
Digitaltag in Essen: Stadtarchiv stellt digitales Angebot zur Familienforschung vor
Am Freitag (26. Juni) findet in Essen der Digitaltag statt. Dort stellt das Stadtarchiv zum ersten Mal sein digitales Angebot zur Familienforschung vor. Was es damit auf sich hat, lest Ihr hier.
Veröffentlicht: Freitag, 26.06.2026 03:24
Was ist das digitale Angebot des Stadtarchivs Essen zur Familienforschung?
In welchem Stadtteil in Essen hat meine Familie die letzten Jahrzehnte gelebt? Wer waren eigentlich meine Urgroßeltern? Fragen, die sich der eine oder andere bestimmt schonmal gestellt hat. Das Stadtarchiv Essen, auch bekannt unter dem Namen "Haus der Essener Geschichte", hat in den letzten Jahren viele ihrer Dokumente digitalisiert. Ab sofort könnt Ihr von zu Hause aus auf den Großteil der Namensverzeichnisse aus Essen zugreifen. Die Namensverzeichnisse sind oft der Startpunkt für die Ahnenforschung. Mit ihnen können die Registernummern von einzelnen Personen ermittelt werden. Mit Registernummern kann dann gezielt nach Geburts-, Heirats- oder Sterbeeinträgen gesucht werden.
Radio Essen hat das ausprobiert. Şeyma Yurdakul ist die Ansprechpartnerin für Personenstandsregister des Stadtarchivs Essen - sie hat den Familienstammbaum von Frühschicht-Moderator Joshua Windelschmidt ermittelt. Und das, obwohl, sie nur den Namen und das Geburtsdatum von seinem Urgroßvater wusste.
Was passiert beim Digitaltag in Essen?
Am Burgplatz in Essen könnt Ihr Euch am Freitag (26. Juni) von 10 bis 15 Uhr die Online-Dienste verschiedener Ämter anschauen. Das Haus der Essener Geschichte macht mit und zeigt Euch das neue digitale Angebot zur Familienforschung.
"Wir stellen Euch unsere Datenbank vor und geben Tipps und Tricks, wie man darin recherchiert. Es ist leider nicht so einfach, dass man einfach einen Namen eingibt und direkt auf ein Ergebnis kommt. Deswegen geben wir eine kleine Erstberatung, wie man von zu Hause aus recherchieren kann", sagt Şeyma Yurdakul.
Also konkret: Am Digitaltag wird ausführlich erklärt, wie Ihr in der Datenbank des Stadtarchivs Essen nach den eigenen Vorfahren recherchieren könnt. Es sei nicht möglich am Stand selber schon zu forschen, da das Recherchieren viel Zeit beanspruchen kann.
Die Familienforschung ist nämlich gar nicht mal so einfach.
"Das Beste wäre, wenn man einen Namen hat und/oder wenigstens eine Zeitspanne. Das man zum Beispiel weiß, dass zwischen 1901 und 1905 der Großvater geboren ist. Dann kann man die Suche begrenzen und in den jeweiligen Jahren suchen. Mit solchen Informationen können wir dann teilweise bis zur vierten oder fünften Generation zurück recherchieren", erklärt Şeyma Yurdakul vom Stadtarchiv Essen.
Wer schnell an genaue Informationen zu den eigenen Vorfahren kommen möchte, sollte also bestenfalls schon ein paar Daten parat haben.
Wie könnt Ihr von zu Hause aus zu Euren Vorfahren aus Essen forschen?
Aber wie forsche ich denn jetzt eigentlich selber von Zuhause aus? Şeyma Yurdakul vom Haus der Geschichte in Essen erklärt Euch Schritt für Schritt, wie ihr vorgehen müsst:
Darauf müsst Ihr bei der Ahnenvorschung in Essen achten: Die verschiedenen Stadtteile in Essen haben sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Das kann Auswirkungen auf den jetzigen Standort der Urkunden haben:
"Wenn ich zum Beispiel weiß, dass mein Urgroßvater in Essen-Haarzopf geboren ist, muss ich schauen, ob Haarzopf zu der Zeit überhaupt zu Essen gehört hat oder nicht eventuell noch zu Mülheim gehörte. Wenn Haarzopf zu der gesuchten Zeit ein Teil von Mülheim war, ist die Geburtsurkunde im Stadtarchiv in Mülheim, nicht in Essen", betont Yurdakul.
