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In Essen wird Ballett für Blinde sichtbar
© Radio Essen / Timm Schröder
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In Essen wird Ballett für Blinde sichtbar

Premiere am Donnerstag (26. Februar) im Aalto Theater. Zum ersten Mal wird im Ruhrgebiet ein Ballett für Blinde und Sehbehinderte sichtbar gemacht. Eine Sprecherin beschreibt über Funk live was auf der Bühne passiert. Die intensiven Vorbereitungen laufen schon seit Monaten.

Veröffentlicht: Donnerstag, 26.02.2026 11:28

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Wo können Blinde in Essen das Ballett besuchen?

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In jeder Minute, die Jutta Endes beschreibt, steckt eine Stunde Arbeit. So lange tüfteln sie, Johanna Krins und Felix Koch an den Texten, die beschreiben, was die Blinden und Sehbehinderten nicht sehen können. Mehrfach haben sie sich schon die Video-Aufnahmen des Essener Ballett Carmen angeschaut. Aber auch mit den Tänzerinnen und Tänzern gesprochen, um das Stück zu verstehen. Nur dann können sie es auch gut beschreiben. Manchmal wird um jedes Wort oder jedes Satzzeichen im Team gefeilscht.

Die Frage ist auch, wann nicht gesprochen wird. Also wann die Musik für sich stehen soll. Manches muss vielleicht auch nicht beschrieben werden, weil die Blinden hören, dass die Tänzer zum Beispiel von der rechten zur linken Seite der Bühne laufen. Genau dafür ist die Generalprobe so wichtig. Manches lässt sich auf Videos auch nicht gut erkennen. In einer Szenen hängen Gitterstäbe vor der kompletten Bühne herunter. So sieht es zumindest auf dem Bildschirm aus. In Wirklichkeit sind es aber dünne Metallketten. Das wird im Skript jetzt noch geändert.

Auch ansonsten muss Jutta Endes flexibel sein. Wenn sie während der Vorstellung die vorbereiteten Texte liest, hat sie die Bühne von ihrer Sprecherkabine immer im Blick. Ändert sich beim Ablauf etwas oder stolpert zum Beispiel einer der Tänzer oder der Tänzerinnen, dann reagiert sie darauf. Die blinden und Sehbehinderten Besucher sollen vor ihrem inneren Auge alles sehen, was wirklich passiert.

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Timm Schröder
Jutta Endes und ihr Team zu ihrer Arbeit
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Premiere in Essen: Carmen zum Anfassen

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Jutta Endes, Johanna Krins und Felix Koch arbeiten schon seit mehreren Jahren zusammen. Sie haben unterschiedliche Blicke auf das, was auf der Bühne passiert. Jutta hat zum Beispiel selber eine Tanzausbildung und Johanna ist auch deshalb wichtig im Team, weil sie selber sehbehindert ist. Sie kann am besten beurteilen, welche Informationen ein Mensch mit einer Sehbehinderung braucht und was nicht.

Bis zur letzten Minute wird über kleinste Details diskutiert, das gilt auch für die Tastführung. Auch so etwas ist für viele Blinde eine ganze neue Erfahrung. Vor dem Start des Balletts dürfen sie auf die Bühne und diese zum Beispiel einmal ablaufen.

Wie ist die Akustik? Dafür klatschen sie einmal laut in beide Hände. Wie fühlen sich Teile der Dekorationen an, die die Tänzerinnen und Tänzer während des Stück auf der Bühne hin und herschieben? Auch die Lampen in der Form von Vogelkäfigen dürfen sie anfassen. Dazu nehmen sie die unterschiedlichen Tanzschuhe, die Kostüme und einige Requisiten in die Hand.

Das macht vieles im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar. Möglich macht das der Freundeskreis Theater und Philharmonie. Mit 12.000 Euro haben sie das für das Ruhrgebiet einmalige Projekt finanziell unterstützt. Bei der Genealprobe hat Radio Essen-Hörerin Britta Dorn aus Leithe für uns die Tastführung mitgemacht.

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Timm Schröder
Britta Dorn zur Tastführung
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Welche Vorstellungen in Essen sind mit Audiodeskription?

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Audiodeskription ist der Fachbegriff für die Arbeit von Jutta Endes und ihrem Team. An nur rund 50 Theatern in Deutschland gibt es solche Hörbeschreibung. Die wenigsten davon befassen sich Ballettvorführungen. Den Essener Ballettintendanten ist es wichtig, Kultur für alle anzubieten. Deshalb sind sie für die Unterstützung durch den Freundeskreis sehr dankbar.

Erstmal gibt es drei Vorstellungen. Premiere ist am 26. Februar. Danach wird es Carmen nochmal am 21. März und am 6. Juni mit einer Live-Beschreibung für Blinde und Sehbehinderte geben. Insgesamt stehen pro Vorstellung 20 Funkkopfhörer zur Verfügung. An den Ticketpreisen ändert sich für die Besucher nichts. Die Buchung erfolgt über die Homepage der Theater und Philharmonie.

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