
Wie einsam sind die Menschen in Essen?
Sie pflegt ihre demente Mutter. Er arbeitet ständig im Home Office. Sie ist immer von Menschen umgeben, fühlt sich aber nicht dazugehörig. Er lebt auf der Straße. Einsamkeit hat viele Gesichter. Und Einsamkeit ist ein großes Problem, dass sich auch in Essen zeigt. Ältere Menschen sind häufig einsam, aber laut dem bundesweiten Einsamkeitsbarometer sind besonders junge Erwachsene betroffen. Das hat verschiedene Gründe: Schwierige Lebenssituationen, keine Arbeit, wenig Geld, wenige Freunde oder die Qualität der Beziehungen ist nicht so gut wie gewünscht. Auch die Corona-Pandemie wirkt in vielen Menschen noch nach. Das Problem: Einsamkeit kann krank machen. Deswegen möchte die Stadt mehr dagegen tun. Sie sagt: In einer großen Stadt muss niemand einsam sein.
Was plant die Stadt Essen gegen Einsamkeit?
Die Stadt Essen hat sich schon 2024 mit Menschen aus der Politik, der Verwaltung, aus Vereinen und von Wohlfahrtsverbänden zusammengetan. Sie alle haben überlegt, was die Stadt gegen Einsamkeit tun kann. Daraus ist eine Charta mit acht Leitsätzen entstanden. Sie muss im Juli noch vom Rat verabschiedet werden und soll danach von verschiedensten Unternehmen und Einrichtungen in Essen unterschrieben werden. Damit verpflichten sich die Unterzeichner, die Leitsätze einzuhalten und gemeinsam gegen Einsamkeit zu kämpfen.
Bisher gibt es in Essen schon die Charta für ein menschenwürdiges Sterben. Die Charta zur Verhinderung und Bekämpfung von Einsamkeit wäre damit die zweite Charta der Stadt Essen.
Was genau können wir gegen Einsamkeit tun?
In Essen gibt es schon viele soziale Angebote, wie Stadtteilzentren, Nachbarschaftstreffs, Selbsthilfegruppen und Kulturangebote. Es müssen also nicht zwingend neue Angebote geschaffen werden. Sondern: Die Menschen müssen den Weg zu den bestehenden Angeboten finden und den Mut haben sie wahrzunehmen. Genau das soll durch die Leitsätze passieren, sagt die Stadt. Sie sollen Mitarbeitende in Unternehmen und Einrichtungen, aber auch jeden Bürger und jede Bürgerin in der Stadt für das Thema Einsamkeit sensibilisieren. Zum Beispiel kann ich als Kollege einen anderen Kollegen ansprechen, der sich seit einigen Wochen komisch oder anders verhält. Oder ich kontaktiere eine Bekannte, die plötzlich nicht mehr zum Sportkurs kommt. Oder ein Busfahrer spricht einen Mann an, der schon seit drei Stunden ziellos mit dem Bus durch die Gegend fährt. Hinter all diesen Verhaltensweisen kann Einsamkeit stecken. Der erste Schritt daraus ist, dieses Verhalten anzusprechen und zu zeigen, dass der Mensch dahinter gesehen wird.
"Wir wollen sensibel sein, wir wollen für die Menschen Orte schaffen, die Einsamkeit überwinden, wir wollen auf Menschen zugehen. Für mich ist die Charta ein ganz starkes Zeichen, dass wir als Bürgerinnen und Bürger, als Stadtgesellschaft zusammenhalten, zusammenstehen, aufeinander Acht geben", sagt Stadtdirektor Peter Renzel.