
Warnstreik an Uniklinik Essen: Viele Operationen fallen aus
Am Uniklinikum Essen kommt es in dieser Woche erneut zu massiven Einschränkungen. Für Mittwoch und Donnerstag (21. und 22. Januar 2026) hat die Gewerkschaft Verdi zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Die Folge: Viele Operationen fallen aus.
Veröffentlicht: Dienstag, 20.01.2026 14:17
Warnstreik in Essen legt Uniklinik an zwei Tagen teilweise lahm
Am Uniklinikum Essen stehen Patientinnen und Patienten zwei schwierige Tage bevor. Am Mittwoch und Donnerstag, dem 21. und 22. Januar 2026, wird an der Uniklinik in Holsterhausen ganztägig gestreikt. Die Gewerkschaft Verdi hat Beschäftigte aus Pflege, Verwaltung, Technik, Service und weiteren Bereichen zum Warnstreik aufgerufen. Der Arbeitskampf beginnt mit der frühesten Frühschicht am Mittwochmorgen und endet mit der spätesten Nachtschicht in der Nacht auf Freitag.
Hintergrund ist der weiterhin ungelöste Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst der Länder. Nach zwei ergebnislosen Verhandlungsrunden sehen die Gewerkschaften keinen Fortschritt und wollen den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Für das Uniklinikum Essen bedeutet das spürbare Einschränkungen im laufenden Betrieb.
Rund jede zweite OP in Essen wird abgesagt
Nach Angaben des Uniklinikums Essen fällt während der beiden Streiktage rund jede zweite Operation aus. Das teilte ein Sprecher auf Radio-Essen-Nachfrage mit. Besonders betroffen sind sogenannte elektive Eingriffe. Dabei handelt es sich um planbare Operationen, die medizinisch notwendig sind, aber nicht sofort durchgeführt werden müssen. Für viele Patientinnen und Patienten sind diese Absagen trotzdem ein großes Problem. Oft warten sie monatelang auf einen OP-Termin, haben Urlaub genommen oder Angehörige organisiert. Verschiebungen bedeuten nicht nur organisatorischen Aufwand, sondern oft auch eine Verlängerung von Schmerzen oder Einschränkungen im Alltag.
Das Uniklinikum weist darauf hin, dass betroffene Patientinnen und Patienten direkt informiert werden. Trotzdem sorgt der Warnstreik bei vielen für Verunsicherung.
Essen: Verdi ruft Beschäftigte ausdrücklich zum Streik auf
Trotz der Arbeitsniederlegungen soll die medizinische Versorgung in Notfällen jederzeit gewährleistet bleiben. Das Uniklinikum Essen und die Gewerkschaft Verdi haben dafür eine verbindliche Notdienstvereinbarung geschlossen. Diese regelt, welche Stationen und Bereiche zwingend besetzt bleiben müssen. Dazu zählen insbesondere die Notaufnahme, Intensivstationen, die Versorgung Schwerstkranker sowie dringende medizinische Eingriffe. Die Einhaltung der Notdienstregelung ist für alle Streikenden verpflichtend.
Sowohl die Klinikleitung als auch Verdi betonen, dass die Patientensicherheit oberste Priorität habe – auch während des Arbeitskampfs.
Zum Warnstreik aufgerufen sind Tarifbeschäftigte, Auszubildende, Praktikantinnen und Praktikanten sowie dual Studierende am Uniklinikum Essen. Die Streikenden treffen sich ab 6 Uhr morgens im Streikzelt vor dem Verwaltungsgebäude der Uniklinik Essen. Dort finden Kundgebungen und Austausch unter den Beschäftigten statt.
Essen: Das fordern die Beschäftigten
Im Mittelpunkt des Arbeitskampfs stehen die Forderungen der Gewerkschaften in der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst der Länder. Verdi fordert:
- sieben Prozent mehr Entgelt, mindestens jedoch 300 Euro monatlich
- 200 Euro mehr im Monat für Auszubildende, Studierende und Praktikantinnen und Praktikanten
- eine unbefristete Übernahme von Auszubildenden und dual Studierenden
- eine Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten
Die Gewerkschaft begründet ihre Forderungen mit der hohen Inflation der vergangenen Jahre, gestiegenen Lebenshaltungskosten und einer zunehmenden Arbeitsbelastung - besonders im Gesundheitswesen. Beschäftigte berichten von Personalmangel, hoher Verantwortung und zunehmendem Druck im Klinikalltag. Viele sehen die Tarifrunde als entscheidend dafür, ob der öffentliche Dienst langfristig attraktiv bleibt.
Arbeitgeber lehnen Forderungen als unbezahlbar ab
Die Länder-Arbeitgeber, vertreten durch die Tarifgemeinschaft deutscher Länder, halten die Forderungen der Gewerkschaften für nicht finanzierbar. Sie sprechen von Mehrkosten in Höhe von rund 12,6 Milliarden Euro, sollte das Forderungspaket vollständig umgesetzt werden. In der vergangenen Verhandlungsrunde Mitte Januar boten die Länder eine Lohnerhöhung knapp oberhalb der erwarteten Inflation an - allerdings bei einer Laufzeit von 29 Monaten. Aus Sicht der Gewerkschaften bedeutet das einen Reallohnverlust, da steigende Lebenshaltungskosten nicht ausreichend ausgeglichen würden. Die Arbeitgeber verweisen dagegen auf angespannte Haushaltslagen in den Ländern und mahnen zur Zurückhaltung.
Weitere Streiks in Essen möglich
Der Warnstreik an der Uniklinik Essen könnte erst der Anfang sein. Verdi hat bereits angekündigt, die Arbeitskampfmaßnahmen auszuweiten, sollte es bis zur nächsten Verhandlungsrunde Mitte Februar 2026 keine Einigung geben. Als einer der wichtigsten medizinischen Versorger im Ruhrgebiet mit mehr als 350.000 stationär und ambulant behandelten Patientinnen und Patienten pro Jahr hat das Uniklinikum Essen eine zentrale Bedeutung. Entsprechend groß sind die Auswirkungen eines Streiks - nicht nur für Essen, sondern für die gesamte Region. Wie es weitergeht, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden.