
Essen kämpft gegen Kinderarmut - Das sind die Ideen aus der Praxis!
In Essen sind drei von zehn Kinder von Armut bedroht. In manchen Stadtteilen leben sogar die Hälfte aller Kinder in Haushalten, die Sozialleistungen bekommen. Vor allem für kleine Kinder ist das eine schwierige Situation. Ein Projekt bietet jetzt neue Ideen dagegen.
Veröffentlicht: Freitag, 19.06.2026 11:53
Was passiert in Essen, um benachteiligten Kindern zu helfen?
In Essen haben 14 Kitas bei einem Projekt mitgemacht und gemeinsam viele praktische Ideen entwickelt, um Kindern aus ärmeren Familien mehr Chancen zu bieten. Zuerst ging es darum, dass alle Beteiligten anerkennen, dass die Familien in dieser Situation sind und Sozialleistungen bekommen. Die Erzieherinnen und Erzieher haben versucht, diese Lage nicht zu bewerten oder die Familien abzuwerten. Allein das hilft vielen Familien dabei, dass sie sich anerkannt fühlen und ihre Probleme wahrgenommen werden. Diese Probleme zeigen sich in ganz alltäglichen Dingen. Manche Eltern können ihren Kindern keine Sachen zum Wechseln mit in die Kita geben. Sie haben kein Geld, um den Kindern einen Regenmantel oder Gummistiefel zu kaufen. Die Erzieherinnen in den Kitas haben deshalb jetzt einen Unterwäschefundus. So müssen sie keine belastenden Gespräche mit den Eltern führen und den Kindern ist damit auch geholfen. In einigen Kitas wurden Kleidertauschschränke eingerichtet, die allen Familien offen stehen und sogar von Familien aus dem Stadtteil genutzt werden können.
Wie bieten Kitas in Essen Kindern gleiche Chancen?
In den beteiligten Kitas in Essen wurden Leseecken eingerichtet, damit die Kinder immer ein Buch in die Hand nehmen können. Bei der Auswahl der Kinderbücher haben die Erzieherinnen genau hingeschaut, welche Lebenswelten in den Büchern dargestellt sind. Zum Mitnehmen haben die Erzieherinnen Ausleihtaschen zusammen gestellt. Darin sind Spiele, Stifte und mehrsprachige Bücher. Die Taschen können Eltern am Wochenende ausleihen und so mit ihren Kindern zuhause weiter spielen und lernen. Außerdem werden in den Kitas auch die Kindergeburtstage gefeiert. Die Eltern sind dabei nicht verpflichtet etwas mitzubringen. Die Kinder können sich aus dem Fundus Süßigkeiten aussuchen, die an alle verteilt werden und außerdem gibt es ein kleines Geschenk aus der Geschenkekiste. So können alle Kinder zusammen Geburtstag feiern. Kinder, die in die Schule kommen, bekommen eine selbst gebastelte Schultüte mit oder auch einen Schulranzen. So können sich alle auf die Einschulung freuen.
Die Kinder haben während des Progekts viel gelernt, zum Beispiel indem Forschertische aufgebaut wurden, an denen sie experimentieren konnten. Sie konnten draußen im Garten spielen, es wurden Hochbeete angelegt und ein mobiler Hühnerstall mit Leihhühnern machte die Runde.
Wie geht es in Essen mit dem Projekt weiter?
Die Stadt Essen will die entstandenen Ideen auch an andere Kitas weitergeben. Außerdem sollen die Erzieherinnen und Erzieher weiter darin geschult werden, wie sie Kinder und Eltern in schwierigen Lebenslagen besser unterstützen können. Insgesamt gibt es in Essen 132 plusKITAS, in denen Kinder gleiche Chancen bekommen sollen. Alle sollen miteinander Standards verabreden, um die Kinder zu unterstützen. Es haben dazu bereits einzelne Veranstaltungen mit Kita-Trägern stattgefunden. Das Projekt wurde wisschenscahftlich begelitet und von der RAG-Stiftung finanziert. Jede Kita, die mitgemacht hat, hat pro Jahr 10.000 Euro bekommen. Damit alle in Kontakt bleiben, hat die RAG-Stiftung auch eine halbe Stelle beim Jugendamt finanziert. Die Kitas können in diesem Jahr außerdem zusätzlich Geld beantragen, das sind 2500 Euro pro Kita für Dinge, die den Kindern helfen.