
Was ist das Problem mit der Gedenktafel in Essen?
In der evangelischen Friedenskirche in Steele hängt an einer Seitenwand im Kirchenschiff eine historische Gedenktafel. Darauf wird an sechs Soldaten aus der Region erinnert, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert gefallen sind. Fünf von ihnen haben im Deutsch-Französischen Krieg gekämpft. Der sechste Soldat ist "im Feldzug gegen die Herero" gestorben. Dass dieser Feldzug in Wahrheit ein Völkermord war, wird völlig ignoriert. Von 1884 bis 1915 war das Deutsche Reich Kolonialmacht im heutigen Namibia. Die Menschen vor Ort - die Herero und Nama - wurden in die Wüste geschickt, um zu verdursten und sie wurden in Konzentrationslager gesteckt. Schätzungsweise sind dabei 10.000 Menschen ermordet worden. Das Deutsche Reich wollte sich so seine Macht in der Kolonie sichern und sich weiter ausbreiten. Deutschland hat die Ereignisse erst 2021 als Völkermord anerkannt.
Immer wieder sprechen Kirchenbesucher die Gemeinde darauf an, dass die Tafel einen falschen Eindruck vermittelt, erzählt Petra Bernicke, Historikerin und stellvertretende Gemeindeleiterin. Und auch die Gemeinde selbst ist schon lange unglücklich mit der Tafel.
Was soll mit der Gedenktafel in der Friedenskirche in Essen passieren?
Klar ist für die Gemeinde in Essen: An der Tafel muss sich etwas ändern.
"Man darf gerade in der heutigen Zeit - muss man - sich um jedes Wort kümmern. Denn das Kümmern aktiviert ja auch den Blick in die Geschichte, sagt Petra Bernicke.
Ihr ist aber auch wichtig, dass die Gedenktafel in der Kirche hängen bleibt.
"Denn wir finden sie sehr wichtig, einmal für die Geschichte der Kirche. Wir meinen aber auch, dass diese Tafel ganz speziell eine Mahnung ist, die an die Folgen der Kriege erinnert."
Sie hofft, dass die Tafel den ein oder anderen wach rüttelt und daran erinnert, wie essentiell Frieden und Verständigung sind.
Wie kann ich bei der Gedenktafel in Essen mitreden?
Die Evangelische Kirchengemeinde Königssteele möchte, dass die Gemeindemitglieder mitentscheiden können, wie es mit der Gedenktafel weiter geht. Dazu hat sie eine Veranstaltungsreihe organisiert. Im März wurde schon ein Film gezeigt, der die Verbrechen des Deutschen Reichs im heutigen Namibia beleuchtet. Am Mittwoch, 29. April ist um 18 Uhr ein Diskussionsabend im Gemeindezentrum an der Friedenskirche. Da erzählt unter anderem ein Herero von seiner Kultur und es geht um Fragen der Wiedergutmachung. Voraussichtlich am 13. Mai soll ein Workshop sein, bei dem konkrete Lösungen für die Tafel besprochen werden. Wer sich einbringen und an den Terminen teilnehmen möchte, sollte sich vorher online anmelden.