
Kindheit im goldenen Käfig auf der Villa Hügel
Für die Kinder von Gustav und Bertha Krupp von Bohlen und Halbach war es ein Leben zwischen Pflichten und Freiheiten im größten Einfamilienhaus Deutschlands. Dazu war aber auch Fastfood angesagt. Wenn Papa Gustav Messer und Gabel zur Seite legte, dann war das Essen beendet und das Familienoberhaupt hat sehr schnell gegessen.
Veröffentlicht: Donnerstag, 05.02.2026 14:02
Ein Alltag nach dem Stundenplan in Essen
Der Nachwuchs der Krupps ist ganz anders aufgewachsen als Kinder in anderen Familien. Wer hatte schon den Kaiser als Patenonkel? Dazu kümmerte sich eine ganz Heerschar von Hauslehrern, Erziehern und Gouvernanten um den Nachwuchs. Aber nicht immer waren die Zeiten so rosig. In der Zeit als Papa Gustav im Gefängnis war, musste die Familie im Park der Villa Hügel sogar Kartoffeln anpflanzen, um zu überleben. Hier waren es die Kinder, die bei der Ernte helfen mussten. Grundsätzlich war der Tag der Kinder komplett durchgeplant. Gefrühstückt wurde um 8 Uhr, Mittagessen war um 12 Uhr und das Abendessen um 19:30 Uhr. Morgens gab es Unterricht, nachmittags wurde geritten, gerudert oder gesegelt. Außerdem waren Gymnastik, Tennis und Tanz angesagt. Von 6 bis halb acht herrschte Spielzwang. Das war die Zeit mit den Eltern. Gespielt wurde unter anderem mit der riesigen Modelleisenbahn in der Gemäldegalerie. Die Kinder berichteten Bertha und Gustav von dem was sie gelernt und erlebt hatten. Geschäftliches blieb dabei außen vor. Darüber wurde im Anschluss nur mit Alfried immer eine halbe Stunde gesprochen. Damals war er gerade mal sechs oder sieben Jahre alt. Als der Älteste sollte er schließlich mal alles übernehmen. So durchgetaktet der Alltag war, so viel Freiheiten gab es bei den zahlreichen Reisen der Krupps.
Ein Radio Essen-Interview im Kinderzimmer
Radio Essen-Stadtreporter Timm Schröder trifft Historikerin Gunilla Budde. Sie hat sich intensiv um die Kindheit der Krupps gekümmert. Ihre Quellen waren tausende Briefe, Fotos und Kritzeleien von Alfried Krupp und seinen Geschwistern. Viel mehr ist leider nicht übrig geblieben. Nach einem alten Teddy, einer Puppe oder der Modelleisenbahn der Krupps sucht man vergeblich. Das ehemalige Kinderzimmer der Töchter der Krupps ist heute ein Besprechungsraum. Darin steht noch ein altes Klavier. Gut möglich, dass hier die Kinder ihre ersten Musikstunden hatten. Gunilla Budde drückt ein paar Tasten und wir merken schnell,- es ist komplett verstimmt. Für uns geht es weiter auf den Spuren der Kinder der Krupps. Über eine steile Holztreppe in einem weiß vertäfelten Treppenhaus kommen wir in die nächste Etage. Hier sind noch zwei komplett eingerichtete Zimmer. Sie waren für die Freundinnen von Bertha und Barbara, die öfter für mehrere Wochen zu Gast waren. Sogar ein Ankleidezimmer gibt es ein Stück weiter. Auf diese Etage kommen normalerweise keine Besucher. Auch Fotos dürfen hier eigentlich keine gemacht werden. Für Radio Essen gibt es eine Ausnahme. Bei unserem Interview wird ein Stück Geschichte lebendig. Unser Blick schweift über den Park der Villa Hügel bis zum Baldeneysee. Genau die richtige Atmosphäre.
Geschichtsband über die Kindheit auf dem Hügel
Prof. Dr. Gunilla Budde ist Professorin für Deutsche und Europäische Geschichte an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Sie forscht unter anderem zur Geschichte des europäischen Bürgertums und zur deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte. Ihr Buch "Kindheit auf dem Hügel" gehört zu einer Reihe des Historischen Archiv Krupp. Die Basis sind rund zehn Regalkilometer von Dokumenten, Fotografien und Objekten. Es ist der 11. Band. Weitere sollen folgen. Das Buch kostet im Buchhandel 9,95 Euro. Zu bekommen ist es aber auch online und in der Villa Hügel. Bereits erschienen sind auch schon Bücher unter anderem über die Krupps im Orient, die Kunst der Diplomatie und Krupps kulinarische Kommunikation.























