
Wie werden in Essen Kinder in der Tagespflege betreut?
Ins Mäusenest in Essen kommen jeden Morgen die Eltern und bringen ihre Kinder zu Katja Porsch und Sandra Reinerf. Nacheinander kommen alle an, dann setzen sich alle zusammen im Kreis auf den Teppich, singen das Begrüßungslied und danach liest eine der Erzieherinnen ein Buch vor. So startet der Tag für die Kinder erst einmal in Ruhe. Danach gibt es Frühstück. Katja Porsch und Sandra Reinerf haben sich ganz bewusst entschieden, eine Tagespflege aufzumachen für Kinder zwischen einem und drei Jahren. Die Kinder sind in einem Alter, in dem sie langsam sprechen und laufen lernen. Zusammen gehen sie so oft es geht nach draußen zum Spielen. Wenn das Wetter mal schlecht ist, bauen sie für die Kinder einen großen Bewegungsparcours auf. In der Wohnung an der Mathilde-Kaiser-Straße in Huttrop ist alles da, was die Kinder brauchen. Für jedes der neun Kinder gibt es ein Bett, einen Wickeltisch und in der Küche den großen Esstisch. Katja Porsch und Sandra Reinerf erzählen Radio Essen-Stadtreporterin Anna Bartl, was sie mit den Kindern machen und wie sie die Eltern mit einbeziehen.
Warum machen sich in Essen Tagesmütter Sorgen?
Die beiden Tagesmütter aus Essen machen sich Sorgen, weil immer weniger Kinder zur Welt kommen und damit auch weniger Eltern einen Betreuungsplatz für ihre Kinder suchen. Für die beiden Erzieherinnen lohnt sich die Tagespflege für neun Kinder aber nur, wenn auch alle Plätze belegt sind. Wenn sie immer weniger Kinder haben, die sie betreuen, bekommen sie auch weniger Geld von der Stadt und können irgendwann die Kosten für Miete, Versicherungen und andere Nebenkosten nicht mehr bezahlen, erklären sie Radio Essen-Stadtreporterin Anna Bartl. Beide waren früher Kinderkrankenschwestern, wollten aber schon immer gern Erzieherinnen werden und haben nebenbei eine Fortbildung gemacht. Vor sechs Jahren dann haben sie sich als Tagesmütter selbstständig gemacht und das Mäusenest in Huttrop aufgemacht. Eigentlich ist ihr Plan bis zur Rente als Erzieherinnern zu arbeiten. Langsam haben sie aber Angst, ob ihr Plan auch aufgeht. Noch melden genügend Eltern ihre Kinder in der Tagespflege an. Hier werden vor allem die ganz Kleinen gut betreut. Die Atmosphäre ist familiär. Aber auch immer mehr Kitas bieten die Betreuung für unter Dreijährige an, ärgern sich beide Tagesmütter. Vor sechs Jahren hat die Stadt noch viel Werbung für Tagesmütter gemacht, heute nicht mehr, sagen sie im Radio Essen-Interview weiter.
Wie reagieren in Essen Kita-Träger?
Bei den Kita-Trägern in Essen machen sich auch immer mehr Sorgen breit. Beim Kinderschutzbund gibt es inzwischen in den Kitas immer wieder freie Plätze. Ein freier Kita-Platz kostet den Kinderschutzbund etwa 10.000 Euro im Jahr, erklärt Axel Bitterlich vom Kinderschutzbund im Gespräch mit Radio Essen. Die Kosten bleiben aber konstant, das bedeutet, auch hier müssen die Träger überlegen, wie sie ihre Kitas und das Personal weiter finanzieren können. Der Kinderschutzbund schließt bald eine Kita in Karnap. Das hat zum einen den Grund, dass es in Karnap ausreichend Kita-Plätze gibt und zum anderen konnte sich der Kinderschutzbund mit dem neuen Eigentümer des Gebäudes nicht auf einen Mietvertrag einigen. Ein weiterer Grund für das Problem ist, dass es in NRW keine Kita-Pflicht gibt. Wenn alle Eltern verpflichtet wären, ihre Kinder in die Kita zu bringen, wäre die Situation auch anders, sagt Axel Bitterlich weiter. Das wäre gut für die Kinder. Die Stadt setzt deshalb jetzt Kita-Lotsen ein, um Eltern zu überzeugen, dass ihre Kinder in der Kita gut aufgehoben sind.
