
Wasserpflanze in Essen hat den Baldeneysee im Griff
In Essen sorgt eine neue Wasserpflanze für viel Ärger am Baldeneysee. Die Pflanze wuchert in diesem Jahr extrem stark und hat praktisch den See übernommen. Die Wassersportler haben deshalb große Probleme.
Veröffentlicht: Mittwoch, 01.07.2026 11:56
Warum breitet sich in Essen die Wasserpflanze so massiv aus?
Die Wasserpflanze in Essen im Baldeneysee ist ein gutes Zeichen. Das krause und das stachelspitzige Laichkraut sind einheimische Pflanzen und ein Zeichen dafür, dass die Wasserqualität gut ist. Der Gewässerökologe Dr. Klaus van de Weyer von der Firma lanaplan ist Gutachter und Experte für Wasser- und Sumpfpflanzen. Er sagt, dass die außergewöhnliche Entwicklung des Wachstums der Pflanze dieses Jahr eine Kombination günstiger Umweltbedingungen ist. Das Wetter war lange Zeit sehr gut, es war warm, das Wasser ist eher klar und damit fällt genug Licht auf den Boden des Sees und die Pflanze kann sich ausbreiten und wachsen. Vor allem im Frühjahr war das Wasser klar und hat zur Ausbreitung der Pflanze geführt. Die Bedingungen sind einfach gerade optimal und die Pflanze hat die invasive Art Elodea praktisch fast verdrängt. Wie das passiert ist, kann der Experte noch nicht genau sagen. Außerdem hat er herausgefunden, dass die Wasserpflanze eine Kreuzung aus zwei bekannten Laichkräutern ist, aus dem krausen und dem stachelspitzigen Laichkraut. Beides sind bekannte Arten, trotzdem lasse sich im Moment nicht vorhersagen wie sich die Pflanze weiter entwickele, so der Ökologe.
Wie reagiert die Stadt Essen auf die Wasserpflanze?
Die Stadt Essen setzt seit Ende Mai zwei Mähboote auf dem Baldeneysee ein. Sie sollen dafür sorgen, dass möglichst viele Teile des Sees weiter von den Wassersportlern genutzt werden können. Das Problem ist allerdings, dass das Mähen mit einem viel größeren Aufwand verbunden ist als das Mähen der Elodea in den Jahren davor. Die Boote müssen jeden Tag zwei Stunden mit dem Hochdruckreiniger gereinigt werden, beschreibt Seemanager und Geschäftsführer der Weissen Flotte Baldeney, Boris Orlowski, die Situation im Gespräch mit Radio Essen. Die Pflanzenreste setzen sich überall auf den Booten fest und können zu Ausfällen führen, wenn sie nicht entfernt werden. Außerdem wachse die Pflanze bei dem Wetter so schnell, dass man nur noch bestimmte Teile frei halten könne, erklärt er weiter. Dazu gehört der See vom Wehr bis zum Seaside Beach und das Nordufer vom Seaside Beach weiter bis nach Heisingen. Die Wassersportler können damit zumindest weiter trainieren und für die Segelvereine werden die Zufahrten zu den freien Flächen gemäht. Allerdings musste in diesem Jahr schon eine große Ruderregatta nach Krefeld verlegt werden. Der Essener Ruder-Regattaverein hat mit vielen Ehrenamtlichen die Deutschen Juniorenmeisterschaften im Rudern dort durchgeführt.
Sollen Wassersportler bald fürs Mähen zahlen?
Da in Essen der Aufwand für das Mähen auf dem Baldeneysee immer größer wird, haben alle Beteiligten (Stadt Essen, Ruhrverband und die IG Baldeney e.V.) jetzt über die Situation beraten. Aktuell müssen die Vereine noch nicht mit einer solchen Gebühr rechnen, sagt der Sprecher des Ruhrverbandes, Markus Rüdel, auf Radio Essen-Nachfrage. Aber mittelfristig würde man darüber nachdenken, erklärt er weiter. Im Moment teilen sich der Ruhrverband und die Stadt Essen die Kosten für den Einsatz der Mähboote. Die Vereine zahlen schon seit langem eine Nutzungsgebühr für ihre Stege und Häfen am See. Die Gebühr ist abhängig von der jeweils genutzten Wasserfläche. Wenn allerdings der Aufwand für das Freihalten des Sees immer größer werde, dann müsse man auch über eine finanzielle Beteiligung der Vereine als Nutznießer sprechen, sagt der Vorstandsvorsitzende des Ruhrverbandes, Christoph Donner. Der Ruhrverband selbst muss sich immer neuen Herausforderungen stellen, die der Klimawandel im gesamten Ökosystem Ruhr und in den Nebenflüssen und an Land hervorbringt. Das betrifft auch das Mähen im Baldeneysee, auch hier will der Ruhrverband das gesamte Ökosystem des Sees im Blick behalten.
Wie geht es in Essen weiter am Baldeneysee?
In Essen werden die Mähboote weiter versuchen, die wichtigen Teile des Sees frei zu halten damit Regatten wie die deutschen Kanumeisterschaften in zwei Wochen und weitere Kanupolo-Turniere stattfinden können. Der Ruhrverband will in diesem Monat erneut Tauchgänge durchführen, um weitere biologische Untersuchungen durchzuführen. Im September stehen noch einige Segelregatten an. Wie sich aber die neue Kreuzung aus zwei heimischen Laichkräutern entwickelt, bleibt weiter offen. Gefährlich ist die Wasserpflanze aber nicht, sie ist eher ein Zeichen für einen sauberen Baldeneysee. Die Fahrrinnen der Weißen Flotte sind frei und "einem Ausflug mit einem der Elektro-Schiffe steht nichts im Weg", betont der Geschäftsführer der Weißen Flotte.