
Bischof in Essen möchte Wehrpflicht auch für Frauen
Der Bischof und katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck aus Essen spricht sich für eine schnelle Rückkehr zur Wehrpflicht in Deutschland aus. Außerdem ist er dafür, dass sich die Bundeswehr in der Straße von Hormus einsetzt.
Veröffentlicht: Freitag, 08.05.2026 09:40
Bischof in Essen: "Deutschland darf sich nicht heraushalten"
Franz-Josef Overbeck ist seit vielen Jahren Militärbischof der Bundeswehr. Er sagt, die Weltlage sei gefährlich, deshalb müsse Deutschland schneller handeln.
Besonders wichtig ist für ihn die Lage in der Straße von Hormus. Dort verläuft eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Öl und Gas weltweit. Wenn es dort zu Problemen oder Angriffen kommt, könnte das auch wirtschaftliche Folgen für Deutschland haben – zum Beispiel höhere Energiepreise oder Schwierigkeiten bei Lieferungen.
Overbeck sagt deshalb, Deutschland dürfe sich bei internationalen Einsätzen nicht einfach heraushalten. Eine Beteiligung der Bundeswehr könne sinnvoll sein, zum Beispiel bei der Minenräumung oder der Überwachung der Seewege. Allerdings nur gemeinsam mit internationalen Partnern und mit einem klaren Auftrag.
Essen: Freiwillige reichen laut Overbeck nicht aus
Außerdem fordert der Militärbischof die Rückkehr der Wehrpflicht. Die Bundeswehr plant, in den kommenden Jahren deutlich mehr Soldatinnen und Soldaten einzustellen. Nach Einschätzung Overbecks wird das mit freiwilligem Dienst allein nicht funktionieren. Zwar gebe es wieder mehr Menschen, die sich freiwillig melden, viele würden aber schon nach kurzer Zeit wieder aufhören. Außerdem fehle es an Unterkünften und Kasernen, weil in den vergangenen Jahren viele Standorte geschlossen wurden.
Bischof aus Essen möchte Pflichtdienst für Männer und Frauen
Overbeck spricht sich dafür aus, dass eine Wehrpflicht heute für Männer und Frauen gelten sollte. Wer nicht zur Bundeswehr möchte, solle stattdessen ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr machen – also zum Beispiel im sozialen Bereich oder in Pflegeeinrichtungen arbeiten.
Für eine solche Regelung müsste allerdings das Grundgesetz geändert werden. Dafür wäre eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag nötig. Overbeck sagte dazu, dass er eine Zusammenarbeit mit der AfD ablehnt.
Bischof aus Essen sorgt sich um Familien von Soldaten
Ein weiteres Thema sind laut Overbeck die Belastungen für Familien von Soldatinnen und Soldaten. Früher seien Familien bei Versetzungen oft mit umgezogen. Heute blieben viele Partnerinnen und Partner wegen ihrer Arbeit am Heimatort.
Das spiele auch beim geplanten Bundeswehr-Einsatz in Litauen eine Rolle. Dort sollen dauerhaft rund 5.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten stationiert werden. Overbeck glaubt nicht, dass viele Familien dauerhaft mitziehen werden.
Militärseelsorge begleitet Soldaten und Familien
In der Militärseelsorge gehe es deshalb oft um Probleme in Beziehungen und Familien. Besonders schwierig sei die Zeit nach längeren Auslandseinsätzen. Dann müssten sich viele Familien erst wieder an den gemeinsamen Alltag gewöhnen.
Nach Angaben Overbecks gehören Trennungen und Scheidungen zu den häufigsten Problemen bei Bundeswehrangehörigen. Deshalb seien neben der Seelsorge oft auch therapeutische Angebote wichtig. Franz-Josef Overbeck ist seit 2011 Militärbischof der Bundeswehr und gleichzeitig Bischof des Bistums Essen.