
Stadt Essen will mehr Grün, aber dafür weniger Parkplätze
Die Stadt Essen will die Stadt widerstandsfähiger gegen Hitze machen. Der Sommer 2026 hat gezeigt, dass es in vielen Straßen sehr schnell sehr heiß wird. In den Wohnungen kühlt es in den Nächten kaum noch ab. Das belastet viele Anwohnerinnen und Anwohner. Hitze hat extreme Folgen. Die Bäume sollen für Schatten sorgen und so dazu beitragen, dass es in Zukunft nicht mehr so heiß wird. Die Stadt hat deswegen zwei Büros (Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz GmbH aus Jena und Hoff & Koch Landschaftsarchitektur GmbH aus Essen) beauftragt ein Konzept auszuarbeiten, wo, wie viele und welche Bäume an den Straßen neu gepflanzt werden könnten. Die Experten sind Straße für Straße durchgegangen und haben ermittelt, wie die Straßen aussehen, welche Leitungen (Telekommunikation u.a.) dort liegen und wie der Boden beschaffen ist. Danach haben sie Vorschläge gemacht, wie viele Bäume in den einzelnen Straßen gepflanzt werden könnten und welche Arten am besten passen. In einigen Straßen und bei Anwohnerinnen und Anwohnern sorgt das jetzt für Ärger.
Wo ärgern sich in Essen die Anwohner über die Baumpläne der Stadt?
In Essen ärgern sich Anwohnerinnen und Anwohner besonders am Wesselswerth über die Pläne. Die Anwohnerstraße in Werden ist nur 450 Meter lang. Dort sollen 65 neue Bäume gepflanzt werden - das wäre etwa alle sieben Meter ein Baum. Dazwischen bliebe kaum noch Platz für parkende Autos. Durch die neuen Baumbeete würde die Straße außerdem so schmal, dass Autos kaum noch durchkämen. Das erklärt Michael Happe, Anwohner und Stadtplaner von Beruf, bei einem Ortstermin mit Radio Essen-Stadtreporterin Anna Bartl. Anwohnerin Martina Schmitz betont, dass die Bäume grundsätzlich gut seien, aber mit Augenmaß gepflanzt werden müssten. Die Initiative ist der Meinung, dass stattdessen mehr Bäume in der Heckstraße gepflanzt werden sollten.
Die meisten Häuser am Wesselswerth wurden um die Jahrhundertwende gebaut. Dort war früher unter anderem das Amtsgericht untergebracht; heute befindet sich in dem Gebäude das Jugendzentrum für Werden. Nur auf einigen Grundstücken stehen Bäume. Außerdem gibt es einen kleinen Spielplatz. Die Anwohnerinnen und Anwohner engagieren sich ehrenamtlich als Gießkannenhelden in Werden und gießen viele Straßenbäume. Sie wollen ein grünes Werden - aber auch weiterhin ein paar Parkplätze in ihrer Straße.
Was halten in Essen andere Anwohner von der Baumidee?
Im Südviertel in Essen gibt es einige Straßen ohne Bäume. Dazu gehört ein Abschnitt der Gutenbergstraße. Dort könnten 43 Bäume gepflanzt werden. Dafür würden 40 Parkplätze wegfallen. Einige Straßen weiter, in der Friedrich-List-Straße, stehen bislang nur einzelne Bäume auf privaten Grundstücken vor den Häusern. Hier sollen 30 neue Bäume gepflanzt werden. Dafür würden 30 Parkplätze wegfallen.
Bei einer nicht repräsentativen Umfrage von Radio Essen konnten sich die meisten befragten Anwohnerinnen und Anwohner mit den Plänen anfreunden. Die Apothekerin Gülay an der Gutenbergstraße befürchtet allerdings, dass ihre Kundinnen und Kunden dann keine Parkplätze mehr finden.
Wie geht es in Essen mit den neuen Bäumen weiter?
Die Stadt Essen hat 668 Straßen in 22 Stadtteilen untersuchen lassen. Für jede Straße wurde ein Steckbrief erstellt. Das Straßenbaumkonzept bildet die Grundlage für weitere Planungen. Bevor Stellplätze wegfallen und Bäume gepflanzt werden, muss es entsprechende Entscheidungen von Politikerinnen und Politikern in den Gremien geben, betont eine Sprecherin der Stadt Essen auf Radio Essen-Nachfrage. Das Amt für Straßen und Verkehr hat ein Straßenbauprogramm für die nächsten 20 Jahre entwickelt. Damit sollen die Straßen nach und nach erneuert und begrünt werden. Außerdem will die Stadt versuchen, Fördermittel für die Umsetzung des Konzepts zu bekommen.
Politikerinnen und Politiker in Werden und Kettwig haben bereits neue Vorschläge von der Stadt gefordert. Sie soll prüfen, wie an der Hauptstraße, der Wilhelmstraße, der Freiligrathstraße und am Freiligrathplatz in Kettwig Bäume gepflanzt werden können, ohne dass Parkplätze wegfallen. Der Wegfall von 120 Parkplätzen in der Kettwiger Altstadt hätte große Folgen für die Geschäftsleute, sagen die Politikerinnen und Politiker. In Werden würden insgesamt 133 Parkplätze wegfallen. Deshalb schlagen die Politikerinnen und Politiker andere Standorte für neue Bäume vor: zum Beispiel die Abteistraße, die Bungertstraße, die Hufergasse, die Rittergasse und den Kastellgraben.





