
Nach Demos in Essen: Polizei zieht Bilanz
In Essen kam es heute im gesamten Stadtgebiet zu zahlreichen Versammlungen. Die Polizei war mit verstärkten Kräften im Einsatz und hatte sich auf die verschiedensten Szenarien vorbereitet - das habe sich bewährt, heißt es jetzt von der Polizei Essen. Demnach verliefen die Versammlungen weitestgehend friedlich.
Insgesamt stellte die Polizei Essen 14 Strafanzeigen - unter anderem wegen Körperverletzung und Pyrotechnik. Dabei wurde eine Person in Gewahrsam genommen, fünf weitere bekamen Platzverweise.
Einen Polizeieinsatz hatten Teilnehmende der Versammlung der rechtsextremen Partei "Die Heimat" schon am frühen Morgen auf dem Weg ausgelöst: Gegen 7 Uhr hatten Polizisten an einem Haus in Dortmund-Dorstfeld 25 Reichsflaggen entdeckt. Laut Polizei kommen in dem Gebäude regelmäßig Rechtsextremisten zusammen. Nach Aufforderung der Polizei, die Flaggen abzuhängen, warfen Menschen einen Gegenstand aus dem Fenster, der einen der Einsatzkräfte nur knapp verfehlte. Über Social Media wurden weitere Anhänger des rechten Spektrums aufmerksam gemacht - einige kamen auch zu dem Haus. Laut Polizei haben sich dann aber rund 20 Menschen auf den Weg zum Dortmunder Hauptbahnhof gemacht. Im Zug nach Essen haben dann Einsatzkräfte der Bundespolizei die Gruppe begleitet und am Bahnhof in Altenessen wurden sämtliche Personalien von Tatverdächtigen aufgenommen - dadurch kamen einige Teilnehmende später am Treffpunkt an als erwartet.
Insgesamt waren 28 Versammlungen für den 1. Mai in Essen angemeldet - stattgefunden haben laut Polizei davon nur 15. Knapp 4.500 Demonstrierende waren im Essener Stadtgebiet unterwegs. Der Anteil der Teilnehmenden aus dem rechten Spektrum fiel dabei deutlich kleiner aus als angekündigt, die Zahl der Gegendemonstranten wiederum deutlich höher als erwartet.
Laut Polizei verlief die überwiegende Zahl der Versammlungen störungsfrei. Polizeiführer Peter Both zeigt sich zufrieden nach dem Einsatzende:
"Unser Ziel war und ist es immer, das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten, Gegenprotest zuzulassen und Auseinandersetzungen zu verhindern- was uns heute vollumfänglich gelungen ist. Die Einsatzkräfte haben einen super Job gemacht. Wir können den Essenerinnen und Essenern ihre Innenstadt besenrein wieder zurückgeben."
Ticker aus Essen zu den Demos am 1. Mai
19:48 Uhr: Die Innenstadt leert sich, die Versammlungen lösen sich auf. Eine Gesamtbilanz der Polizei steht noch aus. Die soll entweder heute am späten Abend oder morgen kommen. Wir beenden diesen Ticker, melden uns aber, sollte es heute doch noch weitere Infos geben.
19:25 Uhr: Seit rund siebeneinhalb Stunden sind die Demonstrierenden gegen Rechts in Essen auf den Beinen. Tim aus Rüttenscheid und Jojo aus Holsterhausen sind langsam k.o. "Langsam merke ich es ein bisschen in der Stimme und überraschend auch in den Beinen. Weil das war wahnsinnig viel Gelaufe heute", sagt Tim. Er freut sich darüber, dass so viele auf die Straße gegangen sind.
19:00 Uhr: Auf dem Kennedyplatz läuft die Kundgebung der Partei "Die Heimat" weiter mit Wort- und Musikbeiträgen. Unserer RE-Stadtreporterin schätzt, dass dort noch maximal 150 Rechtsextreme sind. Auch die Gegenseite ist deutlich geschrumpft, bleibt aber standhaft und laut.
18:33 Uhr: Die Polizei Essen ist zufrieden, damit wie der Tag bisher verlaufen ist. Pressesprecher Hendrik Heyer sagt, die verschiedenen Versammlungen dauern noch an. Bisher sei zu keinen besonderen Vorkommnissen gekommen.
18:28 Uhr: Die Demonstrierenden ziehen wieder in Richtung des Kennedyplatzes.
18.00 Uhr: Die Anhänger der Partei "Die Heimat" sind jetzt auf Höhe des Gänsemarkts. Sie rufen Parolen wie "Deutschland den Deutschen!"
17:44 Uhr: Die Versammlungen am Kennedyplatz lösen sich langsam auf. Einige ziehen in Richtung des Limbecker Platzes. Die Polizei geht davon aus, dass einige Versammlungen noch bis in den Abend andauern. Die der Rechten ist bis 22 Uhr angemeldet.
17:35 Uhr: Einige der Gegendemonstrierenden setzen sich in die Sonne und machen einen Pause. Sie sind schon seit dem späten Vormittag auf den Beinen. Andere singen linke Lieder. Wieder andere bleiben an den Absperrungen und rufen den Rechtsextremen entgegen.
