"Corona-Verschwörung": Auch in Essen wird demonstriert

Die Infektionszahlen sinken, die Corona-Maßnahmen werden gelockert - und genau zu diesem Zeitpunkt wird der Widerstand gegen die geltenden Einschränkungen groß. Deutschlandweit gab es Straßen-Proteste, auch bei uns in Essen.

Aushang Covid-Verschörungstheorie Corona Lüge
© Theo aus Heisingen

Essen: Corona-Proteste in Rüttenscheid und der Innenstadt

Obwohl gerade die Corona-Beschränkungen schon an vielen Stellen zurückgefahren werden, wächst gleichzeitig der Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen. Bei uns in Essen gab es zwei Aktionen, auf dem Hirschlandplatz und der Rüttenscheider Straße. Die Stadt geht davon aus, dass es solche Demonstrationen in Zukunft häufiger geben könnte.Deutschlandweit haben rund 15.000 Menschen protestiert.

Der Demozug mit rund 250 Menschen durch Rüttenscheid wurde allerdings nach einiger Zeit von der Polizei aufgelöst, weil er nicht angemeldet war. Die Kundgebung am Hirschlandplatz war angemeldet, mit knapp 20 Teilnehmern aber eher klein und auch ansonsten unauffällig. Anders als in Rüttenscheid hielten sich dort alle an die Abstandsregeln, sagen unsere Radio Essen Stadtreporter.

Verschwörungstheoretiker und Reichsbürger demonstrieren mit

Deutschlandweit sind seit dem Wochenende die Proteste gegen die noch geltenden Corona-Beschränkungen in den Fokus gerückt. In Großstädten wie Berlin, München und Stuttgart gingen Tausende Menschen auf die Straßen, an vielen Stellen ohne Mundschutz und ohne Abstand zu halten. Viele Teilnehmer sind der Überzeugung, dass das Coronavirus absichtlich verbreitet wurde, um den Menschen die Grundrechte zu nehmen und sie zu überwachen. Die Teilnehmer kommen dabei aus unterschiedlichsten Gruppen: Neben einfachen Kritikern der Corona-Maßnahmen sind auch radikale Impfgegner, Verschwörungstheoretiker, Reichsbürger und Rechtsextremisten dabei. Dass sie sich aktuell vernetzen und gegen die Corona-Maßnahmen verbünden macht vielen Menschen Sorge. Darüber haben unter anderem unsere Kollegen in der aktuellen Podcast-Folge "Redebedarf" gesprochen.

Polizei Essen: Grundkritierum ist der Gesundheitsschutz

Nach den zwei Demos gegen die Corona-Beschränkungen betont die Essener Polizei die Wichtigkeit des Gesundheitschutzes. "Wir sind nicht daran interessiert, Grundrechte, wie das Demonstrieren, einzuschränken", sagt die Polizei auf Radio Essen-Nachfrage. Sie toleriere es aber nicht, wenn sich Menschen über die Coronaschutzregeln hinwegsetzen, heißt es.

Grundkriterium für die Auflösung einer Demo sei die Gefährdung anderer Menschen. Könnte sich jemand mit dem Coronavirus anstecken? Wenn ja, heißt es Schluss für die Demo. Von Menschen, die sich nicht an die Abstandsregeln halten, würden die Personalien aufgenommen. Sie bekämen dann ein Bußgeld. Laut Stadt könnte es in Zukunft öfter Demos gegen die Corona-Beschränkungen geben. Das könne die Polizei nicht prognostizieren, heißt es. Aktuell seien keine weiteren solcher Demos angemeldet.

Verschwörung und Corona: Auch Kirchenvertreter mischen mit

Ebenfalls für große Aufregung gesorgt hatten am Wochenende hochrangige Vertreter der katholischen Kirche. Sie hatten in einem öffentlichen Schreiben Stimmung gegen die Corona-Maßnahmen gemacht und behauptet, dahinter stecke eine Weltverschwörung, um den Menschen ihre Freiheiten zu nehmen. Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer hat das Schreiben heftig kritisiert: Es würden darin Wörter verwendet, "die sehr an rechtspopulistische Verschwörungstheorien erinnern", sagte Pfeffer gegenüber Radio Essen. Er sei fassungslos und finde es ungeheuerlich, wenn unsere Anstrengungen zur Eindämmung einer Pandemie diskreditiert werden. "Das sind krude Theorien, für die es überhaupt keine Belege und Fakten gibt", sagt Pfeffer. Den Hintergrund und das komplette Gespräch mit dem Essener Generalvikar dazu findet Ihr hier.

Mehr Nachrichten und Hintergründe rund um das Coronavirus findet Ihr bei uns auch in einem separaten Bereich. Da gibt es auch einen News-Ticker, ausführliche aktuelle Meldungen und auch Hintergründe und Erklärungen zur Radio Essen-Berichterstattung über das Thema. Hier geht es zur Corona-Übersichtsseite.

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