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Weltkrebstag 2026 in Essen: "Gemeinsam einzigartig"
© Anna Jurkovska - stock.adobe.com
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Weltkrebstag 2026 in Essen: "Gemeinsam einzigartig"

Am 4. Februar ist Weltkrebstag. An diesem Tag wird auf die verschiedenen Krebserkrankungen und die Menschen, die davon betroffen sind, mit ihren persönlichen Geschichten aufmerksam gemacht. Wir waren in Essen unterwegs und haben mit Professoren, Perückenmachern sowie Krankenschwestern gesprochen, die tagtäglich mit dem Thema Krebs zu tun haben.

Veröffentlicht: Mittwoch, 04.02.2026 11:47

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Professoren aus Essen erklären: Was ist der Weltkrebstag?

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Eine Krebsdiagnose ist für viele Menschen zunächst ein Schock – ganz gleich, ob man selbst betroffen ist oder Angehörige und Freunde. In Deutschland leben derzeit rund 1,5 Millionen Menschen mit einer Krebserkrankung, die innerhalb der vergangenen fünf Jahre diagnostiziert wurden. Jährlich erhalten etwa 500.000 Menschen die Diagnose Krebs. Das geht aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts vom Dezember vergangenen Jahres hervor. Statistisch gesehen erkrankt fast jeder zweite Mensch in Deutschland im Laufe seines Lebens an Krebs. Männer sind dabei etwas häufiger betroffen als Frauen. Dennoch trifft die Krankheit viele Menschen vergleichsweise früh: Etwa jede sechste Frau und jeder siebte Mann erkrankt noch vor dem 65. Lebensjahr. Zu den häufigsten Krebsarten zählen Prostatakrebs, Brustkrebs, Lungenkrebs und Darmkrebs.

Aus diesem Grund gibt es am 4. Februar schon zum 26. Mal den Weltkrebstag. Die Deutsche Krebshilfe nimmt diesen Tag zum Anlass, verstärkt über Möglichkeiten der Krebsprävention und Früherkennung sowie über aktuelle Entwicklungen in Diagnostik, Therapie und Nachsorge zu informieren.

Trotz der hohen Zahlen gibt es auch positive Entwicklungen: In den vergangenen 25 Jahren ist die Zahl der Krebstodesfälle deutlich gesunken, ebenso die Zahl der Neuerkrankungen. Die Forschung zeigt Wirkung – die entscheidende Frage bleibt jedoch, wie schnell weitere Fortschritte erzielt werden können.

Über den aktuellen Stand der Krebs- und Tumorforschung haben wir mit Univ.-Prof. Dr. med. Martin Schuler, Direktor der Inneren Klinik (Tumorforschung) der Universität Duisburg-Essen, und Prof. Dr. Ralf Küppers vom Institut für Zellbiologie gesprochen.

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Breast Care Nurses in Essen

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Brustkrebs ist die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Über 74.000 Frauen werden jährlich neu mit Brustkrebs diagnostiziert, das zeigen Zahlen des Robert Koch Instituts. So eine Diagnose ist für die Meisten ein Schock, weiß Breast Care Nurse Jennifer Mollenhauer. Sie ist eine von vier spezialisierten Krankenschwestern im Brustzentrum der Evang. Kliniken Essen-Mitte in Huttrop. Eine Breast Care Nurse kümmert sich ab dem Zeitpunkt der Diagnose bis zur Genesung intensiv um Patientinnen mit Brusterkrankungen.

