
Wohnungslose Menschen in Essen: Menschen mit Herz, Liebe und Respekt
Es ist viertel nach acht an einem Montagmorgen in der Suppenküche in Essen. Helga Lörinc schmiert Margarine auf Brotscheiben. Eine nach der anderen - schnell, aber sorgfältig. "Das darf nicht zu viel Margarine sein, weil das ist zu fett dann, sagen die immer. Aber ein bisschen Kalorien muss doch sein...", sagt sie und lacht. "Die" - das sind ihre Gäste. So nennt sie die Wohnungslosen, die die Suppenküche aufsuchen. Viele von ihnen sind psychisch krank oder durch Schicksalsschläge traumatisiert und ohne Unterstützung von Familie oder Freunden.
"Viele haben so Vorurteile gegen wohnungslose Menschen, dass die schmutzig sind und so. Aber die sind einfach auch nur Menschen mit Herz, mit Liebe und Respekt. Wirklich, das finde ich schade, dass das nicht alle Menschen so sehen", sagt Helga.
Die Suppenküche sei ein guter Ort, um sich vom Gegenteil zu überzeugen und wohnungslose Menschen besser kennenzulernen.
"Ich kriege von denen jeden Tag so viele tolle Wörter, unheimlich viel Respekt, und natürlich schöne Gespräche."
Seit 2017 arbeitet Helga für den Caritasverband für die Stadt Essen. Sie ist die einzige Festangestellte in der Suppenküche und kümmert sich vor allem darum, dass immer genug Essen auf dem Tisch steht.
Essen für Suppenküche wird gespendet
Jeden Morgen gibt es Frühstück in der Suppenküche in Essen. Dafür braucht Helga rund 15 ganze Brote. Der Großteil davon, und auch sowas wie Aufschnitt, kommt von der Tafel. Ordensschwestern und Privatpersonen spenden und manchmal muss Helga noch etwas dazu kaufen. Das Mittagessen liefert die Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung aus Steele. Es wird also nicht vor Ort in der Suppenküche gekocht, sondern nur dort ausgegeben.
Das Frühstück ist kostenlos für die Wohnungslosen, der Kaffee kostet 33 Cent und das Mittagessen 1,10 Euro. "Das ist mehr so ein symbolischer Preis", erklärt Helga Lörinc. Der gibt den Wohnungslosen das Gefühl nicht nur Almosen zu bekommen, sondern etwas beizutragen für ihr Essen. Außerdem muss die Suppenküche selbst zusehen, dass ihre Kosten gedeckt werden.
Suppenküche in Essen funktioniert nur dank Ehrenamtlicher
Deswegen ist es gut, dass Menschen kostenlos in der Suppenküche in Essen arbeiten. Alles vorbereiten und ausgeben kann Helga nicht alleine. Schließlich hat die Suppenküche, seit sie an ihrem neuen Standort an der Steeler Straße in der Innenstadt ist, 365 Tage im Jahr geöffnet - auch am Wochenende und an Feiertagen. 14 Ehrenamtliche helfen, eine von ihnen ist Subarna. Sie kommt jeden Montag.
"Guten Morgen! Bitteschön!", sagt sie und lächelt den Mann vor ihr an. Er steht auf der anderen Seite des geöffneten Fensters, im Speiseraum. Ein Brot mit Käse und eins mit Mortadella hätte er gerne. Also zwei Butterbrote - genauso viele sind erlaubt. Wer möchte, darf sich aber später noch einmal anstellen. Subarna legt die Brote mit einer Küchenzange auf einen Teller und hält ihn ihm entgegen. "Eistee oder Joghurtdrink?", fragt sie. Eistee soll es werden. Sie gießt ihn in einen Becher, reicht ihn rüber und sagt "Guten Appetit!" Dann kommt schon der nächste Gast, Subarna hat viel zu tun.
Mehr als Essensausgabe: Suppenküche als Wohlfühlort
Rund 60 Menschen besuchen die Suppenküche in Essen an einem Tag. Viele kommen mehrmals. Nicht nur zum Essen, auch um sich etwas auszuruhen vom Lärm der Straße. Seit September 2025 ist die Suppenküche an der Steeler Straße. Vorher war sie in der Kirche St. Gertrud, die wurde aber verkauft und zu einer Kunsthochschule. Jetzt, im Kolpinghaus an der Steeler Straße, ist die Suppenküche mit dem Tagesaufenthalt für Wohnungslose verbunden. Die Räume sind größer und heller. Es gibt Schließfächer, um Dinge aufzubewahren und eine Waschmaschine, in der die Wohnungslosen ihre Wäsche waschen können. Es gibt Beratungsangebote, zum Beispiel medizinische, und das Angebot jeden Mittwoch Gesellschaftsspiele zu spielen. Helga Lörinc glaubt, dass die Wohnungslosen lieber zum neuen Standort kommen und sich dort wohler fühlen. Besonders im Winter waren mehr Gäste da als früher.
"Diese Menschen sind jeden Tag draußen, wenn es regnet, wenn es kalt ist, wenn die Sonne knallt. Da kommen sie hier her und brauchen es auch mal, sich ein bisschen wie zu Hause zu fühlen. Dann versuchen wir für jeden Mensch ein Ohr zu haben", sagt Helga Lörinc.
Auch Subarna findet, dass die Suppenküche viel mehr ist als nur eine Essensausgabe.
"Es ist den Menschen ein Gefühl von Geborgenheit zu geben und dass sie hier gesehen werden."
So könnt Ihr der Suppenküche in Essen helfen
Damit die Suppenküche weiter arbeiten kann, ist sie auf Spenden angewiesen. Wer helfen möchte, kann das hier tun.
Spendenkonto:
Caritasverband für die Stadt Essen e.V.
Bank im Bistum Essen
IBAN DE17 3606 0295 0000 0055 50
Bitte im Verwendungszweck "Suppenküche" angeben.
Das Team der Ehrenamtlichen ist aktuell gut gefüllt. Wer Interesse daran hat mitzuhelfen, kann sich aber trotzdem melden, bei Helga Lörinc (h.loerinc@caritas-e.de) oder Stephan Knorr (s.knorr@caritas-e.de).
