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Ab in den Jugendknast in Essen: Studierende ziehen ins Gefängnis
© Radio Essen / Kathi Strikkeling
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Ab in den Jugendknast in Essen: Studierende ziehen ins Gefängnis

Seit zehn Jahren steht eine ehemalige Jugendarrestanstalt in Essen leer. Das soll sich jetzt ändern, Studierende sollen ins Gefängnis ziehen.

Veröffentlicht: Mittwoch, 11.03.2026 14:58

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Wer saß im Jugendknast in Essen?

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Die gelbe Fassade ist an einigen Stellen abgeblättert, auf dem Dach wächst Moos und vor den Fenstern sind Gitterstäbe. In der ehemaligen Jugendarrestanstalt in Essen Werden waren von 1912 bis 2016 straffällige Jugendliche untergebracht. Auf kurzem Wege ging es vom Amtsgericht in Werden (heute das Jugend- und Bürgerzentrum) nach der Verurteilung direkt in das Gefängnis hinter dem Gericht.

Auf vier Etagen und auf jeweils Acht Quadratmetern mussten sie in kleinen Zellen mit undurchsichtigen Oberlichtern ihre Strafen absitzen. Sie konnten sich aber auch draußen auf dem Gefängnishof aufhalten.

"Ich habe einen Bauunternehmer getroffen, der den Jugendknast auch von innen kennt. Er hatte sein Moped frisiert - und jetzt steht die Vermutung im Raum, dass er das wohl öfter gemacht hat und dann irgendwann als Warnung hier einen Aufenthalt zugebilligt bekam," erzählte Architekt Thomas Deilmann.

Thomas Deilmann hat den ehemaligen Jugendknast gekauft und will darin jetzt Zimmer für Studierende bauen.

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Was ist im Jugendknast in Essen geplant?

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Wo früher Jugendliche hinter Gittern saßen, sollen bald junge Studentinnen und Studenten wohnen. Insgesamt soll es 24 Zimmer geben, jeweils drei Zimmer bilden eine WG - mit zwei Badezimmern und einer kleinen Küche im ehemaligen Gefängnisflur. Die kleinen Zellen werden dafür miteinander verbunden. Aus zwei Zellen soll immer ein Zimmer mit zwei Fenstern werden, dazu wurden bereits die Zwischenwände eingerissen.

Pro Zimmer muss wegen des Denkmalschutzes ein originales Fenster mit Gitterstäben erhalten bleiben. Die kann man von außen auch noch sehen. Das zweite Fenster wird vergrößert. Da das ehemalige Gefängnis nicht barrierefrei ist, entstehen im Gefängnishof noch acht weitere Wohnungen in einem barrierefreien Neubau.

Da das Studentenwohnheim nicht weit von der Folkwang Universität der Künste entfernt ist, rechnet Thomas Deilmann mit vielen Musik-Studierenden. Im Keller soll es neben einer Waschküche deswegen ein paar Probenräume für die Musiker geben. Für knapp 300 Euro im Monat können die Studierenden dann voraussichtlich ab Ende des Jahres in den Wohngemeinschaften im Knast wohnen.

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Warum steht der Jugendknast in Essen unter Denkmalschutz?

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Die Renovierung der ehemaligen Jugendarrestanstalt in Essen wird von der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz gefördert. Am Mittwoch (11. März) hat Ortskurator Michael Rüsing einen 100.000 Euro-Scheck zur Renovierung des Dachs übergeben. Für die Stiftung ist der ehemalige Jugendknast ein ganz besonderes Gebäude.

"1912 - das ist eine Zeit in der sich der Jugendstrafvollzug geändert hat. Man ist von einer Sammelunterbringung in großen Zellen übergegangen zu kleinen Einheiten. Und der Begriff "Resozialisierung" hatte da seine Anfänge."

Das erklärt Rüsing im Gespräch mit Radio Essen. Weiter sagt er:

"Deshalb ist das eben nicht nur als Bauwerk interessant, sondern auch als ein geschichtliches Dokument. Hier kann man erkennen, wie sich der Strafvollzug verändert hat. Wenn das alles abgerissen werden würde, dann könnte man Geschichte hinterher nur noch aus Büchern und nicht mehr aus originalen Objekten wahrnehmen."

Damit so viel der alten Gebäudestruktur erhalten bleibt, soll abgesehen von vereinzelten größeren Fenstern und den zusammengelegten Zellen die Gebäudestruktur erhalten bleiben.

Dazu gehören auch die Zellentüren aus Holz. Gerade werden sie von einem Schreiner restauriert und kommen dann wieder zurück an ihre alten Plätze.

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