
Warum verlässt der Chef die Tafel in Essen?
Der Chef der Essener Tafel, Jörg Sartor, hört auf, weil er sagt, er sei zu alt und gesundheitlich gehe es ihm in den letzten Jahren auch nicht mehr so gut. Mit 70 Jahren gibt er damit sein Ehrenamt als Vorstandsvorsitzender der Essener Tafel ab. Am Dienstag (26. Mai) ist die Mitgliederversammlung auf der der neue Vorstand gewählt wird. Jörg Sartor wird sich dann nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Auch ein anderes Mitglied aus dem Vorstand hört aus Altersgründen auf. Jörg Sartor hat bei seiner Arbeit für die Essener Tafel viel erreicht. Die Tafel versorgt pro Woche in Essen 6000 Menschen. Außerdem beliefert die Tafel 99 karitative und soziale Einrichtungen mit übrig gebliebenen Lebensmitteln. Das sind 16.000 Kinder und Jugendliche, die dadurch etwas mehr zu essen haben. Aber - und das gehört für Jörg Sartor zur Wahrheit dazu - in Essen würde niemand verhungern, wenn es die Tafel nicht gäbe. Im Gespräch mit Radio Essen-Moderatorin Anna Bartl blickt er auf die letzten mehr als 20 Jahre bei der Tafel zurück und bereut dabei nichts.
Welche Entscheidungen waren in Essen bei der Tafel umstritten?
Besonders heftig wurde die Tafel in Essen für ihre Entscheidung 2018 kritisiert, einen Aufnahmestopp für Ausländer einzuführen. Zunächst warfen viele Jörg Sartor Ausländerfeindlichkeit vor. Er verteidigt bis heute die Entscheidung, weil damals immer mehr Menschen aus dem Ausland nach Essen und zur Tafel gekommen sind. Viele ältere Menschen aus Essen haben sich dann nicht mehr zur Tafel getraut. Das wollte er wieder ändern. Bei der Tafel bekommen Menschen, die Bürgergeld (früher Hartz4) bekommen, einen Berechtigungsschein für ein Jahr und können sich einmal in der Woche Lebensmittel dort abholen. Die Tafel hat nur für eine bestimmte Zahl von Menschen ausreichend Lebensmittel. 2018 wurde das Ungleichgewicht immer größer, damit alle die gleichen Chancen auf eine Berechtigungskarte haben, wurde zunächst ein Aufnahmestopp für Ausländer eingeführt. Bis heute, so Jörg Sartor, bekommen so alle gleichberechtigt kostenlose Lebensmittel.
Was hat Jörg Sartor in Essen noch für die Tafel erreicht?
Lange Jahre hat die Tafel in Essen nach einem neuen Standort gesucht. Die Ausgabestelle und die Büros im Wasserturm an der Steeler Straße waren zwar sehr gemütlich, aber viel zu klein für die Menge an Menschen, die dort regelmäßig Lebensmittel bekommen haben. Ehrenamtliche und Kundinnen und Kunden drängelten sich durch eine schmale Tür. Wenn eine Lieferung kam, musste die Ausgabe erst einmal gestoppt werden. Platz für Lebensmittel zum Lagern gab es nur wenig. Jahrelang hat der Chef der Tafel mit seinen Mitgliedern nach einem neuen Standort gesucht. Im letzten Jahr war es dann soweit und die Tafel ist an die Frohnhauser Straße gezogen. Dort gibt es viel mehr Platz und die Anlieferung ist einfacher. Außerdem können die Kundinnen und Kunden in einem Aufenthaltsraum auf die Ausgabe der Lebensmittel warten und stehen nicht mehr draußen vor der Tür im Freien.
