Heiß und trocken: Bäume in Essen leiden

Es knirscht leise über uns im Baum und dann rauscht unvermittelt ein voll belaubter, mehrere Kilo schwerer Ast runter. Grünastabbruch nennen das die Förster und warnen eindringlich davor. Solche Äste können Menschen erschlagen. Niemand kann sagen, wann und wo es passiert.

© Kirstin Nieland – Wald und Holz NRW

Wald in Essen: Warum brechen die Äste ab?

Der Regen fehlt, sagt Regionalförster Martin Langkamp. Die Bäume haben seit 3 Jahren nicht mehr ausreichend Wasser bekommen. Anfangs konnten sie das noch kompensieren, aber jetzt wird es zu viel. Grün und Gruga hat auch schon Meldungen zu solchen Astabbrüchen aus Kupferdreh und Kettwig. Auch an einem Ahorn im Stadtgarten ist ein großer Ast runter gekommen. Bäume haben halbdurchlässige Zellen durch die Wasser von den Wurzeln in die Äste und Blätter gelangt. Wenn es zu trocken ist, dann können die Zellen kein Wasser mehr ansaugen also kommt oben nur noch Luft an. Dadurch entsteht eine Luftembolie, die Zellen werden instabil und die Äste brechen unvermittelt ab, weil der Baum das Gewicht nicht mehr halten kann. Bei trockenen Ästen können die zuständigen Förster und Baumgutachter sehen, dass die bald runter fallen und die Äste rausschneiden oder den ganzen Baum fällen. Bei einem grünen, voll belaubten Ast ist das aber nicht von außen sichtbar. Deshalb ist die Situation für uns alle so gefährlich.

Ein Stück Wald mit abgebrochenen Ästen © Kirstin Nieland – Wald und Holz NRW
Ein Stück Wald mit abgebrochenen Ästen
© Kirstin Nieland – Wald und Holz NRW

Wie geht es den Bäumen in Essen?

Kurz gesagt, inzwischen ziemlich schlecht. Bei einem Gespräch mit unserem Regionalförster Martin Langkamp haben wir hier bei Radio Essen erfahren, dass er gleich mehrere Probleme sieht. Zum einen sind da die trockenen Bäume in den Hängen in Kupferdreh am Priembergweg oder am Werdener Berg in Richtung Bredeney. Die trockenen Laubbäume meist Buchen müssen gefällt werden und sind dann nur noch Kaminholz. In Kettwig in einem kleinen Fichtenwäldchen hinter dem Waldfriedhof hat sich der Borkenkäfer breit gemacht. Auch hier wird der Waldbesitzer die Bäume alle fällen müssen, weil der Borkenkäfer den Fichten keine Chance lässt. Er frisst die Wachstumsschicht weg und die Bäume sterben ab. Das nächste Problem sind mehrere Pilzkrankheiten. Davon befallen wird unter anderem die gemeine Esche. Auch die stirbt meist ab. Außerdem kommt die Rußrindenerkrankung immer näher. Der Pilz befällt Ahornbäume und kommt aus den USA. Inzwischen trat der Pilz schon am Niederrhein auf. Wenn Menschen zu viel von den Sporen einatmen, können sie sogar einen anaphylaktischen Schock oder eine Lungenentzündung gekommen. Seit 2017 haben wir zu wenig Regen, 2018 war extrem trocken und heiß und in diesem Jahr hatten wir bereits ein zu trockenes Frühjahr und auch jetzt fällt kaum Regen. Die Bäume haben mit ihren letzten Reserven in diesem Jahr Blätter ausgetrieben. Diese Reserven sind nun erschöpft.

Erste Laubhaufen an der Tusneldastraße in Karnap© EBE
Erste Laubhaufen an der Tusneldastraße in Karnap
© EBE

Wo sehen wir die Trockenheit noch?

Die Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe sind bereits jetzt Anfang August mit den ersten Laubsaugern in der Stadt unterwegs. In Karnap und Rellinghausen zum Beispiel waren die schon im Einsatz. Das liegt daran, dass schon die ersten trockenen Blätter rumfliegen und vor allem viele trockene Lindenblüten. Die können die Mitarbeiter kaum zusammen fegen, weil die sofort wieder auseinander fliegen. Deshalb haben sie jetzt die Laubsauger mit genommen, sagen die Entsorgungsbetriebe auf Radio Essen-Nachfrage. Vor allem in Karnap haben die Mitarbeiter besonders viele trockene Blätter weggesaugt.

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