
Spielentwickler aus Essen bringt seine Retro-Videospiele auf die gamescom
Von Essen auf die gamescom in Köln: Heute (26. August) startet die größte Videospielmesse der Welt - und ein Mann aus Essen hat dort einen ganz besonderen Stand. Gerd Surey entwickelt Videospiele für einen Computer, der fast 40 Jahre alt ist - den Commodore Amiga 500.
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In Essen entstehen neue Spiele für alte Technik
Auf Gerd Sureys Rechner in Essen flimmern bunte Pixel. Aber es ist kein gewöhnlicher Rechner, sondern ein 40 Jahre alter. In dem alten Zimmer seiner Tochter in Essen-Katernberg stehen gleich mehrere davon. Vor den Computern liegen verschiedene, bunte Joysticks. Ein bisschen kommt man sich hier vor, wie auf einer Zeitreise. Für Gerd Surey ist es aber ganz aktuell: Er programmiert neue Spiele für die alte Hardware des Commodore Amiga 500. Unter dem Namen „HooGames2017“ hat er schon mehrere Spiele veröffentlicht. Und die stellt er jetzt auf der gamescom aus, die von Mittwoch (26. August) bis Sonntag (30. August) in Köln stattfindet.
Warum entwickelt ein Mann aus Essen Spiele für alte Computer?
Für Gerd Surey aus Essen machen die Grenzen des alten Computers den Reiz aus. Denn der Amiga 500 kann aus heutiger Sicht nicht besonders viel. Der Rechner kam 1987 auf den Markt und hat gerade einmal ein Megabyte Arbeitsspeicher - dass das nicht viel ist, wissen sogar nicht so technikaffine Menschen. Für Surey ist das eine Herausforderung, der er sich gerne stellt. Jede Grafik, jeder Sound und jede Funktion muss mit den begrenzten Möglichkeiten der alten Hardware auskommen. Im Hauptberuf arbeitet Surey bei der Stadtverwaltung Essen. Das Programmieren ist sein Hobby – oder, wie er selbst sagt, Entspannung. Und weil er selbst aus dem Ruhrgebiet kommt, hat ihn das auch schon für eins seiner Spiele inspiriert:
Erinnerungen an die 90er-Jahre in Essen
Auch beim Spielen selbst schätzt er die Einfachheit. Rechner anschalten, Diskette einlegen und loslegen. Es gibt keine langwierigen Updates und keine Wartezeit. Das Spielgefühl ist für Surey eng mit den Erinnerungen an die 90er verbunden. Damals habe er immer bei seinem Onkel auf dem Amiga gespielt. Und diese Zeit liegt wieder voll im Trend: Viele Menschen sehnen sich nach einer Zeit zurück, in der gefühlt noch alles entspannter war und man nicht ständig online sein musste.
"Das ist die gute alte 90er Zeit. Man hat Computer gehabt, man ist aber auch raus gegangen. Da hat man das Persönliche noch, weil man früher die ganzen Computer mitgeschleppt hat. Meine Mutter fand das nicht so toll. Da hat man sich dann hingesetzt und hat dann miteinander gespielt, aber auch gesprochen. Und das hat man auch bei dem Amiga so. Das heißt, man trifft sich halt, man redet wieder wie früher. Und, wie gesagt, dieses Entschleunigte. Man lässt das Smartphone mal weg. Man macht halt die alte Hardware an und man hat diese unzähligen Updates nicht mehr für die neuen Spiele. Es knattert kurz, drei Sekunden später kann man spielen."
Von Essen aus gehen die Spiele um die Welt
Und werden Gerd Sureys Spiele nur in Essen gespielt? Nein, sondern auch in England, Frankreich oder Amerika. Die internationale Nachfrage hat ihn nach eigener Aussage selbst überrascht. Dabei geht es den Fans offenbar nicht nur darum, die Spiele zu spielen. Viele möchten sie auch besitzen. Deshalb gibt es Sureys Spiele inzwischen nicht nur digital zum Download, sondern auch auf Diskette. Obwohl Disketten eigentlich nicht mehr hergestellt werden. Gerd Surey hatte aber Glück und hat einen Mann in Deutschland gefunden, der noch einen beachtlichen Vorrat habe und seine Spiele nun vertreibt.
Videospiel-Community aus Essen und weltweit
Was in Essen begonnen hat, bekommt jetzt eine große Bühne auf der gamescom in Köln. Gerd Surey hat dort seinen eigenen Stand im Retro Bereich in der Halle 10. Dort könnt Ihr seine Spiele auf originalen Computern ausprobieren. Für ihn geht es bei der Messe aber nicht nur darum, seine Spiele zu zeigen. Besonders wichtig ist ihm der Kontakt zu den Menschen, die seine Games spielen. Früher habe er auch Spiele für andere Softwares entwickelt. Beim Amiga sei der persönliche Austausch mit der Community aber viel größer. Viele Fans kennt Gerd Surey inzwischen persönlich – genau das findet er schön. Ab und an treffe er auch Entwickler, von denen er selbst Spiele in der Kindheit gespielt habe. Die Vorfreude auf die kommenden Tage ist also groß.


