
Warum soll in Essen bei den Theatern gespart werden?
Der Betrieb von Theater und Philharmonie (TuP) in Essen kostet die Stadt viel Geld. Die Stadt muss jedes Jahr mehr und mehr Geld zuschießen. Die Stadt hat aber kein Geld. Die Kapitalreserve der TuP ist praktisch aufgebraucht. Die Politikerinnen und Politiker haben deshalb beschlossen, dass sich eine Beratungsfirma den Betrieb der TuP ansehen und analysieren soll, wo gespart werden und wie die Einnahmen gesteigert werden können. Das Ergebnis dieser Analyse der Beratungsgesellschaft actori GmbH liegt jetzt vor. Die Berater haben festgestellt, dass die Stadt in den nächsten Jahren immer mehr und mehr Geld für die TuP bereitstellen muss, wenn nicht gespart wird. Nach rund 20 Gesprächen mit Vertretern der TuP und aus der Stadt haben die Berater festgestellt, dass die Oper, die Essener Philharmoniker, das Schauspiel und das Aalto Ballett Theater feste Bestandteile im Kulturleben der Stadt sind. Politikerinnen und Politiker lehnen es ab, dass eine der Sparten der TuP geschlossen wird. Es muss also nach anderen Einsparmöglichkeiten gesucht werden.
Wie kann in Essen beim Theater und in der Philharmonie gespart werden?
Die Experten haben für Essen einen ganzen Katalog an Vorschlägen ausgearbeitet. Die TuP soll eine klare Vision entwickeln und sich klarere Ziele setzen, sagen sie. Es sollen mehr junge Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund angesprochen und ins Theater gelockt werden. Dazu muss der Zugang zu den Tickets einfach werden. Es gibt bereits Online-Tickets, aber es gibt keine App, um Tickets zu buchen oder sich den Spielplan anzusehen. Auch die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Sparten soll verbessert werden. Dabei geht es um bessere Arbeitsprozesse, den Informationsfluss und Wissensmanagement. Zusätzlich soll ein System zur Abrechnung eingeführt werden, damit sich die Budgets für die einzelnen Produktionen besser planen lassen und die Risiken verringert werden. Eine weitere neue Spielstätte im ehemaligen Club Naked an der Rottstraße soll nicht mehr eröffnet werden.
Wo soll in Essen im Theater gespart werden?
Die Theater in Essen sollen das Programm anders gestalten und mehr Vorstellungen mit dem gleichen Personal anbieten. Dazu gehören Wiederaufnahmen von Stücken, dafür soll es nicht mehr so viele neue Produktionen geben. Damit könnten 1,3 Millionen Euro eingespart werden. Wenn die Theater mehr Tickets verkaufen würden, könnten sie 2,4 Millionen Euro mehr einnehmen. Die Räume im Aalto, in der Philharmonie oder im Grillo könnten für andere Veranstaltungen vermietet werden, davon versprechen sich die Experten Einnahmen in Höhe von 680.000 Euro. Beim Personal könnte eine halbe Million Euro eingespart werden. Mit einem betrieblichen Gesundheitsmanagement und besserer Zeitwirtschaft könnten 1,7 Millionen Euro eingespart werden, so die Experten. Außerdem soll Energie in Höhe von 100.000 Euro eingespart werden. Allein diese Einsparungen würden aber nicht ausreichen, um das Defizit bei der TuP dauerhaft zu schließen. Erste Sparmaßnahmen werden schon umgesetzt. Alle Werkstätten der TuP werden an einen Ort nach Bergeborbeck verlagert. Damit fallen Wege weg und die Arbeitsbedingungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden besser.
Welche Vorschläge haben die Experten für die Theater in Essen?
Die Experten haben für Essen drei Szenarien entwickelt. Beim ersten Szenario werden einige Stellen sozialverträglich abgebaut, es gäbe keinen starken künstlerischen Einschnitte. Es würde aber weniger neue Produktionen geben und die Stücke würden länger laufen, damit würden die Kosten für den Probenbetrieb gesenkt. Dabei würde die Stadt aber weiter mehr und mehr Geld zuschießen müssen.
Beim zweiten Szenario soll der Spielbetrieb um etwa ein Viertel der Vorstellungen in allen Sparten reduziert werden. Damit gäbe es auf Dauer weniger Arbeit für alle Bereiche und zahlreiche Stellen würden nach und nach gestrichen. Dabei würde allerdings auch das kulturelle Bildungsangebot in der Stadt deutlich reduziert werden. Es besteht das Risiko, dass weniger Gäste kämen und das Image der TuP würde leiden. Hier würden die Zuschüsse bis zur Spielzeit 2030/31 auf das gewünschte Niveau sinken.
Das dritte Szenario sieht eine Schließung des Schauspiels vor. Das Grillo-Theater und im ADA würden nur noch Gastvorstellungen stattfinden. In den anderen Sparten müsste alles wie im ersten Szenario optimiert werden. Sponsoring und Fundraising müssen ausgebaut werden und die Räume öfter vermietet werden. Die TuP würde so aber das Schauspiel verlieren. Der umfangreiche Stellenabbau könnte das Arbeitsklima belasten. Auch mit diesem Szenario wird die finanzielle Lücke nicht vollständig geschlossen.