
Wie kommt in Essen ein 11-jähriger hochbegabter Junge klar?
Alexander aus Essen ist 11 Jahre alt und geht aufs Gymnasium. Das ist schon seine zweite Schule. Er hat auch bereits eine Klasse übersprungen und ist damit der jüngste in der Klasse. Das macht es nicht immer einfacher für ihn. Am Anfang wurde er von seinen Mitschülerinnen und Mitschülern auch gemobbt. Inzwischen aber kommt er klar, sagt er im Interview mit Radio Essen-Stadtreporterin Anna Bartl. Trotzdem hat er nicht nur gute Noten. Zuletzt hatte er in Biologie sogar eine Fünf und konnte sich auf eine Drei verbessern. Das liegt oft daran, dass Lehrerinnen und Lehrer den Eindruck haben, dass er sich nicht ausreichend am Unterricht beteiligt, erzählt er weiter.
Bei den Hausaufgaben hat er auch immer wieder Probleme. Wenn die Aufgaben nicht präzise sind, dann überlegt er meist lange, was jetzt gemeint ist. Er erklärt das mit einem Beispiel: Für Alexander gibt es nicht nur einfach grün im Malkasten, für ihn gibt es viele verschiedene Grüntöne, helles Grün, mittleres Grün oder dunkles Grün und er überlegt dann länger, welche Farbe er benutzen soll. Inzwischen hat er seine Liebe zur Musik entdeckt und spielt Geige, Querflöte und singt im Chor, erzählt er im Interview.
Wie haben in Essen seine Eltern entdeckt, dass Alexander hochbegabt ist?
Alexanders Eltern haben in Essen zuerst ein aufgewecktes Kind erlebt. Er hat schneller sprechen gelernt als andere Kinder, immer viele Fragen gestellt. Seine Mutter Bianca hat das aber als normal erlebt. Erst in der Grundschule wurde langsam klar, dass da etwas war. Alexander war den anderen Kindern oft überlegen und hat es ihnen auch gezeigt, erzählt seine Mutter. Sie wollte der Sache auf den Grund gehen und hat sich vor allem im Internet über Hochbegabung informiert. Danach kam der IQ-Test und der hat bestätigt, dass Alexander einen hohen Intelligenzquotienten hat. Auch sie selbst hat sich danach testen lassen und sagt zum Ergebnis: "Ich weiß jetzt, was los ist und ich kann meinem Kind helfen."
Wie unterstützt in Essen das DORF die Familien und andere hochbegabte Menschen?
DAS DORF in Essen ist aus einer Selbsthilfegruppe entstanden. Inzwischen ist es ein eingetragener Verein und bietet Beratung zu unterschiedlichen Schwerpunkten an. Die Beraterinnen haben selbst eine Geschichte mit hochbegabten Menschen in ihrer Familie und ihrer Umgebung. Kinder und Jugendliche können miteinander spielen und sich austauschen. Auch die Eltern haben hier einen Platz, um über ihre alltäglichen Probleme zu sprechen. Andrea Steinforth erzählt im Radio Essen-Interview, dass es für viele eine große Erleichterung ist, wenn sie wissen, warum sie so sind, wie sie sind. Hochbegabte Menschen wirken meist so als würden sie von allem mehr machen. Sie denken mehr, sie sind lauter, manche sind aber auch leiser, der eine schneller, der andere langsamer. Wer ins DORF kommt, kann einen wissenschaftlich anerkannten Intelligenztest machen lassen. Hochbegabte Menschen sind nicht immer die, die auch Höchstleistungen erbringen. Sie haben eher Schwierigkeiten damit, ihre Begabung richtig auszuschöpfen, sagt sie weiter. Wer Hilfe oder einen Test braucht, ist im DORF immer willkommen.