Bei der AWO ist die Lage noch stabil, erklärt AWO-Geschäftsführer Oliver Kern im Gespräch mit Radio Essen. Dort sind alle 300 Plätze bei den Tageseltern belegt. Es sind gerade einmal fünf Plätze frei. Auch die Plätze in den Kitas seien alle ausgelastet. Damit sei man sehr zufrieden. Allerdings wird sich auch hier in den nächsten Jahren immer wieder etwas ändern. Kleinere und ältere Kitas zum Beispiel werden eher geschlossen, weil Eltern ihre Kinder lieber in neue Kitas bringen. Aber auch bei der AWO wird gerechnet, wie hoch die Betriebskosten für die Kitas sind und wie viel Geld reinkommt.
Beim Kita-Zweckverband waren im Frühjahr 100 Plätze in den 59 Kitas in Essen frei. Gerade wird neu gerechnet. Wenn weniger Kinder da sind, braucht der Kita-Träger auch weniger Personalstunden, sagt Verena Kleine Holthaus vom Kita-Zweckverband. Das könne sie im Moment aber noch gut auffangen, sagt sie. Sie hofft, dass in Zukunft neue Chancen genutzt werden können, wenn weniger Kinder in der Kitas betreut werden und die Bundesregierung mehr Mittel für die Bildung der Kinder zur Verfügung stellen kann.
Wie fängt die Stadt Essen die Kosten der Kita-Träger auf?
Die Stadt Essen will die freien Kita-Träger auch weiterhin finanziell unterstützen. Für das Kita-Jahr 2027/28 plant die Stadt bereits 18 Millionen Euro ein und für das Kitajahr 2028/29 18,5 Millionen Euro. Die Politikerinnen und Politiker sollen im Rat der Stadt Anfang Juli darüber abstimmen. Die Kita-Träger schließen dann einen neuen Vertrag mit der Stadt Essen. Dabei verpflichten sie sich unter anderem ihre Kita-Plätze online über das Portal "Little Bird" anzubieten. Außerdem sollen sie nicht bereits vor dem jeweiligen Stichtag ihre Kita-Plätze anbieten. Die Kita-Träger müssen außerdem nachweisen, dass sie auf die finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Die Stadt will außerdem trotz freier Kita-Plätze weitere Kitas bauen oder bauen lassen. Es gibt immer noch Stadtteile, in denen es zu wenig Kita-Plätze gibt. Laut Plan der Stadt Essen fehlen zum Ende des laufenden Kita-Jahres 672 Kita-Plätze für über dreijährige Kinder.
Manche Eltern glauben, dass sie ihr Kind besser schon in eine Kita bringen sollten, wenn es unter drei Jahre alt ist, weil sie fürchten, dass sie danach keinen Kita-Platz bekommen könnten. Diese Annahme könnte weiteren Tagesmüttern ihre Existenz kosten, sorgen sich die beiden Frauen aus dem Mäusenest in Huttrop.
Wie ist in Essen die Lage bei den Bereuungsplätzen aktuell?
Im Juli meldet die Stadt Essen 249 freie Betreuungsplatz in 68 Kitas. In der Kindertagespflege sind 390 Plätze frei. Die Plätze sind ab dem 1. Juli oder ab dem 1. August verfügbar. Zum Ende des Kita-Jahres 2026/27 werden voraussichtlich 23787 Plätze insgesamt zur Verfügung stehen. Die Versorgungsquote für Kinder über drei Jahre liegt damit bei 96,7 Prozent und für Kinder unter drei Jahren bei 40,8 Prozent. Die Stadt veröffentlicht einmal im Monat die freien Betreuungsplätze. So haben Eltern immer den Überblick. Für die Anmeldung eines Kindes bittet die Stadt darum, die Online-Plattform Little Bird zu nutzen.

