
Notfallseelsorgende in Essen helfen in Krisensituationen
Der Ehemann stirbt plötzlich, der Sohn verunglückt bei einem Autounfall, und die Ersthelferin konnte ein Baby nicht mehr reanimieren. All diese Situationen passieren immer wieder in Essen. Sie lassen die Betroffenen geschockt, wütend oder traurig zurück. Helfen können Notfallseelsorger und Notfallseelsorgerinnen. Sie werden direkt nach dem Todesfall in das Haus der Angehörigen gerufen. Sie begleiten die Polizei dabei, wenn diese eine Todesnachricht überbringt. Und sie unterstützen vor Ort bei größeren Einsatzlagen. Dort hören sie zu, sprechen mit den Betroffenen und trösten. Oder sie beten gemeinsam - wenn das gewünscht ist. Die Ökumenische Notfallseelsorge ist in Mülheim, Essen und Oberhausen für solche Situationen zuständig. Rund 109 Seelsorgende gibt es, die meisten davon arbeiten ehrenamtlich, eingeteilt in unterschiedlichen Schichten. Alarmiert werden sie von der Leitstelle der Berufsfeuerwehr, nachdem die Rettungskräfte vor Ort entschieden haben, dass eine Seelsorge sinnvoll ist. Eine App zeigt den Seelsorgenden dann an, dass sie gebraucht werden und sie machen sich über den Fahrdienst des DRKs auf den Weg zum Einsatz. In Zukunft werden auch ihre muslimischen Kollegen über diese App alarmiert.
Bessere Hilfe in Essen für Muslime
In Essen leben viele muslimische Familien. Auch dort gibt es immer wieder Notfälle. Und dann ist es einfach besser, wenn jemand hilft, der die Sprache kennt, die Kultur oder zumindest die Religion. Denn in Krisensituationen bringen religiöse Rituale oft Trost, sagt Saliha Merhi. Sie ist seit November 2025 fertig ausgebildete, muslimische Notfallbegleiterin über die Christlich-Islamischen Gesellschaft.
"Man kann denen halt am besten helfen, wenn man versteht, was sie in dem Moment brauchen. Und es hilft ja auch den Einsatzkräften oder der christlichen Notfallseelsorgern. Denn die wissen ja auch nicht wie zum Beispiel ein Muslim betet. Die Christen beten ja etwas anders."
In ihrem blauen Rucksack mit den neongelben Reisverschlüssen sind deswegen ein Gebetsteppich, eine Gebetskette, ein Teelicht und ein Feuerzeug. Aber auch andere Dinge, die helfen können, sind darin: Wasser, Traubenzucker, Verbandszeug für kleinere Schrammen, Flyer mit Infos über die muslimische Notfallbegleitung, Malsachen für Kinder. Den Rucksack hat sie immer griffbereit in ihrem Zuhause in der nördlichen Innenstadt oder in ihrem Auto.
Muslimische Notfallbegleiterin in Essen will Gesellschaft etwas zurückgeben
Was auch immer dabei ist: Eine große Portion Empathie. Das ist eines der wichtigsten Dinge, die Notfallseelsorger und Notfallbegleiter mitbringen müssen, sagt Iris Stratmann, die Koordinatorin der Ökumenischen Notfallseelsorge für Mülheim, Essen und Oberhausen. Was Notfallseelsorger und Notfallbegleiter noch können müssen, wie sie sich in Krisensituationen richtig verhalten, das lernen sie alles in einem einjährigen Ausbildungskurs. Der startet in der Regel im Januar, ein Infoabend ist im November. Der letzte Ausbildungskurs in 2025 war der erste, bei dem christliche und muslimische Auszubildende in Teilen zusammen gelernt haben. Einige Module wurden gemeinsam unterrichtet. Die neuen acht muslimischen Notfallbegleitenden in der Region warten jetzt nur noch auf ihren ersten Einsatz. Saliha Merhi freut sich darauf, helfen zu können:
"Für mich ist das Gottes Dienst, für die Gesellschaft etwas Gutes wieder zurück zu geben. Also ich finde, wir bekommen so viel Schönes, es ist nicht verkehrt, wenn man das auch wieder zurück gibt. Weil sonst würde die Kette ja irgendwo enden."
Zusammenarbeit in Essen ist ein Gewinn
Auch Iris Stratmann von der Ökumenischen Notfallseelsorge freut sich, wenn die muslimischen Notfallbegleiter endlich offiziell an die Alarmierungskette angeschlossen sind.
"In diesem Jahr ist es wirklich so, dass wir schon unsere muslimischen Kollegen gerne dabei gehabt hätten, bei drei Einsätzen."
Dort hätten sie besser helfen können als ihre christlichen Kolleginnen und Kollegen - wegen der Sprache und des kulturellen Hintergrunds. Für Iris Stratmann ist die neue Zusammenarbeit zwischen beiden Organisationen deswegen "ein echter Gewinn". Saliha Merhi sieht es genauso:
"Weil wir bauen dadurch eine wunderschöne Brücke auf, wo wir Hand und Hand Menschen in Not helfen. In der heutigen Zeit zeigt das ein starkes Signal, dass es überhaut keine Rolle spielt. Also wenn Menschen helfen möchten, dann helfen sie irgendwie und dann klappt das auch."
Alle Infos zur Ökumenischen Notfallseelsorge bekommt Ihr hier, alle Infos zur muslimischen Notfallbegleitung hier.