„Ich frage die Patientin zu Beginn immer, was sie gerade braucht. Jeder Mensch braucht etwas anderes in dem Moment. Es gibt Patienten, die bekommen ihre Diagnose und die wollen einen Plan haben, die brauchen Zahlen, Daten, Fakten. Für andere bricht die ganze Welt zusammen. Es gibt nicht die eine Reaktion, jeder Mensch reagiert anders und braucht dann auch etwas anderes.“

In solchen Momenten helfen oft Familie oder Freunde, die die Betroffene unterstützen. Auch Jennifer ist als Pflegeexpertin für Brusterkrankungen mit viel Herz und Empathie die ganze Zeit an der Seite der Patientinnen. Dafür musste sie nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester eine weitere Fortbildung machen. Und das hat sich gelohnt, sagt Jennifer

„Man wird häufig gefragt, wie man so einen Job machen kann, weil das natürlich eine emotionale Belastung ist. Aber ich sage immer: Dass die Patienten wieder zurück ins Leben finden – das ist der Lohn dafür.“

Besonders wichtig für Patientinnen und Angehörige: Selbstbestimmung und Normalität. Jennifer weiß, viele Patientinnen wollen kein Mitleid. Sie wollen nicht, dass es bei Treffen mit Freunden oder Familie nur um ihre Krankheit geht.

„Ich sage immer: Sie können doch die Spielregeln bestimmen, es ist Ihre Erkrankung. Sie können sagen: Ich möchte nicht, dass das Thema Brustkrebs hier am Tisch präsent ist, wenn wir zusammenkommen - wenn ich Hilfe brauche, dann spreche ich darüber.“

So können Betroffene trotz Diagnose langsam wieder zurück in ihren Alltag finden, sagt Jennifer.

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Jennifer Mollenhauer / Kathi StrikkelingBreast Care Nurse Jennifer im Radio Essen-Interview
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Weltkrebstag 2026 in Essen: "Gemeinsam einzigartig"

© Radio Essen / Kathi Strikkeling

Weltkrebstag 2026 in Essen: "Gemeinsam einzigartig"

© Radio Essen / Kathi Strikkeling

Weltkrebstag 2026 in Essen: "Gemeinsam einzigartig"

© Radio Essen / Kathi Strikkeling

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© Radio Essen / Kathi Strikkeling

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Perücke in Essen auf Rezept

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Neben den körperlichen Herausforderungen bringt die Krebs-Therapie oft auch sichtbare Veränderungen mit sich – vor allem den Verlust der Haare. Für viele Betroffene ist das sehr schwer, denn Haare gehören zur eigenen Identität. Sie sind ein Teil dessen, wie man sich selbst sieht und fühlt. Sie stehen für Persönlichkeit, Weiblichkeit, Stärke und Selbstvertrauen.

"Wir geben den Menschen wieder ein Stück Lebensfreude. Besonders Frauenhaare sind ein sehr sensibles Thema. Sie schämen sich auch teilweise. Aber wenn sie die Perücke aufhaben, merkt man direkt: die fühlen sich wieder komplett und das ist schön. Man sieht auch das Strahlen in den Augen", sagt Jessica, Besitzerin vom Coco Hairshop.

Wenn jemand wegen einer Krebsbehandlung (z. B. Chemotherapie oder Bestrahlung) die Haare verliert, zahlt das die gesetzliche Krankenkasse - also für eine Perücke. Voraussetzung ist, dass ein Arzt oder eine Ärztin dafür ein Rezept ausstellt. Eine passende Perücke kann Mut schenken. Sie kann dabei helfen, wieder mit einem Lächeln aus dem Haus zu gehen. Sie gibt Sicherheit bei Begegnungen, im Alltag, bei Gesprächen mit Freunden oder im Beruf.

"Manchmal können wir mit kleinen Dingen Großes bewirken. Und manchmal ist eine Perücke viel mehr als nur Haare – sie ist ein Stück Hoffnung", so Keïta Mamady.
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Weltkrebstag 2026 in Essen: "Gemeinsam einzigartig"

Jessica, Tochter Lynn und Keïta Mamady

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Krebsforschung in Essen: So ist der Stand!