Und das ist ebenfalls wichtig zu wissen: Das Stadtarchiv in Essen hat verschiedene Schutzfristen. Das sind bestimmte Zeiträume, in denen historische oder personenbezogene Unterlagen und Urkunden nicht von der Öffentlichkeit eingesehen werden dürfen. Geburtsurkunden haben eine Schutzrist von 110 Jahren. Aktuell hat das Stadtarchiv Geburtsurkunden bis zum Jahr 1915. Heiratsurkunden haben Schutzfristen von 80 Jahren. Also befinden sich nur Heiratsurkunden bis 1945 im Stadtarchiv. Sterbeurkunden haben eine Schutzfrist von 30 Jahren. Das heißt, aktuell hat das Stadtarchiv die jeweiligen Urkunden bis 1995 vor Ort. Alle Urkunden darüber hinaus, also alles was jünger ist, befindet sich in dem jeweiligen Standesamt in Essen.
Ist die Familienforschung im Stadtarchiv Essen ausschließlich digital?
Durch das neue digitale Angebot des Stadtarchivs in Essen könnt Ihr ab sofort in der Online-Datenbank auf den Großteil der Namensverzeichnisse zugreifen. So könnt Ihr die verschiedenen Registernummern Eurer Vorfahren ermitteln. Hat das geklappt hat, könnt Ihr die Urkunden kostenpflichtig per E-Mail anfragen oder selbst in das Stadtarchiv in Essen gehen. Es ist natürlich auch möglich zum Forschen in den Lesesaal zu gehen. Dort gibt es mehrere Computer zum Recherchieren. Aus Datenschutzgründen ist es dem Stadtarchiv nicht möglich, die Urkunden ebenfalls in die Online-Datenbank zu übertragen. Aber warum wird jetzt alles digitaler? Şeyma Yurdakul erklärt die Hintergründe:
"Mittlerweile sind die meisten Urkunden digital, damit die originalen Urkundenregister geschützt werden und nicht mehr angefasst werden müssen, damit diese für die Ewigkeit haltbar sind. Man muss natürlich bedenken, dass ein Geburtsregister von 1915 schon 110 Jahre alt ist. Das heißt es sind fragile Bücher und jedes Mal wenn wir sie vorlegen, werden sie noch fragiler."
Ein anderer Vorteil der Digitalisierung sei, dass es die Suche für diejenigen erleichtert, die nicht aus Essen kommen. Sie können die erste Recherche von zu Hause aus durchführen und sparen sich dadurch viel Zeit.
Was kostet die Auskunft beim Stadtarchiv in Essen?
"Wir erheben für die Personenschutzregister eine Gebühr von fünf Euro je Auszug. Theoretisch können wir die auch direkt beglaubigen, wenn man die beispielsweise beim Amtsgericht vorzeigen muss. Das wären dann zusätzliche sechs Euro. Wir können Urkunden auch per Scan mit einem Gebührenbescheid verschicken, dass man die Gebühr dann auch überweisen kann. Das würde auch fünf Euro kosten. Theoretisch kann man bei uns auch Recherchen aufgeben. Das kostet dann aber natürlich auch was - 12,50 Euro pro angefangene Viertelstunde. Aber wenn man in der Gegend lebt und vorbeikommen möchte, dann kann man auch selber recherchieren und die Urkunden dann auch meistens direkt mitnehmen", sagt Şeyma Yurdakul.
Ca. 3.000 Anfragen erhält das Stadtarchiv Essen jährlich. 90 Prozent davon drehen sich um die Familienforschung.