
Iraner in Essen: "Wir werden geschlachtet" - Veranstaltung soll für Aufmerksamkeit sorgen
Viele Iranerinnen und Iraner in Essen machen sich weiter Sorgen um ihre Familien und Freunde im Iran. In der Innenstadt wollen sie jetzt auf die Lage in ihrer Heimat aufmerksam machen.
Veröffentlicht: Mittwoch, 04.02.2026 11:27
Was sagen Iraner in Essen zur Lage im Land?
In Essen leben rund 2500 Iranerinnen und Iraner - und die sind ängstlich und voller Sorgen. Vor einigen Wochen hatte es im Iran landesweit große Proteste gegen das Regime gegeben. Auslöser war vor allem die katastrophale wirtschaftliche Lage im Land. Die Islamische Revolutionsgarde ging hart gegen die Demonstrationen vor und schlug sie nieder. Nach Schätzungen sind dabei tausende Menschen ums Leben gekommen. Zeitweise war das Internet im Iran vollständig abgeschaltet, und auch aktuell bleibt die Lage angespannt. Erst kürzlich hat der Iran die Botschafterinnen und Botschafter der EU-Staaten einbestellt, nachdem die Europäische Union die Revolutionsgarde als Terrororganisation eingestuft hatte.
Viele Iranerinnen und Iraner in Essen wünschen sich nun stärkere politische Reaktionen aus der EU. Gleichzeitig wollen sie selbst etwas tun: Sie möchten auf die Situation aufmerksam machen und verhindern, dass der Iran in Vergessenheit gerät. Deshalb lädt der Verein Woman Life Freedom aus Rüttenscheid in dieser Woche zu Gesprächsrunden in die Marktkirche ein. Dort können Interessierte mit Iranerinnen und Iranern ins Gespräch kommen sowie Bilder und Videos aus dem Land sehen. Besonders erschreckende Aufnahmen würden dabei jedoch nicht gezeigt, sagt Davood Hosseini, der Vorsitzende des Vereins. Er spricht von einem Massaker und zieht sogar einen Vergleich mit dem Holocaust.
"Also es gibt viele Bilder und Videos, die kann man sich gar nicht anschauen. Man gar nicht glauben, dass in diesem Jahrhundert sowas Unmenschliches passiert. Die Menschen stehen mit leeren Händen vor so einem brutalen Regime, die kommen nicht dagegen an. Sie brauchen unbedingt die Hilfe von außen."
Wer in Essen geht zu der Aktion?
Menschen wie Marita Kemper aus Essen möchten von außen helfen. Einfach indem sie da sind und zuhören. Sie kennt den Verein Woman Life Freedom schon länger. Die Veranstaltung in der Marktkirche ist nochmal eine gute Möglichkeit, um mit den Iranerinnen und Iranern ins Gespräch zu kommen, sagt sie. So können sie gemeinsam überlegen, wie sie von hier aus etwas an der Situation im Land ändern können. Dass die Veranstaltung in der Marktkirche ist, sei ideal, weil sie so zentral liegt. Auch Davood Hosseini hofft, dass dadurch viele Menschen auf die Veranstaltung und die Situation im Iran aufmerksam werden.
Sina auf Bochum hat die gleiche Hoffnung. Er ist wütend über die Lage in seinem Heimatland.
"Seit über 40 Jahren werden wir geschlachtet", sagt er und kämpft dabei mit den Tränen.
Er sei in den 1980er Jahren im Gefängnis im Iran gefoltert worden. Damals gab es aber noch kein Internet und kein Handy - die Welt habe sie nicht gehört.
"Jetzt mit dieser Entwicklung hört uns, aber es fehlt immer noch an Taten."
Zu viele Länder würden immer noch Geschäfte mit dem Iran machen, sagt er. Auch Afshid aus Frohnhausen beschäftigt die Lage in ihrer Heimat sehr und die möchte darauf aufmerksam machen - denn es werde immer schlimmer.
"Wir verlieren unsere jungen Menschen, unsere Ärztinnen und Ärzte, unsere Sportlerinnen und Sportler, unserer Künstlerinnen und Künstler."
Sie selbst war DJane, ist vor zehn Jahren aber geflüchtet, weil sie immer wieder bedroht wurde und nicht mehr auflegen durfte. Gerade um die Frauen im Land macht sie sich Sorgen und sie schafft es kaum die Hoffnung zu behalten.
"Es ist alles dunkel, es ist alles so schlimm."
Warum ist die Veranstaltung für den Iran in der Marktkirche?
Der evangelische Kirchenkreis in Essen möchte sich mit den Menschen im Iran solidarisieren. Deswegen ist die Veranstaltung in der Marktkirche. „Wir hoffen gemeinsam und beten für Gerechtigkeit und Freiheit“, sagt Citykirchenpfarrer Jan Vicari. Zusätzlich gibt es einen Aufsteller am Kerzenständer der Marktkirche, der den ganzen Tag über auf die Situation hinweist.
Wann kann ich mit Iranern in Essen ins Gespräch kommen?
Die Tischgespräche in Essen laufen die ganze Woche über, seit Montag, (2. Februar) bis Samstag, (7. Februar). Von 16 Uhr bis 17.30 Uhr sind die Iranerinnen und Iraner vor Ort, am Freitag und Samstag ab ca. 16.30 Uhr. Die Lage im Iran beschäftigt an diesem Wochenende auch das Theater an der Ruhr in Mülheim. Am Freitag (6. Februar) und am Samstag (7. Februar) wird dort das Stück "Destination: Origin" gezeigt und besprochen. Am Sonntag (8. Februar) läuft der Film "Die Saat des heiligen Feigenbaum" vom iranischen Filmemacher Mohammed Rasoulof. Er selbst und die Darsteller des Films flüchteten ins Exil. Alle Infos zum Programm gibt es hier.