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In den vergangenen 15 Jahren haben sich die Überlebenszeiten von an Krebs erkrankten Männern und Frauen deutlich verbessert. Das erklärt Univ.-Prof. Dr. med. Martin Schuler, Direktor der Inneren Klinik für Tumorforschung an der Universität Duisburg-Essen, im Radio Essen-Interview. Ein wichtiger Grund dafür sind die stark verbesserten Diagnosemöglichkeiten. Ärztinnen und Ärzte können heute die Ausbreitung einer Krebserkrankung sehr viel genauer beschreiben und darauf aufbauend eine passgenaue Therapie auswählen. Dazu kommen neue, schonendere Behandlungsverfahren sowie moderne Strahlentherapien, mit denen sich klar begrenzte Tumore gezielt zerstören lassen.

Auch die Krebssterblichkeit ist – altersbezogen betrachtet – rückläufig. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Krebserkrankungen insgesamt aber nicht ab. Das liegt vor allem daran, dass Krebs häufig eine Erkrankung des höheren Alters ist. Denn: In Deutschland werden die Menschen immer älter, während es weniger junge Menschen gibt. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied zu früher: Viele von ihnen können heute deutlich besser und länger mit der Krankheit leben – und das dank moderner Medizin und kontinuierlicher Fortschritte in der Krebsforschung:

"Durch große Fortschritte in der medikamentösen Therapie (sind) viele Verbesserungen für die Patienten erreicht worden. Und da gibt es zwei große Linien: Das eine ist die sogenannte personalisierte oder zielgerichtete Tumortherapie (…). Das geht bei fortgeschrittenen, also metastasierender Erkrankung mit einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass die Behandlung wirkt, meist ist die auch gut verträglich und somit kann auch die Lebensqualität länger gut bleiben. (..) Und die zweite große Linie, die noch mehr Patienten erreicht hat, ist die sogenannte Immuntherapie: Das sind im Wesentlichen Antikörper, die so wirken, dass sie eine vom Tumor selbst unterdrückte Immunantwort wieder reaktivieren. Und dann bei einem Teil der Patienten tatsächlich eine körpereigene Immunantwort auslösen, die die Tumorzellen abtötet und auch nachhaltig kontrollieren kann. Und das gelingt bei einer großen Zahl von Tumorerkrankungen.", so Univ.-Prof. Dr. med. Martin Schuler.

Auch wenn das individuelle Risiko, an Krebs zu erkranken , insgesamt sinkt, bleibt die Gesamtzahl der Betroffenen hoch. Die Krankheit wird aber immer früher erkannt. Deutschland gehört bei der Diagnose und Behandlung von Krebs zudem zur Weltspitze. Defizite gibt es aber trotzdem bei der Früherkennung und der Prävention. „Da gibt es noch viel Luft nach oben“, sagt Univ.-Prof. Dr. med. Martin Schuler, Direktor der Inneren Klinik für Tumorforschung an der Universität Duisburg-Essen. Mit einem gesundheitsbewussten Lebensstil könnten aber nach Schätzungen rund 40 Prozent der Krebserkrankungen vermieden werden, so Schuler.

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Forschung in Essen zu Krebserkrankungen

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Besonders große Fortschritte wurden in den vergangenen zehn Jahren bei der Behandlung von Lungenkrebs und Brustkrebs bei Frauen erzielt. Dramatisch verbessert hat sich auch die Therapie des metastasierenden schwarzen Hautkrebses: Eine Erkrankung, die früher kaum behandelbar war, kann heute bei vielen Patientinnen und Patienten langfristig kontrolliert werden. Auch bei Darmkrebs und Prostatakrebs gibt es Fortschritte. Weniger positive Entwicklungen zeigen sich dagegen beim Bauchspeicheldrüsenkrebs. Zwar ist das Wissen über die Krankheit gewachsen, spürbare Verbesserungen für die Patientinnen und Patienten gibt es bislang jedoch kaum.