17:30 Uhr: Bei den Rechten ist gerade Pause. Sie wollen gleich vom Kennedyplatz aus weiter durch die Innenstadt ziehen.
17:27 Uhr: Die Stimmung bleibt weiter friedlich. Einige Gegendemonstrierende haben angefangen im Kreis zu tanzen. Andere haben aber das Gefühl, die Polizei schütze eine illegale Demo - die der "Heimat".
16:58 Uhr: In den Redebeiträgen der Partei "Die Heimat" wird unter anderem gesagt: "Man kann Absperrungen aufstellen und uns den Saft abdrehen, wir holen uns das Land und diese Stadt zurück."
16:45 Uhr: Am Kennedyplatz läuft die Kundgebung der Partei "Die Heimat" mit einem Info- und einem Würstchenstand. Der Großteil des Platzes ist von der Polizei gesperrt. Auf der anderen Seite demonstrieren die Gruppen gegen Rechts. Soweit ist alles friedlich.
16:40 Uhr: Die rechten Demonstrierenden ziehen am Dom vorbei zum Kennedyplatz. Überall werden ihnen Sprüche wie "Ruhrpott, Nazifrei!" zugerufen.
16:38 Uhr: Die Polizei ist in Deutschland dafür zuständig das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit zu schützen. Das gilt auch für Parteien die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft werden, aber nicht verboten sind, so wie "Die Heimat" - die Nachfolgepartei der NPD.
16:34 Uhr: Die Gegendemonstrierenden sind lauter als die Rechtsextremen und deutlich in der Überzahl, sagen unsere RE-Stadtreporterinnen. Immer wieder geraten sie an Absperrungen der Polizei. Deswegen rufen einige "Deutsche Polizisten schützen die Faschisten."
16:13 Uhr: Die rechtsextremen Demonstrierenden starten ihren Demozug vom Hirschlandplatz aus. Sie halten Fahnen hoch, mit dem Logo der Partei "Die Heimat". Außerdem steht auf einem Banner "Bekämpft den linken Terror."
16:02 Uhr: Auf der Rathenaustraße Ecke Kapuzinergasse, in der Nähe vom Willy-Brandt-Platz sind aktuell viele Demonstrierende gegen Rechts unterwegs. Sie rufen immer wieder "Nazis raus!"
15:54 Uhr: Am Hirschlandplatz sind aktuell rund 200 Rechtsextreme - immer noch deutlich weniger als die angekündigten 500. Sie stellen sich trotzdem langsam auf und wollen gleich durch die Innenstadt ziehen. Das passiert allerdings deutlich später als geplant.
15:45 Uhr: Auch einige normale Passanten sind in der Stadt, so wie Lars aus Mülheim. Er will gleich noch zum Museum Folkwang, ist aber zufällig in der Innenstadt gelandet. Die Stimmung nimmt er als positiv wahr, trotz der vielen Polizei- und Sicherheitskräfte.
15:39 Uhr: Gerade wird es wieder lauter vor der Radio Essen-Redaktion. Eine große Gruppe zieht in Richtung Hans-Toussaint-Platz und Hirschlandplatz. Auch vor dem Grillo-Theater wird es wieder lauter. Die Polizisten dort setzen ihre Helme auf und machen sich bereit, sagt unsere RE-Stadtreporterin.
15:17 Uhr: Katharina Schwabedissen von Verdi ist zufrieden mit der Demo der Gewerkschaften. Sie findet nicht, dass die Forderungen der Gewerkschaften untergegangen sind, sondern: "Die Forderungen der Gewerkschaften gehen Hand in Hand mit dem Kampf gegen Faschismus."
15:03 Uhr: Auf dem Burgplatz, wo die Gewerkschaften sich für ihre Kundgebung getroffen haben, ist die Bühne schon leer. Stände werden größtenteils abgebaut. Der 1. Mai ist traditionell der Tag der Gewerkschaften. In diesem Jahr stand er unter dem Motto "Erst unsere Jobs, dann eure Profite." Die Gewerkschaften hatten für dieses Jahr aber auch dazu aufgerufen gegen Rechts auf die Straße zu gehen. In einem früheren Statement hatte Jan Mrosek, der Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes für Mülheim, Essen und Oberhausen gesagt: "Wir lassen uns den 1. Mai nicht nehmen, er gehört all denen, die für Solidarität, soziale Gerechtigkeit und Demokratie einstehen."
14:51 Uhr: Am Bahnhof in Altenessen hat die Essener Polizei rund 50 Personen kontrolliert und ihre Personalien aufgenommen. Hintergrund ist ein Vorfall in Dortmund-Dorstfeld. Laut der Polizei Dortmund waren dort an einem Haus 25 Reichsflaggen aufgetaucht. Das ist eine Ordnungswidrigkeit. Die Bewohner des Hauses seien dem rechtsextremistischem Spektrum zuzuordnen. Die Polizei hatte sie aufgefordert die Flaggen abzunehmen - das sei aber nicht passiert. Deswegen mussten die Polizisten die Flaggen abnehmen. Dabei wurden sie mit einem Gegenstand beworfen, der sie nur knapp verfehlt hat. Das ist eine Straftat. Den mutmaßlichen Täter konnte die Dortmunder Polizei vorläufig festnehmen. Andere aus seiner Gruppe sind mit der Bahn nach Essen gereist. Der Vorfall scheint die Demonstration der Rechtsextremen auf dem Hirschlandplatz verzögert zu haben.
