
Todesfälle, volle Notaufnahmen und kaputte Schienen in Essen: Die Folgen von extremer Hitze
Ende Juni wurden in Essen Temperaturen bis 40 Grad gemessen. Bei so heißem Wetter kommt die Infrastruktur hier bei uns an ihre Grenzen. Ob in der Bahn, im Krankenhaus, in der Pflege oder beim Autofahren – was tun, wenn durch die Hitze plötzlich nichts mehr geht?
Veröffentlicht: Donnerstag, 16.07.2026 04:24
Stromausfälle in Essen bei Hitze
Ohne Strom funktioniert in Essen so gut wie nichts. Das fällt vor allem dann auf, wenn bei extremer Hitze plötzlich die Ventilatoren und Klimaanlagen stillstehen. Auch während der letzten Hitzewelle gab es in Essen einige Stromausfälle. Ob diese in direktem Zusammenhang mit der Hitze stehen, konnten Stromanbieter bisher nicht bestätigen. Trotzdem: Sollte es wegen der Hitze oder aufgrund eines anderen Ereignisses in Essen plötzlich überhaupt gar keinen Strom mehr geben, ist die Stadt vorbereitet.Bei einem Blackout könnt Ihr zu den Notfallinformationspunkten bei uns in der Stadt gehen. Dort bekommt Ihr Infos - zum Beispiel, was passiert ist und wo das nächste Krankenhaus oder die nächste Apotheke ist.
Belastungsprobe in den Krankenhäusern in Essen
In den Krankenhäusern hier bei uns in Essen wird rund um die Uhr gearbeitet – auch bei Extremer Hitze, um den Patientinnen und Patienten bestmöglich zu helfen. Und wenn Klimaanlagen irgendwann nicht mehr gegen die Hitze ankommen und ausfallen, dann passiert das, was am Wochenende unter anderem am St. Josef Krankenhaus in Essen-Werden passiert ist: Ausgerechnet auf der Intensivstation wird es zu warm. Die Patienten wurden daraufhin in den klimatisierten Aufwachraum des OPs gebracht – in diesem Fall konnten die Mitarbeitenden so dafür sorgen, dass es keinem der Intensivpatienten schlechter geht. Zur Not hätte das Krankenhaus aber auch die Möglichkeit gehabt, die Patienten an die Uniklinik verlegen zu lassen.
„Die Intensivpatienten waren zu jedem Zeitpunkt optimal versorgt und es gab keine gesundheitlichen Folgen für die Patienten,“ bestätigt das Krankenhaus auf Radio Essen-Nachfrage.
Auch in anderen Krankenhäusern mussten Patienten kurzfristig „umziehen“, weil es einfach zu heiß geworden ist. Neben den alltäglichen – und durch die Hitze erschwerten – Herausforderungen auf den Stationen, kommen an heißen Tagen auch neue, akute Probleme hinzu: Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen. Besonders ältere Menschen (über 65 Jahre), Schwangere, Babys und Menschen mit Vorerkrankungen können bei anhaltender Hitze im schlimmsten Fall zusammenbrechen. Auch die Notaufnahme des St. Josef Krankenhausen musste viele Menschen mit Herz-Kreislauf-Symptomen behandeln.
Rettungsdienst in Essen muss öfter ausrücken
Die Lage in den Krankenhäusern hier in Essen kann die Feuerwehr auf Radio Essen-Nachfrage bestätigen - auch die Rettungssanitäter kommen bei extremer Hitze an ihre Grenzen. Die Sanitäter mussten am Hitzewochenende (26.-27. Juni) vermehrt zu Einsätzen ausrücken, um Menschen zu helfen, die dehydriert waren oder einen Hitzschlag hatten. Aber auch bei Badeunfällen in Ruhr und im Baldeneysee mussten sie helfen - auch wenn das Baden dort abgesehen vom Seaside Beach in Bredeney verboten ist. Das macht die Feuerwehr auf Radio Essen-Nachfrage noch einmal deutlich. Die Strömungen sind zu gefährlich. Trotzdem mussten die Rettungskräfte zum Beispiel am Samstag (27. Juni) wieder nach einer vermissten Person im Baldeneysee suchen.
Hitze in Essen besonders gefährlich für ältere Menschen
Die Hitze macht in Essen unter anderem auch den Seniorenpflegeeinrichtungen zu schaffen. Ältere Menschen sind anfälliger für gesundheitliche Probleme bei Hitze. Das sagt auch Markus Pudel, Einrichtungsleiter der Seniorenstiftung Adolphinum in Bergerhausen. Damit die Seniorinnen und Senioren bei der Hitze nicht plötzlich zusammenbrechen, versorgen sie die Mitarbeitenden mit Getränken und legen ihnen zum Beispiel kühle Tücher auf die Handgelenke, die Füße oder den Nacken.
