
Provokante These aus Essen: Deutschland muss sich mit Klimaschutz nicht beeilen
Aus Essen kommt ein interessanter Aufruf an die Politik. Die Wirtschaftswissenschaftler vom RWI sagen, Deutschland sollte erst 2050 klimaneutral werden. Das reiche völlig.
Veröffentlicht: Montag, 02.02.2026 12:03
Warum sollen wir beim Klimawandel langsamer werden?
Eine neue These aus Essen sorgt bei Klimaschützern für Unmut. Die Wirtschaftswissenschaftler vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung schlagen vor, dass Deutschland erst 2050 klimaneutral werden sollte. Aktuell will Deutschland das Ziel schon 2045 erreichen. Dafür würden aber Milliardenwerte vernichtet, sagen die Forscher. Zahlreiche Erdgasheizungen zum Beispiel müssten schon viel früher als nötig verschrottet werden. Strom müsste schon viel früher mit dem deutlich teureren grünen Wasserstoff erzeugt werden. Der Effekt für das Klima ist aber sehr gering, es würden damit europaweit und auch weltweit keine CO2-Emissionen eingespart werden, erklärt Prof. Manuel Frondel im Interview mit Radio Essen-Stadtreporterin Anna Bartl.
Welche Lösung schlagen Forscher aus Essen vor?
Die Forscher aus Essen plädieren dafür, dass möglichst alle Länder weltweit weniger CO2 ausstoßen. Noch ist das nicht der Fall. Allein der Anteil Chinas an den weltweiten Emissionen beträgt 26 Prozent. Nimmt man weitere asiatische Länder dazu, dann sind diese zusammen für mehr als die Hälfte der globalen Emissionen verantwortlich. Wenn man gemeinsam einen weltweiten CO2-Preis festlegen würde, wäre das auch für diese Länder Ansporn ihre Emissionen zu senken. Nur Deutschland und die europäischen Länder haben in den vergangenen Jahren ihre Emissionen verringert. Dafür muss die Wirtschaft aber einen hohen Preis bezahlen.
"Deutschland trägt überproportional hohe Kosten für einen global vernachlässigbaren Effekt", erklärt Manuel Frondel weiter.
Sein Vorschlag: den von Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz gegründeten Klimaclub weiter ausbauen und mehr Länder dafür gewinnen. Nur so lasse sich der Klimawandel eindämmen.
Wie sind die Reaktionen auf die Ideen aus Essen?
Die Reaktionen auf die Vorschläge aus Essen sind aus der Wirtschaft eher verhalten, sagt Manuel Frondel im Radio Essen-Interview. Dafür bekommt er viele Mails von Klimaschützern, die deutlich sagen, dass er die Erde zerstören würde. Eine solche Macht habe er aber gar nicht, sagt der Forscher weiter. Er will auch nicht die Anstrengungen für den Klimaschutz stoppen. Das sei weiterhin enorm wichtig. Allerdings bringt es aber auch nichts, wenn Deutschland dafür weiter sehr viel Geld ausgibt und der Effekt nicht da ist. Nur gemeinsam können alle Länder der Welt das Klima schützen und Naturkatastrophen so verringern und auch weiter für eine gute Lebensqualität sorgen.

