
Was ist "Machet jut" in Essen?
Was ist mir im Leben wirklich wichtig? Was möchte ich unbedingt erleben, bevor ich sterbe? Und wie soll überhaupt meine Beerdigung aussehen? Brauche ich eine Patientenverfügung oder ein Testament? Solche Fragen schieben wir gerne auf, bis sie uns einholen - zum Beispiel weil die eigenen Eltern älter werden oder sterben. Auf all diese Fragen gibt es aber Antworten und für die sollen bei "Machet jut" Impulse enstehen. Die evangelische Segensagentur Segen 45 und die Neue Insel in Steele als Diakonie-Tochter veranstalten deswegen einen Info- und Workshoptag zu Vorsorge, Tod und Trauer. Der ist am Sonntag, 11. Oktober zwischen 11 und 18 Uhr auf dem Gelände der Neuen Insel in Steele. Dort können alle - egal welches Alter - spontan vorbei kommen und sich kostenlos informieren.
Pfarrerin Jule Gayk weiß, dass der Tod kein einfaches Thema ist. Sie glaubt aber, dass es eine große Sehnsucht danach gibt, sich mit den grundlegenden Fragen des Lebens und Sterbens zu beschäftigen. Es erweitert den Horizont, muss gar nicht traurig oder düster sein und:
"Es ist viel Hilflosigkeit bei dem Thema und manchmal, nicht immer - Vorsorge ist nicht alles - aber manchmal kann das auch helfen für einen selber oder für die Angehörigen."
Welche Aktionen sind bei dem Info- und Workshoptag geplant?
Die Angebote des Info- und Workshoptags in Essen erinnern ein wenig an eine Hochzeitsmesse - nur eben für Beerdigungen. Denn:
"Nicht jede oder jeder heiratet, aber mit dem Tod - mit dem werden wir alle irgendwann zu tun haben", sagt Pfarrerin Jule Gayk.
Bestatterinnen und Trauerredner zeigen ihre Arbeit und ihre Angebote an Ständen. Dabei wird es auch interaktiv, Ihr könnt zum Beispiel in einem Sarg probeliegen. Floristen sind da, eine Tierbestatterin, eine Tätowiererin, aber auch Fachleute zur Organspende. Es gibt Kurzvorträge zu Patientenverfügungen und Erbschaften, aber auch Kreatives. So sind Stationen aufgebaut, an denen Ihr überlegen könnt, welche Songs auf Eurer Beerdigung gespielt werden sollen oder wie Euer Sarg oder Eure Urne aussehen könnte. Außerdem gibt es einen Workshop für alle, die aktuell trauern und sich kreativ mit dieser Trauer auseinandersetzen wollen. Wer dort mitmachen will, muss sich anmelden und zehn Euro zahlen. Mehr Infos dazu gibt es hier. Ab 16 Uhr ist ein Benefizkonzert mit zwei Essener Künstlern. Die Spenden kommen jeweils zur Hälfte dem KinderPalliativNetzwerk Essen und der Bestattungsarbeit von Segen 45 zugute. Generell sind überall auf dem Gelände Seelsorgerinnen und Seelsorger, mit denen Ihr ins Gespräch kommen könnt, etwa wenn es Euch nicht so gut geht.
Trauer in Essen: Wie gehe ich damit um?
Nicht nur der Tod, auch Trauer trifft jeden früher oder später. Weil jemand gestorben ist, es eine Trennung gab oder eine andere Art von Abschied. Pfarrerin Jule Gayk hat für alle, die aktuell trauern nur einen einzigen Ratschlag: Seid lieb zu Euch!
"Ganz oft nehmen Leute irgendwie Kontakt auf zu uns, weil sie sagen: Das ist jetzt doch schon drei Monate her und ich bin immer noch so fertig. Ja, das ist okay, das ist normal, das darf so sein. Und es darf auch sein, dass man nicht weint, oder dass man lacht, oder dass man Party machen geht."
Phasen der Trauer seien verwirrend und sie dauerten so lange wie sie dauerten. Wer mit einer Person befreundet ist, die gerade trauert, sollte deswegen geduldig sein und sich nicht zurück ziehen.
"Geh einfach auf die Person zu, sag: Ich bin für dich da. Tu vielleicht auch mal was ganz Praktisches, back ihr vielleicht einen Kuchen oder so. [...] Und gib den Menschen auch die Möglichkeit was zu erzählen, zum Beispiel über die Person, von der sie Abschied nehmen mussten."