14:41 Uhr: Zahlen dazu, wie viele Demonstrierende wo unterwegs sind, hat die Polizei Essen aktuell nicht. Sie sagt bisher ist alles überwiegend friedlich.
14:07 Uhr: Rund um die Marktkirche wird es nicht voller, sagt unsere Radio Essen-Stadtreporterin. Einige Demonstrierende haben sich aber am Kennedyplatz eingefunden. Auch ansonsten sind in der Innenstadt viele Grüppchen unterwegs.
14:02 Uhr: Immer mehr Gegendemonstrierende gehen an den Absperrungen vorbei auf die andere Seite des Hirschlandplatzes, um auch von dort den Rechtsextremen "auf die Pelle zu rücken". So werden die Rechtsextremen von beiden Seiten beschallt.
13:43 Uhr: Demonstrantin Annabelle findet es gut, so nah bei den Rechtsextremen zu sein und ihnen so auf die Pelle zu rücken.
13:29 Uhr: Vor dem Radio Essen-Fenster wird es leerer. Durch Lautsprecher ruft eine Demonstrierende dazu auf, weiter zur Marktkirche zu ziehen.
13:26 Uhr: Die Gegendemonstrierenden rufen Parolen wie "Ob Ost, ob West - Nieder mit der Nazi-Pest!" Es sind außerdem laute Bässe zu hören. Die Rechtsextremen hingegen sind sehr leise, sagt unsere Radio Essen-Stadtreporterin.
13:17 Uhr: Absperrungen und Polizisten hindern die verschiedenen Demonstrierenden daran aufeinander zu treffen.
13:07 Uhr: Auch die Rechtsextremen kommen jetzt am Hirschlandplatz zusammen. Es sind wenige im Gegensatz zu den Gegendemonstrierenden, sagt unserer RE-Stadtreporterin. Die Demonstrierenden passen nicht alle auf den Hans-Toussaint-Platz. Es staut sich zurück bis in die Fußgängerzone.
13:01 Uhr: Es kommen immer mehr Demonstrierende an der Redaktion vorbei. Es ist laute Musik zu hören. Der Hans-Toussaint-Platz wird immer voller. Es sind Regenbogen und Antifa-Flaggen zu sehen. Die Demonstrierenden rufen "Siamo tutti antifascisti!"
12:54 Uhr: Der Demozug ist an der Radio Essen-Redaktion in der Lindenallee angekommen. Trillerpfeifen und Trommeln sind zu hören. Die Demonstrierenden ziehen zum Hans-Toussaint-Platz, nahe des Hirschlandplatzes.
12:32 Uhr: Die Demonstrierenden ziehen in Richtung Innenstadt. Da haben sich schon etliche Polizeiwagen aufgestellt, direkt vor der Radio Essen-Redaktion. Die Polizei Essen ist im Großeinsatz und wird von Polizistinnen und Polizisten aus umliegenden Städten unterstützt.
12:16 Uhr: Mit dabei bei der Demo ist Petra aus Rüttenscheid. Sie findet es wichtig an einem Tag wie heute Stellung zu beziehen. "Um einfach zu zeigen, dass wir ganz viele sind, die eben nicht mit Nazis zusammenleben möchten." Für sie zählt zu ihrer Heimat bunte Vielfalt.
12:05 Uhr: Der Rüttenscheider Markt ist gut gefüllt, sagt unsere RE-Stadtreporterin vor Ort. Hier setzt sich langsam der Demo-Zug in Bewegung. Viele Menschen unterschiedlichster Gruppen sind dabei, sagt unserer RE-Stadtreporterin vor Ort: Verdi, Fridays for Future. Viele halten Plakate in den Händen. Darauf steht so etwas wie "1. Mai-Nazifrei".
Was passiert in Essen am 1. Mai 2026?
Die Polizei Essen ist am 1. Mai im Großeinsatz. Sie erwartet rund 4.500 Menschen auf den Straßen. Wie jedes Jahr rufen die Gewerkschaften zu ihrer traditionellen 1. Mai-Demo auf - für sichere Jobs und soziale Gerechtigkeit. Sie laufen um 12 Uhr vom Rüttenscheider Markt, am Hauptbahnhof vorbei zum Burgplatz. Am Anfang bekommen sie Unterstützung von Gruppen und Bündnissen wie "Essen stellt sich quer". Sie gehen gegen Rechts auf die Straße. In der Innenstadt trennen sie sich von den Gewerkschaften und laufen in Richtung des Hirschlandplatzes. Dort in der Nähe werden rund 500 Rechtsextreme erwartet, aufgerufen von der Partei "Die Heimat", die in Essen ihre Landesparteizentrale hat.
Wir von Radio Essen berichten hier im Ticker von den Demos.

















