
Sexuelle Gewalt in Essen: Bischof gesteht Fehler im Fall Hengsbach
Gegen Franz Kardinal Hengsbach, den früheren Bischof des Bistums Essen, gibt es insgesamt zwölf Vorwürfe wegen sexualisierter Gewalt. Hengsbach war von 1958 bis 1991 Bischof in Essen und ist 1991 gestorben. Wissenschaftler haben diese Vorwürfe jetzt in einem ersten Bericht untersucht.
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Welche Vorwürfe gibt es in Essen gegen Kardinal Hengsbach?
Die Forscher haben sich alle Vorwürfe gegen Franz Kardinal Hengsbach genau angeschaut. Vier der Vorwürfe halten sie für glaubwürdig, weil die Betroffenen ihre Erlebnisse sehr genau geschildert haben. Vier weitere Vorwürfe konnten weder bestätigt noch widerlegt werden. Vier weitere Vorwürfe über sogenannte „rituelle Gewalt" haben keine historische Grundlage und gelten daher als nicht belegbar.
Die glaubwürdigen Fälle betreffen Übergriffe auf ein 16-jähriges Mädchen in den 1950er Jahren, auf ein 13-jähriges Mädchen sowie auf einen Jungen in einem Heim in den 1960er Jahren und auf eine 13-jährige Firmandin - also ein Mädchen, das sich auf die Firmung vorbereitete - in den 1980er Jahren. Es geht um Vorwürfe wie das Berühren der Brust oder in einem Fall der erzwungene Masturbation.
Was sagen Betroffene in Essen zu den Vorwürfen und den Ergebnissen?
Johannes Norpoth, Sprecher der Betroffenen, fordert vom Bistum Essen eine neue Haltung und ungeschönte Benennung der Täter und klare Anerkennung von Franz Hengsbach als Täter.
"Franz Hengsbach war ein Sexualstraftäter.", sagt Johannes Norpoth bei der Pressekonferenz zum Zwischenbericht.
Er fordert weiter eine aktive Unterstützung des Forscherteams. Das Bistum solle sich nicht hinter dem Datenschutz verstecken. Außerdem fordert er eine schonungslose Selbstkritik und die Bereitschaft, die Macht in der Kirche zu begrenzen und Strukturen zu verändern. Außerdem fragt er nach der Rolle Roms in diesem Kontext. Für ihn als Betroffenen ist es sehr schwer, immer wieder belächelt und angegriffen zu werden. Seine Frage an die katholische Kirche lautet:
"Ist die Kirche wirklich bereit, das auszuhalten und die Konsequenzen zu ziehen?"
Wie reagiert das Bistum Essen auf die Vorwürfe?
Bischof Franz-Josef Overbeck hält die Vorwürfe für glaubwürdig und entschuldigt sich bei den Opfern. Er gibt zu, dass er 2011 ein Fax mit Vorwürfen aus dem Bistum Paderborn falsch abgelegt hat. Dadurch wurden diese Fälle in einer früheren Studie nicht untersucht. Das sei ein Fehler gewesen, sagt er selbstkritisch. Er habe die Vorwürfe nicht wahrhaben wollen. Er übernehme dafür die Verantwortung, einen Rücktritt lehnt er jedoch ab.
Generalvikar Klaus Pfeffer beschreibt Hengsbach als einen sehr autoritären Menschen, der andere Priester demütigte. Er erklärt, dass es in der Kirche lange eine Atmosphäre gegeben habe, in der man Hengsbach nicht kritisieren durfte. Das habe es den Opfern sehr schwer gemacht, mit ihren Erlebnissen gehört zu werden und ihr Leid dadurch noch verschlimmert.
Wie geht es weiter in Essen mit der Studie zu Franz Hengsbach?
Drei unabhängige Forschungsinstitute arbeiten gemeinsam an der Studie zu Franz Hengsbach. Sie haben bereits elf Fallakten mit rund 3.000 Seiten ausgewertet, 66 Meldungen nach einem öffentlichen Aufruf erhalten und 28 Interviews geführt - darunter sechs mit direkt Betroffenen. Bis Herbst 2026 soll ein vollständiger Abschlussbericht vorliegen. Außerdem ist eine Biografie über Hengsbach geplant, die voraussichtlich 2028 erscheint. Ein Forscher fasst es so zusammen: Hengsbach steht für eine Kirche, die nach außen Moral predigt und nach innen Missbrauch zulässt. Im kommenden Jahr wird es einen Abschlussbericht geben und ein Buch über das Leben von Kardinal Franz Hengsbach, in dem seine Geschichte aufgearbeitet werden soll.