"Ältere Menschen haben das Problem, dass sie etwas weniger trinken als wir. Dazu bekommen sie oft viele Medikamente, die bei Hitze anders wirken können. Zum Beispiel Blutdruckmedikamente für Bluthochdruck: Die Gefäße weiten sich bei Hitze aus, dadurch fällt der Blutdruck schon - wenn dann zusätzlich noch Medikamente gegen hohen Blutdruck gegeben werden, kann der Blutdruckabfall stärker sein als gewünscht. Man ist schwindelig, man ist matt, man ist müde und gegebenenfalls kann es sein, dass man kollabiert," erklärt Pudel im Radio Essen-Interview.
Hitze in Essen belastet Straßenbahnschienen
Die Straßenbahnschienen in Essen sind fest in unseren Straßen eingebettet. Bei andauernder Sonneneinstrahlung dehnt sich nicht nur der Stahl der Schienen aus, sondern auch der Straßenbelag. So kann es im Bereich der Schienen bis zu 60 Grad heiß werden. Das sagt die Ruhrbahn auf Radio Essen-Nachfrage. Das alles kann für so große Spannungen sorgen, dass sich die Gleise verschieben und der Straßenbelag nachgibt. Das ist unter anderem in Holsterhausen passiert. Hinzu kommt, dass viele Straßenbahnschienen hier bei uns in Essen auf ganz normalen Straßen für Autos, Busse und LKW verlegt sind – das belastet das Material zusätzlich. Mit dem Problem ist Essen nicht allein, heißt es von der Ruhrbahn:
„Die aktuelle Hitzewelle hat bundesweit zu erheblichen Beeinträchtigungen im Schienenverkehr geführt. Besonders gravierend war die Situation in Leipzig, wo der gesamte Straßenbahnbetrieb aufgrund massiver Hitzeschäden an Schienen und Weichen für mehrere Tage eingestellt werden musste.“
Um Hitzeschäden in Essen in Zukunft zu verhindern, will die Ruhrbahn die Erfahrungen aus der aktuellen und vergleichbaren Hitzeperioden auswerten. Es wird zum Beispiel neues Material getestet – eine Vergussmasse, die zwischen die Schienen und den Asphalt kommt und einen höheren Schmelzpunkt hat.
Autopannen auf den Straßen in Essen
Temperaturen über 30 Grad sorgen für mehr Autopannen, auch in Essen. Hier bei uns musste der ADAC in der Woche 22.-28. Juni 1.209 Mal ausrücken und liegengebliebenen Autofahrerinnen und -fahrern helfen. Das sind zehn Prozent mehr Einsätze als noch zwei Wochen zuvor. Am häufigsten macht die Autobatterie Probleme: In vierzig Prozent der Fälle macht bei Verbrennern als auch bei E-Autos die 12V-Starterbatterie schlapp, sagt der ADAC. Weitere Ursachen für Pannen können Probleme mit dem Motor oder der Kühlung und Klimaanlage sein, abgesprungenen Keilriemen oder Überhitzungsschäden durch kaputte Kühlschläuche. Der ADAC warnt, dass die hohen Temperaturen vor allem älteren Autos zu schaffen machen. Deswegen wird Euch empfohlen, vor längeren Fahrten – zum Beispiel in den Sommerurlaub – Eurer Auto nochmal durchchecken zu lassen.
Hilfe bei Hitze in Essen - das macht die Stadt
Essen ist wegen der dichten Bebauung und vielen versiegelten Oberflächen besonders anfällig für Hitze. Deswegen gibt es unter anderem das Hitzeportal der Stadt. Dort bekommt Ihr auf einen Blick wichtige Informationen rund um das Thema Hitze: Wie schütze ich mich und andere? Wo kann ich mich in Essen abkühlen? Wo gibt es kostenloses Trinkwasser? Und vieles mehr. Gleichzeitig warnt die Stadt auch immer aktuell vor kommender Hitze. Stadt und Feuerwehr empfehlen leichte Kleidung, ausreichend Sonnenschutz, viel Wasser und möglichst wenig körperliche Anstrengung in der Mittagshitze. Bei Beschwerden wie Schwindel, Übelkeit oder Bewusstseinsstörungen solltet Ihr umgehend der Notruf 112 wählen. Im schlimmsten Fall kann Hitze nämlich tödlich sein. Ob die Hitze auch in Essen für Todesfälle gesorgt hat, ist noch nicht klar. Bisher ist nur bekannt, dass am Hitzewochenende 100 Menschen aus Essen verstorben sind. Ob diese Todesfälle in Verbindung mit der Hitze stehen, muss noch geprüft werden. Aber zum Vergleich: An den beiden Wochenenden davor (5. Juni bis 7. Juni, sowie 12. Juni bis 14. Juni) gab es "nur" 62 Sterbefälle. In ganz Deutschland gab es nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) infolge der Hitzephase im Juni rund 5.100 Hitzetote. Das zeigt der aktuelle RKI-Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität.