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Mehr Verkehrstote in Essen: "Jeder Tote ist einer zu viel"
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Mehr Verkehrstote in Essen: "Jeder Tote ist einer zu viel"

In Essen sind 2025 mehr Menschen im Straßenverkehr ums Leben gekommen als im Jahr davor - allerdings gab es insgesamt weniger Unfälle. Die Polizei Essen hat die aktuelle Unfallstatistik vorgestellt. Das sagen die Zahlen.

Veröffentlicht: Mittwoch, 11.03.2026 14:22

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Tödliche Verkehrsunfälle in Essen sind oft tragische Einzelfälle

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In Essen kommt es täglich zu Verkehrsunfällen ganz unterschiedlicher Art - von PKWs über Fußgänger, Fahrräder oder E-Scooter. 2025 hat die Polizei Essen 26.445 Unfälle aufgenommen. Das sind 566 weniger als im Jahr davor. Trotzdem muss man laut dem Leiter der Direktion Verkehr Carsten Hamann besonders auf die Folgen der Unfälle schauen: Die waren 2025 gravierender als im Jahr davor - es gab acht Verkehrstote in Essen, 2024 waren es nur drei.

"Zufrieden wären wir nur, wenn es null wären," sagt Carsten Hamann. "Denn jeder Verkehrstote ist einer zu viel. Bei einem toten Menschen sind im Durchschnitt 113 Menschen betroffen - von Familie über Freunde bis hin zu Unfallbeteiligten und Helfern."

Allerdings kann die Polizei keinen Unfallbrennpunkt lokalisieren. Es handele sich eher um tragische Einzelfälle, die oft auch mit persönlichen Fehlentscheidungen zusammenhängen würden. Im Mai letzten Jahres war beispielsweise eine Fahrradfahrerin verunglückt, die bei Rot eine Ampel überquerte und von einem PKW erfasst wurde. Dieser hatte sie nicht bemerkt, da die Sicht durch einen anderen, falsch parkenden PKW beeinträchtigt war.

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Mehr verunglückte Kinder im Straßenverkehr in Essen

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Auch für Kinder in Essen wird der Verkehr immer wieder zur Gefahr - und sie sind oft als Fußgänger oder Radfahrer die schwächeren Verkehrsteilnehmer. Im vergangenen Jahr gab es mehr verunglückte Kinder in Essen, allerdings gab es kein tödliches Unglück. Den Anstieg erklärt sich die Polizei auch dadurch, dass vor allem in den Sommerferien viele Familien nicht mehr in den Urlaub fahren, weil sie es sich nicht leisten können. Normalerweise gibt es nämlich in den Ferien immer einen Rückgang von Unfällen mit Kindern - das war 2025 anders. Außerdem beobachtet die Polizei Essen, dass die motorischen Fähigkeiten von Kindern nicht mehr so ausgeprägt sind. Carsten Hamann ist es deshalb besonders wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern trainieren, sich sicher im Verkehr zu bewegen:

"Es reicht nicht, den Schulweg nur zweimal zu gehen. Und auch Elterntaxis sind keine gute Möglichkeit seine Kinder zu schützen, eher im Gegenteil. Man raubt den Kindern die Möglichkeit, Sicherheit im Straßenverkehr zu gewinnen. In diesem Zusammenhang ist Trainieren statt Üben das richtige Wort: Trainieren heißt, wie im Sport, sich wirklich kontinuierlich zu verbessern."
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Unfälle mit E-Scootern nehmen zu

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In Essen gibt es insgesamt 47 Unfallhäufungsstellen. Als Beispiel nennt die Polizei die Kreuzung Frillendorfer Straße/Burggrafenstraße. Dort kam es in den letzten drei Jahren zu sieben Unfällen. Immer öfter beteiligt an Unfällen sind E-Scooter. Die sind besonders bei jüngeren Verkehrsteilnehmenden beliebt. Laut Andreas Malberger bewegen sich diese E-Scooter auch oft in Bereichen, wo sie eigentlich nicht fahren dürfen, zum Beispiel in der Innenstadt oder auf Gehwegen. Zudem würden auch immer mehr Eltern fragen, ob sie ihren Kindern einen E-Scooter schenken dürften - allerdings ist das erst ab 14 Jahren erlaubt. Verkehrsexperte des ADAC Nordrhein Roman Suthold sagt:

"Den Menschen muss klargemacht werden, dass E-Scooter keine Tretroller sind, mit denen man als Kind über den Hof gefahren ist."
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Polizei Essen möchte mehr kontrollieren: "Erzieherischer Effekt muss da sein"

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Die Polizei Essen setzt weiterhin auf präventive Maßnahmen zur Verkehrssicherheit. Dazu gehören Sicherheitstrainings für Kinder und Senioren, aber auch die Verkehrssicherheitsaktion mit Radio Essen. Carsten Hamann betont auch, dass mit diesen Maßnahmen leider nicht alle Menschen erreicht werden. Deswegen plant die Polizei Essen in diesem Jahr, neben den präventiven Aktionen auch mehr repressiv vorzugehen - also durch Kontrollen und Einsätze den Verkehr sicherer zu machen und potenzielle Unfälle zu verhindern. So soll es zum Beispiel wieder mehr Fahrradstreifen geben und auch Schwerpunkteinsätze für E-Scooter-Kontrollen.

Doch auch Fahrradunfälle gab es 2025 mehr - insgesamt 385. Im Jahr davor waren es 345. Zwei Fahrradunfälle endeten tödlich für die Radfahrer.

Vorsitzender des ADFC Essen e.V. Marc Zietan meint dazu: "Radfahren darf kein lebensgefährliches Risiko sein. Wer möchte, dass mehr Menschen aufs Fahrrad umsteigen, muss ihnen auch sichere Wege anbieten."

Deswegen kritisiert der ADFC die aktuelle Verkehrspolitik der Koalition aus CDU und SPD in Essen.

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