
Nach Leitungs-Ausfall: Polizei Essen ermittelt in Bergheim
Nach dem Ausfall mehrerer Leitungen an einem Umspannwerk in Bergheim im Rhein-Erft-Kreis am Dienstagabend (1. September) ermittelt die Polizei Essen wegen des Verdachts auf eine vorsätzliche Tat. Was bisher bekannt ist.
Veröffentlicht:
Polizei Essen ermittelt nach Leitungs-Ausfall in Bergheim
Seit der Nacht auf Mittwoch (2. September) läuft an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln ein Großeinsatz. Nach Angaben der Polizei Essen sind dort bereits am Dienstag (1. September) gegen 20 Uhr nach einem Kurzschluss mehrere Leitungen ausgefallen. Die allgemeine Stromversorgung war davon jedoch nicht betroffen. Auch die umliegenden Städte und Kommunen wurden weiterhin mit Strom versorgt. Die Polizei Essen hat inzwischen die Ermittlungen übernommen.
„Wir gehen derzeit nicht von einem technischen Defekt aus, sondern von einer vorsätzlichen Tat“, sagte ein Sprecher der Polizei Essen auf Nachfrage von Radio Essen.
Die Ermittlungen laufen aktuell. Inzwischen ermitteln die Behörden wegen verfassungsfeindlicher Sabotage, das sagte NRW Innenminister Reul am Mittag.
"Wer da ran geht, greift unser Land an.", so NRW-Innenminister Herbert Reul weiter.
Unbekannte sollen ein Kabel über die Oberleitung gebracht und so einen Kurzschluss verursacht haben, erklärt der Minister weiter.
Welche neuen Erkenntnisse gibt es in Essen zum Anschlag?
Bei einer Pressekonferenz in Essen haben Polizei und Staatsanwaltschaft weitere Einzelheiten nach dem Anschlag auf das Umspannwerk in Bergheim bekannt gegeben. Die mutmaßlichen Täter sollen einen Draht oder einen ähnlichen Gegenstand an einem Zaun befestigt und auf die Hochspannungsleitungen geschleudert haben. Dadurch kam es zu einer Erdung des Stroms und zwei Kraftwerke der RWE Power AG wurden automatisch stromlos geschaltet. Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer betont bei der Pressekonferenz, dass jetzt mit allen Mitteln in alle Richtungen ermittelt werde. Es werden unter anderem Kommunikationsverbindungen überprüft. Die Polizei hat in einem nahe gelegenen Maisfeld sechs Abschussvorrichtungen gefunden und vermutet einen Zusammenhang und erhofft sich davon weitere Hinweise.
Michael Esser, leitender Kriminaldirektor der Polizei Köln sagt im Interview mit Radio Essen-Stadtreporterin Anna Bartl, dass es dabei nicht zu einem Blackout gekommen sei. Die Stromversorgung habe die gesamte Zeit funktioniert. Trotzdem will die Polizei die Täter so schnell wie möglich finden und hat bereits weitere Maßnahmen zum Schutz solcher Einrichtungen getroffen. Welche Motive hinter dem Anschlag stecken, sei aber noch unklar, sagt er weiter.
Warum ermittelt die Polizei Essen in Bergheim?
Auf Nachfrage von Radio Essen erklärte ein Sprecher der Polizei Essen, dass eigentlich die Polizei im Rhein-Erft-Kreis zuständig wäre. Für einen Einsatz dieser Größenordnung sei diese jedoch personell zu klein aufgestellt. Eigentlich hätte daher die Polizei Köln die Ermittlungen übernehmen müssen. Da dort aktuell jedoch andere Einsatzlagen bestehen, ist nun die Polizei Essen für den Vorfall am Umspannwerk in Bergheim zuständig. Die Polizei Essen führt in Bergheim die Ermittlungen sowie die Spurensicherung durch. Auch die Staatsanwaltschaft Köln ist in den Fall eingebunden.
Folgen für Unternehmen aus Essen
Für RWE Power AG aus Essen hat der mutmaßliche Anschlag auf das Stromnetz große Folgen. RWE Power musste fünf Kraftwerksblöcke abschalten. Die Kraftwerke stehen im Rheinischen Revier und produzieren zusammen 4200 Megawatt Strom. Die Kraftwerksblöcke stehen in Neurath und Niederaußem. Inzwischen sind einige Kraftwerksblöcke wieder am Netz. Weitere Blöcke werden aber voraussichtlich erst am Wochenende wieder in Betrieb genommen, erklärt ein Sprecher der RWE Power AG.
Der Netzbetreiber Amprion mit Sitz in Dortmund arbeitet eng mit den Behörden zusammen, um aufzuklären, was genau passiert ist. Ein Sprecher des Netzbetreibers Amprion betont auf Nachfrage der dpa, dass die allgemeine Stromversorgung zu keinem Zeitpunkt betroffen und die Systemstabilität immer gewährleistet war. Bereits am Dienstagmorgen hatten Unbekannte nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg versucht, Kurzschlüsse an Höchstspannungsleitungen auszulösen. Auch hier ermittelt die zuständige Polizei wegen Sabotage. Die Polizei prüft außerdem, ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden Anschlägen gibt.

