
Vier Jahre Ukraine-Krieg: Neues Leben in Essen
In Essen leben aktuell 10.235 geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer. Am 24. Februar jährt sich der Kriegsbeginn zum vierten Mal. Wir haben mit zwei Ukrainerinnen gesprochen, die ein neues Leben in Essen begonnen haben.
Veröffentlicht: Montag, 23.02.2026 12:27
Von der Ukraine nach Essen: "Chance, etwas Neues zu erleben"
Inzwischen ist es vier Jahre her. 2022 ist Olga mit ihren drei Kindern aus der Ukraine nach Essen geflüchtet. Seitdem haben sie sich gut eingelebt, sagt sie. Die Kinder gehen in die Schule und haben Freunde gefunden. Olgas Mann ist aber noch in der Ukraine und kämpft. Die Kinder vermissen ihren Papa und wollen gerne zurück. Das ist aber nicht so einfach. Neben Sicherheitsproblemen ist auch die Infrastruktur stark zerstört.
In der Wohnung der Familie in der Heimat ist die Heizung kaputt, berichtet Olga. Besonders bei der Kälte könnten sie dort nicht wohnen. Deshalb muss sie ihre Kinder vertrösten und mehr auf ihren Kopf als auf ihren Bauch hören, wie sie im Radio Essen-Interview erzählt. Denn auch sie möchte gerne zurück. Trotzdem versucht die Familie positiv zu bleiben und das Leben in Deutschland und bei uns in Essen als Chance zu sehen und das Beste daraus zu machen:
"Ich denke, dass alle kritischen Situationen im Leben nicht nur Herausforderungen sind, sondern gleichzeitig eine Chance, etwas Neues zu erleben. Die Kinder hätten vielleicht in der Ukraine niemals die Sachen gemacht, die sie hier machen. Meine Tochter macht hier zum Beispiel seit drei Jahren Fechten."
Auch Olgas zwei Jungs sind hier in Essen im Verein und machen einen Kampfsport.
Eine Brücke in Essen wird zum Lieblingsort
Dass es in Deutschland eine starke Vereinskultur gibt, findet Olga gut. Im Radio Essen-Interview erzählt sie, dass sie sich das auch in der Ukraine wünschen würde. Die Familie lebt in Rüttenscheid und hat sich dort gut eingelebt. Bevor sie hierher kamen, kannten sie zwar Köln oder Düsseldorf, die Stadt Essen aber nicht. Mittlerweile kennt Olga Essen aber gut und hat auch schon einen Lieblingsort:
Rockmusik aus der Ukraine in Essen
Mariia Krusenko ist 19 Jahre alt. Vor dreieinhalb Jahren ist sie aus der Ukraine nach Essen geflohen. Sie gehört zur fünfköpfigen Frauenband "The Sixters". Die ukrainische Band macht rockige Songs, meist mit englischen, manchmal aber auch mit ukrainischen Texten. Die jungen Frauen haben sich 2018 als Teenager zusammengetan und in der Ukraine einige Erfolge gefeiert.
Nach Kriegsausbruch sind die Mädchen mit ihren Müttern nach Deutschland geflohen. Inzwischen haben sie sich in Essen und Deutschland auch etwas aufgebaut, proben regelmäßig in Altenessen in einem Proberaum und lieben vor allem Open-Air-Konzerte.
"Letzten Sommer hatten wir fast jedes Wochenende Auftritte. Wir hoffen, dass es diesen Sommer wieder so wird. Wir lieben einfach die Musik und die Bühne."
Auch sie machen das Beste aus dem Leben in Deutschland.
Band aus Essen möchte sich für den Eurovision Songcontest bewerben
Die fünf Frauen aus Essen wollen sich auch wieder für den European Song Contest bewerben. Bei der ersten Bewerbung vor zwei Jahren sind sie gescheitert. "Da waren wir aber noch jung und unerfahren", sagt Mariia im Radio Essen-Interview und lächelt. Sie ist Sängerin und Gitarristin der Band. Im letzten Jahr hat sie ihr Fachabitur gemacht und möchte bald Bild und Ton studieren. Mittlerweile fühlt sie sich in Essen sehr wohl, aber besonders das erste Jahr sei schwierig gewesen.
"Die Deutschen sind nicht so offen wie die Menschen in der Ukraine. Ich habe auch oft sowas gehört wie "In Deutschland muss man deutsch sprechen". Mittlerweile kann ich das. Ich habe überlebt. Aber wir haben auch viel Hilfe bekommen, von der Stadt und von einzelnen Menschen. Insgesamt bin ich sehr dankbar."
Die meisten der mehr als 10.000 nach Essen geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer haben hier eine eigene Wohnung. In städtischen Flüchtlingsunterkünften wohnen nur noch rund 300, heißt es von der Stadt. Es kommen noch immer Menschen aus der Ukraine neu in Essen an, allerdings nicht mehr so viele.
Essen hilft in der Ukraine - Partnerschaft mit Riwne
In den vergangenen vier Jahren hat sich die Stadt Essen aber auch immer wieder für die Menschen eingesetzt, die in der Ukraine geblieben sind. Es gibt eine Partnerschaft mit der Stadt Riwne im Nordwesten des Landes. Im Moment wartet die Stadt Essen auf eine neue Liste mit Dingen, die in Riwne besonders dringend gebraucht werden. Wenn sie da ist, soll es ein Treffen der Essener Wirtschaft geben, um zu sehen, was möglich ist. Der Essener Verein "Ukraine wir kommen" transportiert außerdem mehrmals im Jahr Hilfsgüter in die Stadt und unterstützt Schulprojekte.

