
Ein Tag im Krematorium in Essen – das passiert hinter den Kulissen
Wie funktioniert eigentlich eine Einäscherung in Essen? Wie sehen die Öfen aus? Und wie heiß wird es im Krematorium? Diese und mehr Fragen wurden am Samstag (14.März) am Tag der offenen Tür im Krematorium in Essen beantwortet. Radio Essen hat auch einen Blick hinter die Kulissen geworfen.
Veröffentlicht: Samstag, 14.03.2026 15:37
Was war los im Krematorium in Essen?
Wie geht es für meinen Körper nach dem Tod in Essen weiter? Das ist eine Frage, die sich jeder frühzeitig stellen sollte, findet Martin Buschmann, Leiter der Städtischen Friedhöfe.
"In der Situation, wenn der Tod eingetreten ist, sind die Angehörigen in einer hochemotionalen Situation und fällen in dem Moment vielleicht nicht die richtige Entscheidung, die man im Nachhinein kaum mehr rückgängig machen kann."
Als Erstes sollte man sich deswegen überlegen, wie man bestattet werden möchte, sagt er. In einem Sarg? Oder doch lieber in einer Urne? Wer eine Einäscherung in Erwägung zieht oder einfach nur neugierig war, der konnte am Samstag (14. März) zum Tag der offenen Tür im Krematorium am Hellweg in Essen gehen. Dort gab es einen Blick hinter die Kulissen. Genauer: hinter die Öfen. Besucherinnen und Besucher konnten sich genau anschauen, wo Verstorbene verbrannt werden und wie es mit der Asche weitergeht - natürlich nur theoretisch, kein Ofen war wirklich in Betrieb.
Wie läuft eine Einäscherung in Essen ab?
Eine verstorbene Person einzuäschern ist ein langer Prozess: Ofen an, verstorbene Person rein, Asche raus - so einfach ist das nicht. Wenn ein Verstorbener oder eine Verstorbene im Krematorium in Essen ankommt, muss erst noch einmal kontrolliert werden, ob die Person tatsächlich einen natürlichen Tod gestorben ist. Danach können sich Angehörige in einem Abschiedsraum vom Körper der Person verabschieden. Im nächsten Schritt muss die Person in einen Holzsarg gelegt werden - der Sarg spielt eine wichtige Rolle im späteren Verbrennungsprozess. Dann geht es in den Einführungsraum. Über eine Schiene wird der Sarg in den Kremationsofen eingeführt. Im Gasofen herrschen dann schon 650 Grad, Feuer ist aber noch nicht zu sehen. Dafür ist der Sarg zuständig - das Holz entzündet sich bei den hohen Temperaturen selbst und bringt den Verbrennungsprozess ins Rollen. Irgendwann herrschen im Ofen dann Temperaturen bis 900 Grad.
"Wenn die Hauptverbrennung nach circa einer Stunde vollzogen ist, wird eine Drehplatte bewegt und die Reste des Verstorbenen fallen in die nächste Ebene - in die Nachbrennkammer, wo die Entmineralisierung stattfindet," erklärte Martin Buschmann im Radio Essen-Gespräch.
Dort wird die Asche bei 850 Grad unter anderem gefiltert. Bei der Verbrennung können giftige Stoffe, zum Beispiel Dioxine, entstehen, die auf keinen Fall an die Luft dürfen. Sie werden im Krematorium in Fässern aufgefangen und später untertage deponiert. Nach einer Stunde geht es für die Asche weiter in die Kühlkammer und von dort auf den Sortiertisch. Da können dann zum Beispiel künstliche Gelenke aus der Asche geholt werden. Außerdem werden die Knochen der verstorbenen Person ausgelesen, gemahlen und wieder zur Asche gegeben. Etwa 5 Kilogramm Überreste sind am Ende des Prozesses von der verstorbenen Person übrig. Zum Schluss kommt alles in eine Urne. Die Urne wird dann auf einem Friedhof beerdigt. Von der Ankunft des Körpers im Krematorium bis zur Asche in der Urne dauert es in Essen in der Regel zwei bis drei, maximal zehn Tage.
Woher weiß ich, welche Asche in Essen zu welcher Person gehört?
Das Krematorium in Essen hat zwei Verbrennungsöfen. Um immer zu wissen, welche Asche zu welcher Person gehört, gibt es den Identitätsstein. Dieser Stein ist aus dem gleichen Material wie die Innenverkleidung der Öfen - er ist also feuerfest und kommt vor der Verbrennung mit in den Sarg. Auf dem Stein ist eine Nummer, an der man erkennen kann, wessen Asche gerade abkühlt. Außerdem zeigt die Nummer an, die wievielte Verbrennung im Krematorium in Essen das gerade ist. Seit der Inbetriebnahme des ersten Krematoriums im Jahr 1937 wurden in Essen über 190.000 Verstorbene eingeäschert. Wenn die Asche dann in die Urne gefüllt wird, wird diese mit den Daten der verstorbenen Person beschriftet.
Was gibt es im Krematorium in Essen noch zu sehen?
Im Krematorium in Essen werden verstorbene Menschen nicht nur verbrannt, sondern zum Beispiel auch aufgebahrt. In mehreren Trauerhallen oder im Abschiedsraum können sich Angehörige dann von ihren Liebsten verabschieden. Auf Wunsch können sie auch bei der Einführung des Sarges in den Verbrennungsofen dabei sein. Nachdem das Krematorium lange umgebaut wurde, ist jetzt alles fertig. Deswegen können die Räumlichkeiten und die Öfen im Krematorium in Essen ab April jeden ersten Dienstag im Monat besichtigt werden.








