
Grippe, Erkältung & Co. in Essen: Volle Arztpraxen und Diskussion um telefonische Krankschreibung
Gefühlt haben viele Menschen in Essen haben gerade Fieber, Schnupfen oder Husten. Wie Ärzte aus Essen die Lage einschätzen und was sie zur Diskussion über die telefonische Krankschreibung sagen.
Veröffentlicht: Montag, 09.02.2026 07:20
Wie schlimm ist die Grippesaison in Essen?
Ob auf der Arbeit in Essen oder im eigenen Freundeskreis - aktuell sind gefühlt sehr viele Menschen krank. Diesen Eindruck bestätigen Ärztinnen und Ärzte in Essen auf Radio Essen-Nachfrage.
"Es ist viel zu tun, es sind viele krank. Aber bisher haben wir noch nicht die Situation, dass es jahreszeitlich irgendwie ungewöhnlich wäre", sagt Hausarzt Marcus Reil aus Katernberg und Sprecher des Hausärzte-Verbands Nordrhein für Essen.
Er empfiehlt deswegen Risikogruppen, Älteren und Schwangeren sich auch jetzt noch impfen zu lassen.
Auch Arzt Tobias Ohde aus Altenessen und Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein für Essen merkt, dass wieder die Grippe rumgeht. Dieses Jahr werde die Saison angeheizt durch die Variante Subklade K. Und mittlerweile gebe es auch immer mehr RSV-Infektionen. Vor allem Kinder seien betroffen und geben die Viren dann an Erwachsene weiter. Gleichzeitig dauern die Infektionen aktuell gerne mal etwas länger, sagt Tobias Ohde. Bis der Reizhusten abgeklungen ist, könne es zwei bis drei Wochen dauern. Trotzdem sei alles im Normbereich und die Situation in den Praxen händelbar. Es kann allerdings mal etwas länger dauern, bis man dran ist, so Tobias Ohde:
"Leider sind natürlich auch die Praxismitarbeiter zum Teil davon betroffen, dass sie ausfallen und mit einem Krankenschein zu Hause bleiben müssen [...], weswegen wir da um Nachsicht bitten."
Was sagen Ärzte in Essen zur telefonischen Krankschreibung?
Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert, dass in Deutschland zu viele Menschen krank seien. Er stellte in dem Zuge auch die telefonische Krankschreibung in Frage. Das Bundesgesundheitsministerium möchte diese Regel jetzt prüfen. Für die Ärzte Marcus Reil und Tobias Ohde aus Essen geht diese Diskussion am Kern vorbei. Sie glauben nicht, dass die telefonische Krankschreibung dafür sorgt, dass sich mehr Menschen krankschreiben lassen. Denn: Sie werde so oder so nur dort eingesetzt, wo Ärztinnen und ihre Ärzte ihre Patientinnen und Patienten kennen und ihnen vertrauen. Marcus Reil aus Altenessen sieht das Problem eher woanders:
"Dass die Möglichkeit noch viel zu großzügig besteht, sich durch fremde Ärzte, die man nie gesehen hat, auf irgendwelchen Online-Plattformen krankschreiben zu lassen."
Solche kommerziellen Anbieter nutzen Gesetzeslücken aus, um mit Krankschreibungen Geld zu verdienen.
Tobias Ohde ergänzt, dass Menschen auch in der Praxis Symptome vortäuschen können, um eine Krankschreibung zu bekommen. Die telefonische Krankschreibung sei außerdem eher eine Entlastung für die Praxen und andere Patientinnen und Patienten.
"Weil sie nicht an der Anmeldung stehen und nicht die anderen Leute noch anstecken, die für einen Routine-Termin in der Praxis sind."