
Welche aktuellen Zahlen gibt es zur Wirtschaftslage in und um Essen?
Der Wirtschaft geht es schon länger nicht besonders gut. Bürokratie und aktuelle Entwicklungen wie der Iran-Krieg bremsen das Wachstum aus. Das zeigen jetzt auch nochmal Berichte verschiedener Verbände und Firmen. Laut Zahlen der Wirtschaftsauskunftei Creditrefom haben die Unternehmensinsolvenzen im Mittelstand des Ruhrgebiets im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum letzten Jahr um über neun Prozent zugenommen. In Essen waren es 65 Insolvenzen. Besonders betroffen sind auch Recklinghausen, Dortmund, Gelsenkirchen und Duisburg. Viele Insolvenzen gibt es vor allem im Baugewerbe. Auch bei den Dienstleistungsunternehmen nimmt die Zahl zu. Gleichzeitig haben sich im Ruhrgebiet im letzten Jahr rund 36.500 Unternehmen neu gegründet - ein Spitzenwert. Somit ist die Wirtschaft zwar am schwächeln, es geht aber nicht ausschließlich bergab, sagt Creditreform.
Warum geht es der Wirtschaft im Ruhrgebiet nur mäßig?
Dass die Wirtschaft rund um Essen schwächelt hat mit geopolitischen Spannungen zu tun, wie dem Iran-Krieg. Das sagt die Handwerkskammer Düsseldorf, die auch für Essen zuständig ist. Die Energie- und Materialkosten steigen, gleichzeitig halten sich Bürgerinnen und Bürger zurück - die Nachfrage ist also schwach. Noch bewerten mehr als ein Drittel der Handwerksbetriebe an Rhein, Ruhr und Wupper ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Es brauche aber dringend Konjunkturimpulse aus der Politik, heißt es von der Handwerkskammer. Entlastungen wie der Tankrabatt seien dabei zu kurzfristig gedacht und lösen die strukturellen Probleme nicht. Dazu gehört vor allem die Bürokratie. Der Bundestag hat deswegen am Donnerstag (23. April) ein neues Gesetz beschlossen. Damit sollen Aufträge für Bauvorhaben schneller vergeben werden können und die Verfahren sollen digitaler werden.
Was fordern die Städte im Ruhrgebiet?
Städte wie Essen sehen noch einen weiteren Punkt, der essenziell ist, um der Wirtschaft zu helfen. Beim ersten Wirtschaftsflächengipfel.Ruhr haben die städtischen Wirtschaftsförderungen, Ruhr-IHKs, Handwerkskammern und Kreishandwerkerschaften klar gemacht: Es braucht mehr Flächen für Industrie und Gewerbe. Für neue Firmen oder Firmenerweiterungen gebe es immer weniger Platz im Ruhrgebiet. Das liege daran, dass Eigentümer ihre Flächen nicht verkaufen wollen, sie nicht gut genug an das Verkehrsnetz angeschlossen sind oder es sehr aufwendig ist alte Brachflächen aufzubereiten. In einem Positionspapier fordern die Teilnehmenden, dass sich genau das ändert und die Landesregierung die Städte dabei unterstützt.