Essen: Aus für zwei Krankenhäuser - Mitarbeiter und Nachbarn wehren sich

Gleich zwei Krankenhäuser im Essener Norden sollen schon bis Ende dieses Jahres geschlossen werden. Viele Essener sind traurig und haben Sorgen um ihre Gesundheit und ihre Jobs. Deswegen wehren sich viele dagegen.

st-vincenz-hospital-krankenhaus-radio-essen
© Radio Essen / Fabian Schulenkorf

Essen-Stoppenberg: Ängste vor Krankenhaus-Schließung

Viele Menschen in Stoppenberg sind verständnislos und unsicher darüber, dass in ihrem Stadtteil das St. Vincenz Krankenhaus geschlossen werden soll. Als Grundlage für diese Entscheidung gibt es eine Studie, die besagt, dass es in Essen zu viele Krankenhäuser gibt und die einfach zu teuer sind. Aleksandra aus Frillendorf muss regelmäßig ins Krankenhaus und hat daher eine ganz andere Wahrnehmung. Sie befürchtet, dass es dann noch schwieriger wird, einen Termin zu bekommen, weil die übrig gebliebenen Krankenhäuser dann von noch mehr Patientinnen und Patienten aufgesucht werden. Dagmar aus Stoppenberg sagt zwar: "Solange die Notversorgung gewährleistet ist, ist das für mich okay." Dabei betont sie aber auch ihre Angst: "Wenn wir Stoppenberger in einem Notfall weit transportiert werden müssen, wird das gerade in dringenden Fällen, wie einem Herzinfarkt, schon gefährlich." Diesen drastischen Eindruck teilt auch Josef aus Stoppenberg. Er wurde sogar im St. Vincenz Krankenhaus geboren: "Bis wir in Borbeck sind, sind wir tot.", sagt er. Von den Kahlschlagplänen der Contilia-Gruppe ist nicht nur das St. Vincenz Krankenhaus in Stoppenberg, sondern auch das Marienhospital in Altenessen betroffen. Das Philippusstift in Borbeck wäre dann die nächste Anlaufstelle. 

Demo in Essen-Altenessen gegen Schließung

Am Freitag (3. Juli) findet unter Einhaltung der Corona-Regeln eine Demo gegen die geplante Schließung der Krankenhäuser statt. Auf dem Marktplatz in Altenessen sind hunderte Menschen und demonstrieren und nicht wie zuvor angekündigt auf dem Karlsplatz.

Ärzte schlagen Alarm

Die Ärzte im Essener Norden sorgen sich um die Gesundheitsversorgung ihrer Patienten. Das haben mehrere Ärzte auf Radio Essen-Nachfrage erzählt. Durch die geplante Schließung von gleich zwei Krankenhäusern befürchten viele Ärzte, dass Patienten mit akuten Notfällen, wie zum Beispiel einem Herzinfarkt, nicht schnell genug ins Krankenhaus kommen. Außerdem rechnen die niedergelassenen Ärzte damit, dass nach den Schließungen mehr Patienten in die Praxen kommen, als die Ärzte behandeln können und gerade ältere Menschen die weiteren Wege in nächstgelegene Krankenhäuser nicht auf sich nehmen wollen. 

Die Contilia-Gruppe aus Huttrop hatte bekannt gegeben, dass sie aus Kostengründen das St. Vincenz Krankenhaus in Stoppenberg und das Marienhospital in Altenessen demnächst schließen will. Heute Nachmittag wollen Mitarbeiter und Anwohner auf dem Marktplatz in Altenessen dagegen demonstrieren.

Das St. Vincenz Krankenhaus in Stoppenberg soll geschlossen werden.© Contilia Gruppe
Das St. Vincenz Krankenhaus in Stoppenberg soll geschlossen werden.
© Contilia Gruppe

Standorte der betroffenen Krankenhäuser

Kirche St. Johann-Baptist in Essen-Altenessen gerettet?

st-johann-st-vincenz-hospital-krankenhaus-radio-essen
© Radio Essen / Fabian Schulenkorf
© Radio Essen / Fabian Schulenkorf

Schon im Januar hatte der Verein "Rettet Sankt Johann" Hoffnung für den Erhalt der Kirche in Altenessen geschöpft. Damals hieß es noch, die Krankenhäuser sollen verkauft werden. Zuvor war eigentlich geplant, dass das Marienhospital in Altenessen komplett abgrissen und neu gebaut wird. Dafür sollte auch die Kirche abgerissen werden. Weil die Contilia ihre Krankenhäuser im Essener Norden jetzt schließen will, sei auch der Klinikneubau gestoppt und der Kirchenabriss unnötig, sagt die Initiative zum Erhalt der Kirche.

Contilia in Essen: Das passiert mit den Mitarbeitern

Obwohl gleich zwei Krankenhäuser im Essener Norden schließen sollen, schöpft die Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hoffnung, dass es sozialverträgliche Lösungen für die Mitarbeiter gibt. Es sei aber schade, dass es nicht zum geplanten Ausbau am Marienhospital in Altenessen kommt: Mit mehr als 47.000 Arbeitsplätzen (das entspricht 20% der sozialversicherungspflichtigen Jobs in Essen) ist das Gesundheitswesen einer der größten Arbeitgeber in Essen, so Winfried Book, Leiter Gesundheitswirtschaft von der Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbh, gegenüber Radio Essen.

Die Contilia-Gruppe hofft, alle Mitarbeiter in anderen Einrichtungen, wie zum Beispiel dem Philippusstift in Borbeck, zu übernehmen. Dafür finden wohl schon Gespräche statt. "Derzeit suchen wir mit allen Mitarbeitern das persönliche Gespräch, um die Wünsche, Bedürfnisse und Interessen abzustimmen," sagt die Betreibergesellschaft auf Radio Essen-Nachfrage. Die Resonanz sei groß und viele Mitarbeiter zeigen sich auch sehr offen für einen Wechsel in eines der anderen Contilia Krankenhäuser. "Unser Ziel ist es, die Mitarbeiter nach Möglichkeit weiter im Verbund zu beschäftigen," so ein Sprecher der Contilia-Gruppe. Was mit den Gebäuden passiert, sei im Moment noch offen.

Schließung statt Ausbau fürs Marienhospital in Altenessen© Funke Foto Services/Herbert Höltgen
Schließung statt Ausbau fürs Marienhospital in Altenessen
© Funke Foto Services/Herbert Höltgen

Gewerkschaft ver.di zur Schließung im Essener Norden

Radio Essen am Morgen-Moderatorin Angela Hecker hat am Freitag mit Björn Jadzinski von der Gewerkschaft ver.di telefoniert. Er ist bei der Gewerkschaft zuständig für den Gesundheitsbereich und kennt die Sorgen der vielen Mitarbeiter.

© Radio Essen

Weitere Nachrichten aus Essen

Weitere Meldungen

skyline
ivw-logo