In Deutschland gibt es eine wirklich gute Grundlagenforschung zur Entstehung von Krebs, doch die Übertragung in die klinische Praxis verlief lange Zeit zu langsam. Seit 2023 wird dies aber gezielt beschleunigt, unter anderem durch den Ausbau der Nationalen Zentren für Tumorerkrankungen (NCT), die inzwischen bundesweit an sechs Standorten existieren. Einer davon ist das Nationale Zentrum für Tumorerkrankungen West, ein gemeinsames Projekt von Essen und Köln, das seit 2024 gefördert wird, um neue Forschungsergebnisse schneller zu den Patientinnen und Patienten zu bringen. Zudem bildet das Westdeutsche Tumorzentrum (WTZ) Essen gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Münster ein von der Deutschen Krebshilfe gefördertes onkologisches Spitzenzentrum. Das macht Essen zu einem führenden Standort für personalisierte Onkologie. Die Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen hat die Krebsforschung zu einem ihrer Schwerpunkte gemacht und ist eng in nationale Netzwerke eingebunden, wodurch Forschungsergebnisse direkt in innovative Therapien für Patientinnen und Patienten einfließen.

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Univ.-Prof. Dr. med. Martin Schuler und Svenja TrappmannInterview zum Weltkrebstag 2026
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Radio Essen hat auch mit Prof. Dr. Ralf Küppers vom Institut für Zellbiologie von der Universität Duisburg-Essen gesprochen. Auch er spricht im Radio Essen-Interview darüber, dass die Forschung vor allem im letzten Jahrzehnt viele Durchbrüche verzeichnen konnte. Er beschreibt die aktuelle Krebs- und Tumorforschung so:

„Dass es ein sehr dynamisches Feld ist, dass sich viele spannende Sachen in den letzten Jahren entwickelt haben. Bei einer ganzen Reihe von Krebskrankheiten auch wirklich neue Therapien entstanden sind, die die Heilungschancen und die Lebensqualität verbessern. Dass aber immer noch große Aufgaben vor uns sind. Das ist immer wieder, was gesagt wird, dieser demografische Wandel: Krebs ist primär eine Krankheit des alten Menschen, und je älter die deutsche Bevölkerung wird, deswegen nehmen sozusagen die Gesamtzahl an Krebserkrankungen weiterhin zu. (..) Also es ist ein großes Thema, zweithäufigste Todesursache weiterhin, etwa ein Viertel bis Fünftel der Menschen in Deutschland sterben an Krebs, sodass da sehr viel auch noch zu tun ist.“, so Prof. Dr. Ralf Küppers im Radio Essen-Interview.

Dank der großen Zahl behandelter Patienten können die Wissenschaftler in Essen eine Vielzahl von Krebsarten erforschen. Prof. Dr. Ralf Küppers betont im Radio Essen-Interview, dass Essen für das Ruhrgebiet eine zentrale Anlaufstelle für Krebserkrankungen ist – besonders für seltenere Tumore, die kleinere Krankenhäuser nur selten sehen und bei denen die Erfahrung oft begrenzt ist. Für ihn besonders bedeutsam ist ein Durchbruch der letzten Jahre: Früher war es nur möglich, einzelne Gene eines Tumors zu untersuchen – die sogenannten Kandidatengene, bei denen man vermutete, dass sie eine Rolle spielen. Heute hingegen kann das gesamte Erbgut eines Tumors analysiert werden. So lässt sich genau erkennen, welche Gene verändert sind und welche ihre normale Funktion verloren haben. Diese Erkenntnisse erleichtern es, die medikamentöse Behandlung individuell auf den Patienten abzustimmen.

Ein weiterer Schwerpunkt von Prof. Küppers liegt auf Lymphomen und Leukämien, also Krebsarten der weißen Blutzellen. Durch die umfassende Analyse aller genetischen Veränderungen lassen sich gezielt neue Therapieansätze entwickeln. Auch innovative Diagnostikverfahren wie die Liquid Biopsy spielen eine wichtige Rolle: Tumore geben DNA-Fragmente ins Blut ab, sodass sich Krebs über eine einfache Blutprobe nachweisen und der Verlauf der Behandlung überwachen lässt.

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Prof. Dr. Ralf Küppers und Svenja TrappmannInterview zum Weltkrebstag 2026
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