
Warum braucht die Stadt Essen mehr Plätze an Schulen?
Die Stadt Essen investiert derzeit viel Geld in den Schulbau. Der Grund: Es werden dringend mehr Schulplätze benötigt. Durch die Rückkehr zum G9-System drängt dabei die Zeit. Deshalb müssen häufig Übergangslösungen gefunden werden – was nicht immer einfach ist. Das zeigt ein aktuelles Beispiel der Alfred-Krupp-Schule in Holsterhausen. Bereits im April 2024 hatten die Essener Politiker beschlossen, das städtische Gymnasium von drei auf vier Züge – also vier Parallelklassen pro Jahrgang – zu erweitern. Dafür muss die Schule entsprechend ausgebaut werden. Im Februar 2025 stimmte der Rat zusätzlich dem Bau einer Zweifachsporthalle zu.
Der ursprüngliche Plan sah vor, bis zur Fertigstellung der Erweiterung am Hauptstandort einen Interimsbau aus Containern auf dem Schulgelände zu errichten. So sollte der zusätzliche Platzbedarf durch die G9-Rückkehr bereits zum Schuljahr 2026/27 gedeckt werden. Daraus wird nun jedoch nichts. In dem vorgesehenen Bereich nördlich der Schule verläuft laut Stadt ein Mischwasserkanal der Stadtwerke. Dieser befindet sich in einem so schlechten baulichen Zustand, dass darüber nicht gebaut werden kann.
Wo in Essen ist die Zwischenlösung für die Alfred-Krupp-Schule geplant?
Es muss also ein neuer Standort für die Übergangslösung gefunden werden. Fündig geworden ist die Stadt Essen an der Kerckhoffstraße. Die vorgesehene Ersatzfläche ist derzeit eine öffentliche Grünfläche, die von der Alfred-Krupp-Schule fußläufig erreichbar ist. Dort sollen nun Container aufgestellt werden, in denen viele Schülerinnen und Schüler vorübergehend unterrichtet werden. Die Grünfläche muss dafür zunächst weichen, soll aber nach Abschluss des Erweiterungsbaus an der Schule wiederhergestellt werden. Bäume sowie 16 Parkplätze sollen nach Angaben der Stadt erhalten bleiben.
Neben dem Wegfall der Grünfläche gibt es jedoch noch ein weiteres Problem: Durch Verzögerungen beim Erweiterungsbau müssen die Container länger als ursprünglich geplant stehen bleiben. Der Interimsbau muss spätestens zum Schuljahr 2026/27 bereitstehen. Anfangs war eine Nutzungsdauer von zwei Jahren vorgesehen, inzwischen rechnet die Stadt jedoch mit mindestens drei Jahren. Das hat Folgen: Laut Gesetz müssen die Container bei einer längeren Standzeit mit einer hochwertigeren Wärmedämmung sowie Wärmepumpentechnik ausgestattet werden.
Warum will die Stadt Essen Container kaufen und nicht mieten?
Aufgrund der aufwendigeren technischen Ausstattung plant die Stadt Essen, die Container zu kaufen und nicht – wie sonst üblich – zu mieten. Das sei wirtschaftlicher, heißt es, da keine laufenden Mietkosten anfallen und die Container künftig auch an anderen Standorten genutzt werden können. Zudem sei ein späterer Weiterverkauf möglich, der zusätzliche Einnahmen bringen könnte. Laut der Verwaltungsvorlage würde die Miete für drei Jahre bei rund 750.000 Euro liegen – bei weiteren Verzögerungen beim Erweiterungsbau entsprechend höher. Beim Kauf der Container würden dagegen einmalig rund 1,4 Millionen Euro anfallen. Der Rat der Stadt Essen will über die Pläne am 11. Februar entscheiden.