Radio Essen: Der Corona-Talk mit Oberbürgermeister Thomas Kufen

Macht der Oberbürgermeister Home-Office? Hat die Stadt jetzt nichts Besseres zu tun, als weiter Knöllchen zu verteilen? Kontrolliert das Ordnungsamt Verstöße gegen das Kontaktverbot? Oberbürgermeister Thomas Kufen hat in einer Talksendung am 26.03.2020 Eure Fragen beantwortet.

Coronavirus: Sondersendung bei Radio Essen mit Oberbürgermeister Thomas Kufen
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Stadtverwaltung Essen arbeitet wegen Corona im Krisen-Modus

Die Stadtverwaltung hat auf Krisenmodus umgeschaltet und arbeitet inzwischen auch schon ganz viel mit Telefon- und Videokonferenzen. Viele Beschäftigte sind im Home-Office, die Aufgaben werden aber weiter bearbeitet. Die Stadtverwaltung funktioniert weiterhin, sagt Oberbürgermeister Thomas Kufen. Die Krise sei ohne Beispiel und man lerne jeden Tag dazu.

Auch in der Politik stehe man im Moment eng zusammen: Die Hauptausschuss-Sitzung, die gestern die eigentlich geplante Stadtrats-Sitzung ersetzt hat, habe ohne größere Auseinandersetzungen wichtige Entscheidungen getroffen. Sollte Thomas Kufen selbst in Quarantäne müssen, werde das schon funktionieren, auch wenn es noch keine genauen Pläne für diesen Fall gibt. Telefonkonferenzen gingen auch von Zuhause. Viele Termine seien sowieso abgesagt und er arbeite viel in seinem Büro und habe nicht so viel Kontakt zu anderen Menschen wie sonst. Auch seinem Fahrer habe er frei gegeben.

Thomas Kufen nutzt die Corona-Zeit, damit in den Schulen und Kitas Bauprojekte angegangen werden. Vor allem kleinere Aufträge könne man jetzt schnell und unkompliziert vergeben und so auch die Essener Handwerker unterstützen. Für größere Maßnahmen müssten aber immer Pläne gemacht werden und diese Arbeiten könne man nicht einfach vorziehen. Großes Lob hat der Oberbürgermeister für die Auszubildenden der Stadt, viele arbeiten gerade auch am Wochenende oder sitzen am Bürgertelefon.

Kritik gab es von einigen Hörern am Essener Ordnungsamt: Warum wird weiter geblitzt und warum gibt es weiterhin Parkknöllchen? Hat die Stadt nichts Besseres zu tun? Für diese Einstellung hat Oberbürgermeister Thomas Kufen wenig Verständnis: Wer meint, jetzt rasen zu können, weil die Straßen leerer sind, der müsse auch weiterhin geblitzt werden. Und es sei doch auch ein gutes Gefühl, dass die Stadt weiterhin funktioniere. Es würde aber weniger Personal als sonst den Straßenverkehr beobachten. Gerade jetzt sei es generell wichtig, dass Regeln eingehalten werden.

Thomas Kufen geht auf dem Weg von der Arbeit nach Hause regelmäßig selbst einkaufen und ist Kunde in verschiedenen Supermärkten. Er mache keine Hamsterkäufe und habe immer etwas Leckeres gefunden. Die Bilder von respektlosen Pöbeleien aus dem Internet könne er nicht bestätigen. Die Verkäufer machten einen tollen Job und die Menschen gingen fair miteinander um. Leere Regale gebe es schon, das sei aber kein Grund doppelt und dreifach einzukaufen. Die Macht der Bilder im Internet sei ohne Beispiel. Er sei genug für alle da: „Es scheint, als ob manche glauben, dass man sich mit Klopapier gegen das Coronavirus schützen kann.“

Warum es an Bahnhöfen keine Pflicht für Mundschutz und Handschuhe gibt, wollte ein Hörer wissen. Die normalen Regeln wie Händewaschen und Abstand halten, seien sinnvoller als ein verrutschter Mundschutz, der Sicherheit vorgaukele, meint Thomas Kufen.

Corona in Essen: Ordnungsamt kontrolliert Kontaktverbot

Das Ordnungsamt hat Personal aufgestockt, um die Kontaktverbote zu kontrollieren und daran zu erinnern. Weil alles noch neu ist, gehe man mit sehr viel Fingerspitzengefühl vor. Die meisten Angesprochenen reagierten sehr verständnisvoll und gingen auseinander. Seit Anfang der Woche seien aber auch elf Ordnungsverfahren ausgesprochen worden. In einem Fall habe ein Kioskbesitzer Tische aufgebaut und draußen Essen ausgegeben. Das habe 4000 € Strafe gekostet. Bei Gewerbetreibenden schaue man genau hin. Ob die Strafen hoch genug sind, müsse man sehen. Es gehe jetzt darum, Erfahrungen zu sammeln. Er erlebe sehr viel Vernunft und Verständnis bei den Essenern.

Thomas Kufen macht sich Sorgen um die Essener Wirtschaft: Welche Schäden entstehen, könne er noch nicht abschätzen. Wann die Geschäfte wieder öffnen können, sei auch noch nicht klar. Es gehe darum, gefährdete Menschen vor dem Virus zu schützen. Sonst komme es zu einer Überforderung des Gesundheitssystems. Ob das Kontaktverbot wirksam genug sei, könne man erst in 14 Tagen sagen. Das sei für viele Unternehmen eine ganz lange Durststrecke. Die Soforthilfen von Bund und Land müssen dringend kommen, hätten ihm mehrere Unternehmen deutlich gemacht. Er sei froh, dass das jetzt anläuft. Das Kurzarbeitergeld müsse außerdem erhöht werden. Nach der Krise müsse man die Wirtschaft schnell wieder hochfahren können. In Essen gebe es ein gutes Miteinander, die Essener Wirtschaftsförderung berate die Unternehmen in unserer Stadt.

Und was ist nach Corona? Thomas Kufen setzt auf einen Impfstoff, daran werde weltweit mit Hochdruck gearbeitet. Die Corona-Krise gehe gerade erst los. Man müsse klug, klar und entschieden handeln. Angst sei dagegen ein schlechter Begleiter.

Hier könnt Ihr die Sendung in voller Länge nachhören:

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Bei Radio Essen versorgen wir Euch mit allen wichtigen Informationen, damit Ihr Euch selbst ein Bild zum Coronavirus in Essen machen könnt. Dabei berichten wir so sachlich und neutral wie möglich und bilden alle möglichen Perspektiven ab. Wir sprechen mit Experten und berichten über deren Einschätzungen – besorgniserregende und beruhigende. Wir ordnen die Fakten ein, rahmen sie mit Vergleichszahlen sofern möglich, und bemühen uns Zusammenhänge zu erklären. So könnt Ihr Euch selbst eine Meinung bilden. Zuletzt hatten wir auch schon eine Sondersendung mit einem Arbeitsrechtler und eine Sondersendung mit dem Gesundheitsamt und dem Virologen der Uniklinik.

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