Anzeige
Problematisches Verhalten in Essen: Ab wann ist es eine Sucht?
© ra2 studio - Fotolia
Teilen:

Problematisches Verhalten in Essen: Ab wann ist es eine Sucht?

Ständig am Handy scrollen, pausenlos Videospiele spielen, oder übertriebenes Online-Shopping - aus alltäglichem Verhalten können Süchte entstehen. Wie und warum das immer häufiger passiert, lest Ihr hier.

Veröffentlicht: Samstag, 10.01.2026 14:34

Anzeige

Verhaltenssucht in Essen - ein immer größer werdendes Problem

Anzeige

Schlechte Gewohnheiten hat wahrscheinlich jeder Mensch in Essen. Jeder von uns ist wahrscheinlich mal zu lange am Handy, oder hat ein bisschen zu viel eingekauft, hat mehrmals Pornos geschaut oder die ganze Nacht lang Videospiele gespielt. Das alles ist noch keine Sucht - es kann aber eine werden. In unserer heutigen Gesellschaft ist das keine Seltenheit, sagt Helge Cisewski, Psychologe bei der Suchtberatung "Neue Wege" der Caritas-SkF-Essen (cse) im Nordviertel. Aktuelle Daten zeigen sogar, dass Verhaltenssüchte immer häufiger vorkommen.

"Desto einfacher letztendlich bestimmte Dinge zugänglich sind - und bei Social Media ist das halt der Fall, das Handy, der Laptop, das Tablet, das sind ja alles Endgeräte, womit diese Apps oder Internetseiten ständig verfügbar sind - dadurch, dass etwas ständig verfügbar ist, nutzt man es auch häufiger."
Anzeige

Wie entstehen Verhaltenssüchte?

Anzeige

Doch durch die Verfügbarkeit allein entsteht noch keine Sucht. Hier spielen soziale, biologische und psychologische Faktoren eine Rolle, sagt Helge Cisewski. Soziale Faktoren sind zum Beispiel Einsamkeit, Belastungen, oder das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen. Aus biologischer Sicht spielt das Dopamin-Belohnungssystem eine zentrale Rolle. Das bedeutet, je mehr Glücksgefühle ein Verhalten auslöst, desto öfter möchte das Gehirn das Verhalten wiederholen. Auf Dauer verändern sich so die Nervenbahnen und ein Verhalten automatisiert sich. Verhaltenssüchte werden auch durch psychologische Faktoren begünstigt, etwas ein geringes Selbstwertgefühl, Impulsivität, traumatische Erfahrungen oder eine schlechte Emotionsregulation, oft verbunden mit unbefriedigten Bedürfnissen.

Anzeige

Wie erkenne ich eine Verhaltenssucht?

Anzeige

Helge Cisewski sagt, folgende Dinge weisen auf eine Sucht hin:

  • Kontrollverlust (innerer Drang, das Verhalten immer wieder auszuführen, trotz negativer Konsequenzen)
  • Toleranzentwicklung (man braucht immer mehr davon, um glücklich zu sein)
  • Entzugserscheinungen, wie innere Unruhe oder Gereiztheit
  • Vernachlässigung von sozialen Beziehungen, der Arbeit oder der eigenen Gesundheit

Wer prüfen will, ob bei ihm eine Verhaltenssucht vorliegen könnte, sollte sich diese Fragen stellen:

  • Kann ich problemlos aufhören?
  • Verheimliche ich etwas?
  • Leide ich oder jemand anderes unter meinem Verhalten?
Anzeige

Wie gestehe ich mir ein, dass ich ein Problem habe?

Anzeige

Sich selbst einzugestehen, dass ich ein Problem habe, ist gar nicht so einfach. Hier muss ich einfach ehrlich zu mir selbst sein, sagt Helge Cisewski. Es ist wichtig einfach mal beobachten, wie viel Zeit ich mit dem Verhalten verbringe, wie viel Geld ich dafür ausgebe und wie viel Energie dafür drauf geht. Oft hilft hier die Sichtweise einer nahestehenden Person, der ich vertraue.

Anzeige

Wie spreche ich andere auf problematisches Verhalten an?

Anzeige

Wer bei anderen ein problematisches Verhalten beobachtet, sollte das auf jeden Fall ansprechen, sagt Psychologe Helge Cisewski. Denn in dem Moment, wo ein Verhalten auffällt, fängt auch die betroffene Person an, sich damit auseinanderzusetzen. Ich sollte an Beispielen verdeutlichen, warum ich den Eindruck habe, dass ein Verhalten nicht mehr gesund ist. Außerdem gilt es die gleichen Fragen zu stellen, die ich mir selbst auch stellen sollte, wenn ich an mir selbst problematisches Verhalten beobachte. Das Ganze sollte aber auf verständnisvolle und empathische Weise passieren - ohne Vorwürfe. Gleichzeitig sollte ich meine Unterstützung anbieten, etwa bei der Suche nach Beratungsstellen.

Anzeige

Wie und wo bekomme ich Hilfe?

Anzeige

In Essen gibt es mehrere Beratungsstellen, an die Ihr Euch wenden könnt, wenn Ihr bei Euch oder einer nahestehenden Person eine mögliche Verhaltenssucht beobachtet. Eine ist die Beratungsstelle "Neue Wege" der cse im Nordviertel, Niederstraße 12-16. Dort gibt es zum Thema Verhaltenssüchte bald mehrere Infoabende, für alle, die sich für das Thema interessieren. Die sind am 14.01., 21.01., 28.01. und 04.02. jeweils von 17 bis 18.30 Uhr. Ihr könnt dort kostenlos und ohne Anmeldung vorbeischauen. Dort werden erstmal die Grundlagen, Warnsignale und Folgen von Verhaltenssüchten erklärt. Daraus soll dann eine Gruppe entstehen, die sich ab Februar regelmäßig trifft. Weitere Infos, bekommt Ihr hier.

Anzeige

Mehr Themen aus Essen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige