
Kommission kritisiert Bistum Essen – Probleme bei Missbrauchs-Aufarbeitung bleiben
Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt (UAK) im Bistum Essen sieht weiterhin Mängel bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen. In ihrem Jahresbericht für 2025 lobt sie das Bistum zwar für Fortschritte in einzelnen Bereichen, kritisiert aber unter anderem personelle Probleme, lange Verfahren und Defizite bei der Unterstützung Betroffener von sexualisierter Gewalt.
Veröffentlicht: Mittwoch, 08.07.2026 13:23
Was ist die unabhängige Aufklärungskommission Essen?
Die Unabhängige Aufarbeitungskommission (UAK) untersucht die Fälle und Strukturen sexualisierter Gewalt im Bistum Essen. Die achtköpfige, ehrenamtliche Kommission besteht aus acht ehrenamtlichen Mitgliedern. Die Kommission sichtet Interventionsakten und Personalakten, analysiert die Ursachen und Strukturen von Missbrauch und bewertet das Vorgehen der Bistumsverantwortlichen.
Kritik an Personalwechseln und langen Verfahren in Essen
In elf Sitzungen hat die UAK im letzten Jahr unter anderem 25 Interventionsakten sowie Unterlagen zum Fall Hengsbach des Bistum Essen gesichtet. Dem verstorbenen Bischof wird Missbrauch vorgeworfen - auch in Essen. Bei einigen Sitzungen waren auch Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck und Generalvikar Klaus Pfeffer aus Essen dabei. Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass das Bistum Essen mit Missbrauchsfällen nach 2010 grundsätzlich angemessen umgegangen ist. Die UAK bemängelt aber gleichzeitig, dass Verfahren zu sexuellen Übergriffen oft ziemlich lange gedauert haben und Akten teilweise unübersichtlich geführt wurden. Deutliche Kritik gibt es an der personellen Situation in der Stabsstelle für Prävention, Intervention und Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Bistum Essen. Nach dem Weggang der Leitung im Sommer 2025 sei die Stelle erst Anfang 2026 neu besetzt worden und ist inzwischen wieder unbesetzt. Auch die Position der Interventionsbeauftragten ist seit März 2026 unbesetzt. Außerdem gibt es neue Abläufe für unabhängige Ansprechpersonen für betroffene von sexualisierter Gewalt - diese wurde laut der UAK aber nicht konsequent umgesetzt:
"Abstimmungsgespräche fanden nur sporadisch statt, Standards wurden nicht eingehalten und der Systemwechsel verlief für Betroffene intransparent und ohne angemessene Kommunikation."
Kommission untersucht weitere Missbrauchsvorwürfe in Essen
Die Kommission hat sich außerdem noch mit weiteren Fäll aus Essen beschäftigt. Vor einigen Jahren sind Vorwürfe laut geworden von Menschen, die behauptet haben, sie seien Opfer schwerster Gewalttaten von Priestern, inzwischen verstorbene Erzbischöfen, Kardinälen und Bischöfen aus den Bistümern Essen und Münster sowie dem Erzbistum Köln gewesen. Eine Anwaltskanzlei hat daraufhin die Vorwürfe geprüft und kam zu dem Schluss, dass die Aussagen nicht plausibel seien. Dem hat auch die UAK zugestimmt - kritisiert aber die Methode.
"Die fehlende Plausibilität einzelner Fälle dürfe nicht dazu führen, rituellen Missbrauch grundsätzlich infrage zu stellen. Jeder Einzelfall müsse weiterhin unvoreingenommen aufgearbeitet werden," warnt die Kommission.
Außerdem kritisiert die UAK unter anderem den teils wertenden Schreibstil des Gutachtens und unterschiedliche Darstellungen der untersuchten Fälle.
Komission fordert in Essen mehr Unterstützung
Die Kommission fordert eine bessere Begleitung von Betroffenen von sexualisierter Gewalt - nicht nur durch finanzielle Anerkennungsleistungen, sondern auch durch niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote.
"Diese sollten barrierefrei bzw. -arm, vielfältig gestaltet und mit hoher Sensibilität für mögliche Interessenkonflikte im Bistum umgesetzt werden," empfiehlt die Kommission.
Besonders wichtig seien auch die von Betroffenen selbst organisierten Hilfsangebote. Zudem kritisiert die UAK das Verfahren der Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen. Sie entscheidet über finanzielle Leistungen für Menschen, die als Minderjährige oder schutz- bzw. hilfebedürftige Erwachsene im Bereich der katholischen Kirche Opfer von sexualisierter Gewalt geworden sind. Betroffene müssten teilweise länger als ein Jahr auf Entscheidungen warten und erhielten weder eine Begründung noch Informationen zum Stand ihrer Verfahren, sagt die UKA.
Kommission will Bistum Essen weiter beobachten
Auch 2026 will die Kommission die Akten prüfen. Ein Schwerpunkt soll dabei auf Missbrauchsfällen in katholischen Heimen liegen, die aus Sicht der UAK bislang nur unzureichend aufgearbeitet wurden. Außerdem will die Kommission die Umsetzung der Empfehlungen aus der IPP-Studie weiter beobachten und den angekündigten Zwischenbericht zur wissenschaftlichen Hengsbach-Studie begleiten. In beiden Studien geht es um die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche.