
Familien sollen in Essen besser gefördert werden
Viele Eltern in Essen wissen nicht, dass sie Anspruch auf weiteres Geld für ihre Kinder haben. Wer Bürgergeld, Sozialhilfe nach dem SGB XII, Asylbewerberleistungen, Kindergeld mit Kinderzuschlag oder Wohngeld erhält, kann zusätzlich Geld für seine Kinder beantragen. Dafür gibt es das Bildungs- und Teilhabepaket. Darüber können Eltern Zuschüsse für den Schulbedarf ihrer Kinder, für Schulausflüge oder mehrtägige Klassenfahrten erhalten. Auch die Kosten für den Schulweg können übernommen werden. Wenn Kinder zusätzliche Förderung benötigen, um in der Schule besser zurechtzukommen, gibt es dafür ebenfalls finanzielle Unterstützung. Außerdem können Eltern Geld bekommen, wenn ihr Kind in einem Sportverein aktiv ist oder Unterricht in einer Musikschule besucht. Ziel ist es, Kinder besser zu fördern und ihnen gleiche Chancen zu ermöglichen.
Warum nutzen nicht alle Eltern in Essen dieses Geld?
Lehrerinnen und Lehrer haben bei einer Radio Essen-Umfrage erklärt, dass manche Eltern zu wenig oder gar kein Deutsch können und deshalb gar nicht in der Lage sind, die entsprechenden Anträge zu stellen. Das macht es zum Beispiel für Lehrerinnen und Lehrer sehr schwierig, wenn sie mit der Klasse einen Ausflug machen wollen. An den Schulen waren deshalb alle in Sorge, weil die Stadt die Mittel für die Freifahrten mit der Ruhrbahn für Ausflüge gestrichen hat. Inzwischen übernehmen aber zwei Sponsoren zumindest einen Teil der Kosten.
Die Stadt hat Anfang des Jahres die Wege, um an Hilfe oder die entsprechenden Anträge zu kommen, neu organisiert: Alle, die Bürgergeld bekommen, müssen die Anträge für das Bildungs- und Teilhabepaket beim Jobcenter stellen. Wer Wohngeld oder Sozialhilfe oder Kindergeld mit Kinderzuschlag sowie Asylbewerberleitungen bekommt, muss den Antrag beim Amt für Soziales und Wohnen stellen. Davor war nur das Jobcenter zuständig.
Aktuell dauert die Bearbeitung der Anträge allerdings vier Monate. Das hängt davon ab, ob auch alle Unterlagen mit eingereicht wurden, sagt die Stadt. Insgesamt wurden im letzten Jahr 93.500 Anträge gestellt. Im Jahr 2024 wurden mehr als 23 Millionen Euro ausgezahlt. Die Summe für das letzte Jahr wird erst noch ermittelt. Die Bildung und Arbeit GmbH hat zum Anfang des Jahres eine neue Beratungsstelle aufgemacht. Hier geht es vor allem darum, Familien zu unterstützen und ihnen bei den Anträgen zu helfen.
Politiker in Essen fordern einfachere Wege
Die Politikerinnen und Politiker in Essen fordern andere Wege zum Bildungs- und Teilhabepaket. Die CDU fordert in der kommenden Ratssitzung am Mittwoch (11. Februar), dass die Verwaltung das Konzept weiter entwickelt und die Verfahren optimiert. Bis zum Frühjahr soll die Verwaltung dafür einen Plan vorlegen. Die Grünen, EBB und FDP gehen noch einen Schritt weiter und fordern, dass es für die Familien zum Beispiel personalisierte Chipkarten oder digitale Gutscheine gibt. Auch eine App können sich die Politikerinnen und Politiker als einfachen Zugang vorstellen. In Schulen und Kitas soll es dann zum Beispiel Lesegeräte oder die Möglichkeit für eine Online-Anrechnung geben. Außerdem sollen Familien automatisch mit den Informationen zum Bürgergeld oder zum Beispiel bei Asylbewerberleitungen Infos zum Bildungs- und Teilhabepaket bekommen, das möglichst in der jeweiligen Muttersprache. Außerdem soll die Stadt eine Website zur Beratung verlinken.