
Was ist Lipödem?
Diagnose: Lipödem. Eine chronische Fettverteilungsstörung an der vor allem Frauen erkranken. Es trifft oft Frauen mit Übergewicht, aber auch schlanke Frauen. Und Lipödem tritt besonders in Zeiten auf, in denen sich die Hormone umstellen, wie in der Pubertät oder der Schwangerschaft. Oft ist die Krankheit genetisch veranlagt. Mit dieser Diagnose hatte Sabina Donkiewicz nicht gerechnet.
"Ich dachte immer eigentlich, ich hab halt ne komische Figur. Ich hab mir da nie Gedanken drüber gemacht. Meine Oma hatte auch so ne komische Figur, meine Cousine hatte auch so ne komische Figur. Da hab ich gedacht: Tja, hast halt Pech gehabt in der Verteilung."
Dann hat Sabina viel abgenommen, Teile des Fetts sind aber geblieben. Erst mit 48 Jahren wusste sie sicher: Sie hat Lipödem.
"Ich hatte immer Schmerzen, wenn man es angefasst hat, ich hab ganz schnell blaue Flecken bekommen. Aber, dass ich [Anmerk. der Red: auch sonst beim laufen] Schmerzen hatte, hab ich erst gemerkt, als ich sie nicht mehr hatte."
Diagnose Lipödem war befreiend
Das war nach der Liposuktion, also der Fettabsaugung. Danach konnte Sabina wieder unbeschwerter leben.
"Ich hab mein Leben lang Diät gehalten, weil ich ja eigentlich immer schlank sein wollte. [..] Man wird auf diese Oberschenkel und Beine auch reduziert. Und als ich wusste, ich kann da gar nichts für, das ist eine Krankheit. Das war für mich von der Seele her befreiend."
Doch nicht alles ist befreiend. Sabina muss sich jeden Tag in maßangefertigte Kompressionsstrümpfe zwängen, wöchentlich zur manuellen Lymphdrainage, viel Sport machen und auf ihre Ernährung achten. Bis zur Diagnose und bis zu Liposuktion - wenn man sie machen möchte - dauert es, es gibt viele Anforderungen zu erfüllen. Deswegen hilft es, sich damit nicht so alleine zu fühlen.
Wie hilft die neue Lipödem-Selbsthilfegruppe in Essen?
Sabina Donkiewicz hat sich im St. Josef-Krankenhaus in Essen-Kupferdreh operieren lassen, genau wie Amelie Polutta. Dort ist beiden aufgefallen, dass dem Lipödemzentrum noch etwas fehlt: Eine Selbsthilfegruppe zum Austausch. Zusammen mit den Ärzten dort, haben sie in diesem Jahr eine gegründet. Zwei Treffen hat es schon gegeben, die nächsten sind für den 26. August, den 28. Oktober und 30. Dezember geplant, also dem letzten Mittwoch jeden zweiten Monat. Dort gibt es dann Vorträge oder Fragestunden mit Ärztinnen und Ärzten, die Betroffenen können über verschiedene Produkte sprechen, wie die richtigen Kompressionsstrümpfe und sich einfach austauschen. Sabina ist es wichtig, Falschinformationen aufzuklären, die vor allem in den Sozialen Medien kursieren. Etwa zu Cremes, die straffe Haut versprechen. Das wichtigste an der neuen Selbsthilfegruppe in Essen ist aber das Gemeinschaftsgefühl, das dort entsteht. Alle wissen, wie es sich anfühlt, sein Leben lang mit einem offensichtlichen "Makel" rumzulaufen, sagt Sabina:
"Man kommt in so einen Raum und fühlt sich als Teil einer großen Gruppe. Man ist eine von vielen und nicht die eine, die es hat."
Wer Interesse oder Fragen zu der Selbsthilfegruppe hat, kann sich hier melden: a.polutta@t-online.de oder sabina@donkiewicz.de