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Medizinisches Heroin in Essen - Teure Ambulanz wird kaum genutzt
© Anna Bartl, Radio Essen
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Medizinisches Heroin in Essen - Teure Ambulanz wird kaum genutzt

In der Diamorphinambulanz in Essen werden im Moment keine Patienten behandelt. Es besteht aktuell keine Nachfrage. Die teure Ambulanz ist aber weiter geöffnet.

Veröffentlicht: Montag, 23.02.2026 14:19

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Warum wird in Essen die Diamorphinambulanz nicht genutzt?

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Für einige Außenstehende in Essen sieht es anders aus, die Diamorphinambulanz zwischen dem Westviertel und der Innenstadt ist aber weiter geöffnet. Im Moment gibt es allerdings keine Patientinnen und Patienten, die dort reines, medizinisches Heroin, also Diamorphin, bekommen. Die Gründe dafür erläutert Bärbel Marrziniak, die Leiterin der Suchthilfe Essen GmbH im Gespräch mit Radio Essen.

Vor knapp einem Jahr wurde die Diamorphinambulanz eröffnet. Mit 850.000 Euro hat sie viel Geld gekostet. Seitdem wurden dort rund 15 Patientinnen und Patienten behandelt. Im Moment gibt es aber niemanden, der für die Behandlung in Frage kommt oder sich dafür entschieden hat.

Die Behandlung mit Diamorphin ist immer das letzte Mittel, wenn Patientinnen und Patienten mit allen anderen verfügbaren Substituten nicht mehr klar kommen. Außerdem müssen sowohl alle psychosozialen und medizinischen Faktoren für diese Behandlung sprechen. Das trifft also sowieso nur auf sehr wenige Klienten bei der Suchthilfe zu. Im Moment gibt es deshalb niemanden, der für die Behandlung infrage kommt, daher wird die Ambulanz nicht genutzt. Sobald aber wieder Patientinnen und Patienten für das Programm in Frage kommen, können sie dort behandelt werden.

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Warum wollen in Essen manche Patientinnen und Patienten keine Behandlung mit Diamorphin?

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Die Auflagen in Essen und in NRW für eine Behandlung mit Diamorphin sind sehr hoch. In Essen betreuen die Suchthilfe direkt, der LVR und einige speziell ausgebildete Ärzte rund 830 Patientinnen und Patienten, die Substitute wie zum Beispiel Methadon nehmen. Die meisten kommen damit oder mit einem anderen Ersatzstoff klar und benötigen die Behandlung mit Diamorphin nicht.

Diamorphin müssen sich die Patientinnen und Patienten selbst spritzen. Dafür gibt es in der Ambulanz extra Vorkehrungen und Einrichtungen. Außerdem müssen sie drei Mal am Tag erscheinen, morgens, mittags und abends und sich ihre genau vorher bestimmte und ausgewogene Dosis abholen und die Spritze auch vor Ort verabreichen. So können die Ärzte die Patientinnen und Patienten gut im Blick behalten und stabilisieren, erklärt Bärbel Marrziniak von der Suchthilfe.

In den letzten Jahren wird Heroin aber meist nicht mehr gespritzt, deshalb lehnen auch einige Patientinnen und Patienten die Behandlung ab. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Suchthilfe direkt ist die Behandlung mit Diamorphin auch nur ein Baustein in ihrem Programm. Viel wichtiger ist ihnen, dass die Patientinnen und Patienten in richtig betreut werden und die für sie passende Hilfe bekommen.

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Suchtkranke in Essen brauchen Hilfe und Unterstützung

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Anwohnerinnen und Anwohner in der nördlichen Innenstadt fragen, warum die Ambulanz eingerichtet wurde. Die Mitglieder der Immobilien- und Standortgemeinschaft City.Nord fordern, dass das Geld besser für mehr Stellen für Sozialarbeiter ausgegeben werden sollte. So könnten die Menschen, die auf der Straße leben und / oder Drogen konsumieren, besser unterstützt werden. Außerdem schlagen sie vor, dass es mehr öffentliche Toiletten geben sollte und Rückzugsräume für suchtkranke Menschen.

An der Hoffnungsstraße, wo auch die Diamorphinambulanz der Suchthilfe direkt ist, gibt es zwar einen Drogenkonsumraum. Der wird aber weniger genutzt als vergleichbare Räume in anderen Großstädten. Eine Studie zeigt, dass weniger Menschen in Essen den Drogenkonsumraum nutzen als in anderen Großstädten wie zum Beispiel in Köln. Die Studie hat eine Mitarbeiterin des Vereins "Bella Donna" am Sonntag (22. Februar) beim zweiten Stadtgespräch "City.Nord" vorgestellt. Dort kam auch die Situation in der Diamorphinambulanz zur Sprache.

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