin nicht genutzt, sagt die Suchthilfe auf Radio Essen-Nachfrage. Der Bedarf bestehe aktuell nicht. In der Diamorphinambulanz bekommen Suchtkranke medizinisches Heroin. Allerdings sind die Auflagen dafür sehr hoch, Diamorphin ist immer das letzte Mittel.
Warum hat gibt es immer wieder Probleme in der Nähe der Suchthilfe?
Trotz der Angebote der Suchthilfe in Essen treffen sich ganz in der Nähe immer wieder Menschen aus der Drogenszene in leer stehenden Gebäuden. Ein Beispiel ist das Haus an der Maxstraße, in dem bis 2018 ein Teil des Jugendamts untergebracht war. In den letzten Wochen hat die Polizei Essen dort zwei Tote gefunden. Bei einem von ihnen gibt es Hinweise darauf, dass er zur Drogenszene gehört. Ein Fremdverschulden schließt die Polizei aus. Die Ermittlungen zu den Todesursachen laufen aber noch. Die Polizei muss immer wieder zu dem Haus ausrücken, weil Personen dort einbrechen und entdeckt bei den Einsätzen Spritzen und Utensilien zum Aufkochen von Drogen. Wie kann so etwas sein - in unmittelbarer Nähe zur Suchthilfe?
Die sagt auf Radio Essen-Nachfrage, dass sie das Gebäude kennt. Dort würden enorme Müllansammlungen, Konsumutensilien und Fäkalien herumliegen. Deswegen können Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter das Gebäude nicht betreten, die Arbeitssicherheit sei nicht gewährleistet. Sie versuchen Drogenabhängige stattdessen vor dem Gebäude von den Angeboten der Suchthilfe zu überzeugen und sie zu beraten. Doch das Problem bleibt: Nur Menschen, die an einer Adresse in Essen gemeldet sind, können die Übernachtungsmöglichkeiten, den Drogenkonsumraum oder die Substitutionsbehandlungen der Suchthilfe nutzen. Und bei der Suchthilfe ist es zum Beispiel nicht erlaubt. Spritzen zu teilen oder mit Ammoniak hergestelltes Crack zu nehmen. Genau das wollen viele Menschen aber. Einige der Drogenabhängigen haben auch Hausverbot bei der Suchthilfe, weil sie gewalttätig geworden sind.