Essen nimmt erste Ortskräfte aus Afghanistan auf

Essen hat die ersten Ortskräfte aus Afghanistan aufgenommen. Sie haben für die Bundeswehr oder deutsche Organisationen in Afghanistan gearbeitet. Zunächst sind sechs Familien in Essen.

Essen nimmt erste Ortskräfte aus Afghanistan auf, Oberbürgermeister Thomas Kufen begrüßt sie
© Elke Brochhagen, Stadt Essen

Essen kümmert sich um Ortskräfte

Sie haben in Afghanistan für die Bundeswehr oder deutsche Organisationen gearbeitet. Doch mit der Machtübernahme der Taliban Mitte August wurde plötzlich alles anders. Die so genannten Ortskräfte hatten plötzlich Sorge um ihr eigenes Leben und das Leben ihrer Familien. Nur wenige von ihnen haben es in die Rettungsflüge geschafft, tausende sind zurück geblieben. Deutschland und das Land NRW haben sich bereit erklärt geflüchtete Ortskräfte aus Afghanistan aufzunehmen. Die Stadt Essen hat daraufhin gesagt, dass sie sich daran beteiligt.

Sechs Familien von Ortskräften in Essen

Nun sind die ersten sechs Ortskräfte mit ihren Familien in Essen angekommen. Drei Familien leben im Kloster in Schuir, die drei anderen in der Flüchtlingsunterkunft an der Papestraße in Holsterhausen. Die Betreuung übernehmen die Caritas und die Diakonie. Die Familien wurden mit Kleidung und anderen Dingen des Lebens versorgt, heißt es. In den nächsten Tagen werden sie beraten, wie ihr Leben in Essen weitergeht. Sie sollen unter anderem Integrations- und Sprachkurse besuchen.

Essen: Ortskräfte fürchten um ihr Leben

Die Ortskräfte aus Afghanistan haben automatisch eine Aufenthaltsgenehmigung für zwei Jahre. Sie müssen also kein Asyl beantragen. Die Stadt sagt, dass sie die Familien "bestmöglich bei den nun anstehenden Behördengängen und der Integration begleiten" will. Es ist zu erwarten, dass den sechs Familien noch weitere folgen werden. Die Taliban haben versprochen, dass den ehemaligen Ortskräften auch in ihrer Heimat nichts passiert. Das glauben aber nur wenige. Zuletzt gab es immer wieder Meldungen, dass die Taliban ein ähnliches Regime aufbauen wie in den 90er Jahren. Unter anderem dürfen an der Uni in Kabul aktuell keine Frauen studieren, in einigen Regionen dürfen Barbiere den Männern nicht mehr den Bart schneiden. Vier mögliche Entführer wurden von den Taliban getötet und auf öffentlichen Plätzen aufgehängt. Solche Meldungen machen auch die Sorgen der Ortskräfte größer.

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